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Konjunktur in Deutschland Das Geschäftsklima ist im Keller

Gähnende Leere auf der am stärksten befahrenen Autobahn A3 in Deutschland: Eine tiefere Rezession als 2009 ist zu erwarten. | © imago images / Rupert Oberhäuser

Gähnende Leere auf der am stärksten befahrenen Autobahn A3 in Deutschland: Eine tiefere Rezession als 2009 ist zu erwarten. Foto: imago images / Rupert Oberhäuser

Die ersten Wirtschaftsindikatoren sind veröffentlicht, seitdem sich das Corona-Virus in Europa weiter ausgebreitet hat. Die Zahlen des ZEW und des ifo Instituts für März 2020 zeigen, dass Deutschland mit dramatischen Einbrüchen rechnen muss. Die beiden Leitindikatoren der deutschen Wirtschaft, die auf Stimmungsumfragen im Finanz- und Wirtschaftsumfeld basieren, sind von Februar auf März erneut gefallen.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind seit der Februarmessung um 58,2 Punkte auf minus 49,5 Punkten gefallen – der stärkste Rückgang seit Beginn der Umfragen im Dezember 1991. Auch das ifo-Geschäftsklima ist wegen der Corona-Krise noch schlimmer eingebrochen als bisher befürchtet. Der Index hat um fast zehn Punkte zurückgesetzt – der stärkste jemals gemessene Rückgang seit der Wiedervereinigung Deutschlands, und mit 86,1 Punkten der niedrigste Wert seit Juli 2009.

Insbesondere der ifo Index-Wert ist besorgniserregend: Eine schnelle Erholung der deutschen Konjunktur erscheint unwahrscheinlich. Die Korrelation zwischen ifo-Umfragewerten und dem deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist nicht immer genau, dennoch lässt der März-Wert einen Rückgang des BIP von knapp drei Prozent im Jahresvergleich erwarten. Es dürften weitere Rückgänge der Umfragewerte in den nächsten Monaten folgen, wenn die Lockdown-Situation vollständig berücksichtigt werden kann.

Auch Wirtschaftsexperten rechnen mit einem Einbruch – im schlimmsten Fall könnte die deutsche Wirtschaft dieses Jahr 5,4 Prozent ihres BIP verlieren. Das ifo Institut prognostiziert sogar Einbußen bis zu 20,6 Prozent im laufenden Jahr.

Die „schwarze Null“ wechselt die Farbe

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Antworten – Notenbanken haben ihre Leitzinsen gesenkt sowie Maßnahmen zur quantitativen Lockerung eingeführt. Regierungen haben zusätzliche fiskalpolitische Unterstützung verkündet.

Das Ende der „schwarzen Null“ ist in Deutschland mit der Corona-Krise wohl besiegelt – auch wenn es sich beim Großteil des riesigen 650 Milliarden Euro Hilfspakets um staatliche Garantien, mit einem Umfang von 500 Milliarden Euro, für private Unternehmen handelt. Diese Garantien werden nur dann auf das Defizit angerechnet, wenn tatsächlich Anspruch darauf erhoben wird. Erst dann würden die Ausgaben neue Schulden auslösen.

Das zusätzliche „traditionelle Defizit“ ist auf 150 Milliarden Euro begrenzt, was allerdings noch immer rund 4,5 Prozent des BIP bedeutet. Aber selbst dieser Betrag sollte leicht von der EZB und ihren geplanten Anleihenmarktkäufen unterstützt werden.

Was bringt der April sonst?

Es ist zurzeit schwer, über die Coronavirus-Pandemie hinwegzuschauen. Im April wird es die ersten wichtigen Zahlen für März geben – insbesondere die finalen Einkaufsmanagerindex-Daten (PMI) am Anfang des Monats und die Flash-Zahlen für April gegen Ende des Monats.

Den Stimmungsumfragen von ifo Institut und ZEW wird wieder große Aufmerksamkeit geschenkt werden: Am 21. April und 24. April spiegeln sie das Geschäftsklima bis etwa Mitte April. Die Arbeitslosenzahlen für März dürften auch erste Indikatoren für die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bevölkerung darstellen.

Mitte Mai werden dann die ersten BIP-Zahlen für das erste Quartal präsentiert.