Für einige Mandanten räumen wir bewusst neben Aktien und Anleihen ein eigenes Budget für diversifizierte Absolute-Return-Konzepte ein. Das Ziel besteht für alle Anleger darin, sich über mehrere, voneinander möglichst unabhängigen Renditequellen eine marktunabhängige Performance zu sichern.
Optisch war diese Mission Jahr für Jahr in vielen Absolute-Return-Fonds erfüllt. Dass das in vielen Fällen lediglich der Tatsache geschuldet war, dass Aktien und Anleihen eng korreliert verlaufen sind, und darüber hinaus kaum ein gegenläufiges Risiko investiert war, wird jetzt eindrücklich sichtbar.
Viele Fonds haben binnen weniger Monate enorme Verluste angehäuft, weil sie nichts anders als elegant vermarktete Mischfonds sind, die über ihr Aktien- und ihr Anleihe-Exposure verloren haben. Darüber hinaus investierte Risiken kamen nicht mehr zum Tragen.
Fazit: Zu erfolgreichen Aufbau eines Absolute-Return-Portfolios gehören Fonds unterschiedlichster Ausprägung. Sie sind teuer, arbeiten oft mit Derivaten und mit Ansätzen, die eher an Hedgefonds erinnern – aber ihre Streuung führt zum gewünschten Ergebnis – auch in der abgelaufenen Marktphase.
Wer sich in solchen Anlagethemen unwohl fühlt, sollte dann aber auch auf die verkappten Mischfonds verzichten, sie bieten selten einen angemessenen Mehrwert.
Eine Lehre steht uns noch bevor, sie ist aber jetzt schon greifbar. Waren wir nicht nach 2008 so erpicht auf börsenunabhängige Risiken, und suchen wir nicht händeringend nach Sachwertinvestments, die unsere verloren gegangene Rentenrendite kompensieren sollen?
Der Markt antwortet mit vielen Produkten. Erneuerbare Energien, Infrastruktur Mittelstandsportfolios, diverse Private-Equity-Konzepte und Immobilien, nicht zuletzt Land- und Forstwirtschaft werten das Vermögen auf.
Der Haken: Schon 2005 und 2006 glaubten wir daran, dass konjunkturbedingte Preisnormalisierungen solchen Investments nichts anhaben können. Nach sieben Jahren Asset-Inflation kann mit Blick auf die Restlaufzeit solcher Produkte aber schon jetzt antizipiert werden, dass alle genannten Investments auf ein mögliches Ende des Jahre andauernden und geldgetriebenen Konjunkturzyklus in der westlichen Welt reagieren werden – sowohl ausschüttungsseitig wie preislich.
Wer solche Investments noch sucht und investiert, sollte sie genau auf ihr Renditemodell prüfen und gerne auch mal sehr schwache Jahre rechnerisch simulieren.
Gesamtfazit
Es hat sich bewährt, dass vor ein passives Sachwertinvestment die Frage gestellt wird, welches Investment überhaupt zu einer Familie, einer Stiftung oder Pensionskasse passt. Und unter welchen Umständen, die sich an Rendite, deren Schwankungen und den Kosten festmachen lassen.
So manifestiert sich ein Prinzip, das sich immer ausgezahlt hat: das Vermögen kommt zum Investment, wenn dieses in einen vorher entwickelten Kriterienkatalog passt – nicht umgekehrt, wenn der Vertriebsweg das Investment zum Vermögen führt.
So teuer diese Erkenntnisse von einigen Anlegergruppen bezahlt wurden, halten sie Chancen bereit, die lange Jahre preislich zugewuchert wirken mussten. Mit einigen Maßnahmen lassen sich diese Chancen identifizieren und nutzbar machen – insbesondere für jene, die über opportunistisch gehaltene Liquidität verfügen oder ein Cash-Event hatten.
Im zweiten Teil der Serie geht es um die konkrete Umsetzung der gezogenen Lehren.
Über den Autor:
Christian Hammes hat Betriebswirtschaft in Saarbrücken studiert war für verschiedene Bankhäuser in der Anlageberatung von Familien tätig, bevor er als Vorstand in den Investment-Arm eine Single Family Office berufen wurde. Seit 2015 berät er in dem von ihm gegründeten Eta Family Office Unternehmerfamilien, Unternehmensverkäufer und unterstützt Rechtsanwälte und Steuerberater bei der interdisziplinären strategischen Beratung von Großvermögen.
Hammes ist in mehrere Familienbeiräte berufen und organisiert mit einigen Partnern ein informelles Family-Office-Netzwerk zum fachlichen Austausch.