Ökonom Bruno S. Frey „So mancher wird mit Kunst-Investments eine böse Überraschung erleben“

Der Schweizer Ökonom Bruno S. Frey

Der Schweizer Ökonom Bruno S. Frey

Die Kunstpreise marschieren seit geraumer Zeit. Jüngstes Beispiel war der Verkauf des Picassos „Die Frauen von Algier“ für die Rekordsumme von 179 Millionen Dollar. Zeit, auf Kunst-Investments aufzuspringen? Mitnichten, findet der Schweizer Ökonom Bruno S. Frey im Interview gegenüber der Zeitung „Die Welt“. Es sei das viele billige Geld, das die Preise treibt. Böse Überraschungen für so manchen seien nicht auszuschließen.

Die Versteigerung des Picasso Gemäldes, immerhin in den Neunziger Jahren noch mit einem Wert von 32 Millionen Dollar taxiert, sei laut Frey eine verzerrende Ausnahme. Selbst renommierte Auktionshäuser würden derzeit für bis zu einem Drittel der Objekte keine Abnehmer finden. Hinzu kommen hohe Gebühren für den Verkauf von Kunstgemälde, die der Verkäufer zu tragen hat.

Im Interview räumt Frey auch mit der Kunst-Rendite auf. Der jüngste Picasso sei nicht repräsentativ. Dies untermauert der Direktor des Centre for Research in Economics, Management and the Arts, kurz Crema, mit einer Untersuchung. Der Ökonom hat die Auktionsergebnisse bis ins 17. Jahrhundert gesammelt und errechnet, welche Rendite Kunst erzielt hat. Das Ergebnis ist mau: Die Realrendite liegt über diesen Zeitraum bei 1,5 Prozent.

Schlechte Rahmenbedingungen

Für wenig zielführend hält Frey auch das geplante Kulturgutschutzgesetz. Damit will Kulturstaatsministerin Monika Grütters Kunstwerke zu nationalen Kulturgütern deklarieren können und so die Ausfuhr verbieten.

Negativ für den Kunstmarkt in Deutschland sei, dass es künftig für Kunsthändler und -sammler nicht mehr so attraktiv sein wird, ein bedeutendes Werk nach Deutschland zu bringen. Zu groß sei das Risiko, dass die deutsche Bürokratie ein Verkaufs- oder Ausführungsveto verhängt. „Das ist nicht nur ein Eingriff in die Eigentumsrechte der Sammler, sondern vermindert den potenziellen Wiederverkaufspreis“, so Frey.