Das bedeutet nicht, dass Asset-Manager ihre politischen Überzeugungen in die Auswahl miteinbringen sollten. Die Anlageentscheidung sollte einzig und allein aus der finanziellen Bewertung des Assets und seiner Charakteristika erfolgen – kombiniert mit einer Bewertung des Landes im Verhältnis zu seiner Vergleichsgruppe.
Unterschiedliche Datenquellen unterstützen bei intensiver Analyse
Der Bewertungsprozess für Staatsanleihen geht weit über das übliche ESG-Rating hinaus – das sind die vier wichtigsten Elemente:
- Zunächst fließen die grundlegenden Merkmale des Landes in die Analyse ein, darunter die Fiskal- und Geldpolitik, die wirtschaftlichen Trends sowie das politische und soziale Umfeld. Alle Faktoren, die das Potenzial haben, die Fähigkeit der Regierung zur Bedienung und Rückzahlung der Schulden zu beeinträchtigen, werden untersucht, dazu gehören eine Reihe von ESG-Faktoren.
- Im Rahmen des Investmentprozesses werden nur solche Anleihen ausgewählt, die von MSCI mit BB oder höher bewertet werden.
- Die ESG-Regierungsratings von MSCI bewerten die ESG-Risikoexposition, das Risikomanagement und die Performance eines Landes. Sie sind nicht mit den Ratings von Ratingagenturen identisch und sollten nicht mit diesen verwechselt werden. Die MSCI-ESG-Risikobewertung berücksichtigt, dass jedes Land über eine unterschiedliche Zusammensetzung von Ressourcen verfügt – seien es Finanzen, Arbeitskräfte oder Rohstoffe. Das ESG-Risikomanagement und die Performance eines Landes werden anhand einer Reihe von Faktoren gemessen. Dazu gehören unter anderem die Effizienz der Ressourcennutzung, die Leistung bei sozioökonomischen Faktoren, das Finanzmanagement, die Kontrolle der Korruption oder die politische Stabilität.
- Darüber hinaus werden die Stärken und Schwächen des emittierenden Landes qualitativ überprüft. Hilfreich sind dafür unter anderem Untersuchungen der Weltbank, von Freedom House oder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen für Forschung im Bereich Governance und soziale Fragen. Zur Bewertung der Umweltpolitik können Forschungsergebnisse anderer Organisationen, zum Beispiel der Klimaschutz-Index herangezogen werden (siehe Abbildung 2).
- Das WGI-Ranking, dem Worldwide Governance Indicator der Weltbank, bewertet jedes einzelne Land nach ESG-Charakteristiken. Der Indikator berechnet sich aus dem Durchschnitt folgender sechs Messgrößen der Regierungsführung: Sprache und Verantwortlichkeit, politische Stabilität und Gewaltfreiheit, Effektivität der Regierung, regulatorische Qualität, Rechtsstaatlichkeit und Kontrolle der Korruption. Dabei ist 0 das niedrigste und 100 das höchstmögliche Ranking. Beispielsweise hat Mexiko ein Durchschnittsranking von 38, Italien kommt auf 68, Chile auf 79 und die USA auf 85.
Abbildung 2: Ausgewählte Eingangsdaten zur ESG-Beurteilung von Staaten
