Kommentar zur WTO Wie sich die US-Blockade entschärfen lässt

Seite 2 / 2

Handelskonflikte weiten sich aus

Anleger müssten sich entsprechend auf noch stärkere Auswirkungen der Handelskonflikte einstellen. Welche Spuren die Konflikte an den Märkten hinterlassen, ist schon jetzt deutlich erkennbar: Anfang Dezember äußerte US-Präsident Donald Trump, dass er ein Handelsabkommen mit China möglicherweise erst nach der Präsidentschaftswahl 2020 weiterverfolgen würde.

Die Aktienkurse brachen ein und erholten sich erst wieder, als China ankündigte, von Strafzöllen auf US-Sojabohnen und -Schweinefleisch abzusehen. Gleichzeitig ist es möglich, dass Donald Trump weitere Zölle verhängt. Und dass es den USA und China 2019 nicht mehr gelingt, sich auch nur auf ein „Phase 1“-Teilabkommen im Handelskonflikt zu einigen. Selbst wenn dies gelänge, würde die Einigung nur an der Oberfläche der Streitthemen kratzen.

Können die Zentralbanken helfen?

Mit der weiteren Eskalation im Handelskonflikte dürfte auch die protektionistische Selbstjustiz zunehmen. Je länger diese Situation anhält, desto größer könnte der Schaden für den Freihandel und das globale Wachstum werden. Die volle Tragweite wird erst allmählich deutlich.

Die gute Nachricht ist, dass die Zentralbanken offenbar ihre Geldpolitik weiter lockern wollen, falls sich die Handelsproblematik nochmals erheblich verschärfen sollte. Obwohl dies der Wirtschaft wahrscheinlich nur wenig helfen wird, könnten entsprechende Maßnahmen Risikoanlagen zumindest stabilisieren.

Die Demontage der WTO dürfte indes keine sofortigen negativen Auswirkungen auf die Märkte haben. Sie könnte allerdings zu stärkeren Kursausschlägen an den Aktien- und Staatsanleihemärkten führen, sobald die Länder beginnen, ihre Handelskonflikte außerhalb der WTO auszutragen. Die Demontage könnte aber auch eine positive Wirkung entfalten – falls sich die Zentralbanken veranlasst sehen sollten, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern.

Lagarde und Powell unter Beobachtung

Entsprechend wichtig wird die erste Sitzung der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) im neuen Jahr sowie die Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell sein: Powell könnten einige Fragen zur Handelssituation gestellt werden. Möglicherweise müsste er dann zumindest andeuten, wie die Fed auf eine Verschärfung der Lage reagieren will. Bei der ersten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) 2020 ist es vor allem wichtig, wie die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihre Institution bei einer Verschärfung der Handelssituation ausrichten wird.