Kommalpha-Studie zur Verwahrstellenbranche Zwei Anbieter kontrollieren bald die Hälfte des deutschen Custody-Marktes

Clemens Schuerhoff von Kommalpha

Clemens Schuerhoff von Kommalpha Bildquelle: Kommalpha

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Der deutsche Verwahrstellenmarkt steht vor einem historischen Umbruch. Nach dem Verkauf des HSBC-Geschäfts an BNP Paribas kontrollieren zwei Anbieter mehr als die Hälfte aller verwahrten Vermögenswerte in Deutschland. Das zeigt die aktuelle Verwahrstellen- und Custody-Erhebung von Kommalpha. Die 16 teilnehmenden Banken verwahren insgesamt 7,1 Billionen Euro – ein Rekordwert.

Marktkonzentration erreicht neues Niveau

Die drei größten Verwahrstellen – BNP Paribas, DZ Bank und HSBC – vereinen bereits 3,8 Billionen Euro. Das entspricht einem Marktanteil von 54 Prozent. Nach Abschluss der HSBC-Transaktion spitzt sich das Bild weiter zu: Gemeinsam machen die zwei Häuser über die Hälfte des Custody-Marktes aus.

Die Konsolidierungswelle erfasst auch weitere prominente Namen: Warburg gibt das Geschäft für liquide Vermögenswerte an Donner & Reuschel ab. Die Apobank verkauft an die DZ Bank. Die LBBW hat 2021 das komplette Verwahrstellengeschäft für Spezial- und Publikumsfonds der Helaba übernommen.

Investoren sehen Wettbewerb nicht gefährdet

Trotz der Konzentration bleiben institutionelle Anleger gelassen. Felix Peters, Leiter Institutionelles Geschäft bei Ampega Investment, beobachtet keine Nachteile: „Unserer Wahrnehmung nach reicht die Anzahl der Verwahrstellen in Deutschland, um ausreichende Alternativen und Wettbewerb sicherzustellen.“

Auch Karsten Ehlen, Leiter Asset Servicing bei der Zurich Gruppe Deutschland, sieht weiterhin genug Anreize für organisches Wachstum. Dieter Lehmann von der Volkswagen Stiftung ergänzt: „Da wir von unseren Verwahrstellen außer der Verwahrung selbst keine weiteren Dienstleistungen in Anspruch nehmen, haben sich für uns keine Veränderungen ergeben.“

Spezialfondsvolumen versechsfacht sich seit 2006

Das Wachstum der Branche ist beeindruckend. Die verwahrten Spezialfonds stiegen von 347 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf 2,1 Billionen Euro. Das entspricht einer Versechsfachung in 19 Jahren. Die Erhebung deckt 97 Prozent des deutschen Spezialfondsmarktes ab.

Das Geschäft konzentriert sich auf institutionelle Investoren. Die Studie zählt 4.431 Spezialfonds für insgesamt 3.478 institutionelle Anleger. 1.375 Asset Manager sind angebunden. Die sieben größten Häuser vereinen 2,4 Billionen Euro an Fondsvermögen – das sind 86 Prozent des Gesamtmarktes.

Entwicklung verwahrtes Volumen der Umfrageteilnehmer (in Mrd. Euro)
Entwicklung verwahrtes Volumen der Umfrageteilnehmer (in Mrd. Euro) | Bildquelle: Kommalpha

Regulierung fordert die Branche

Die regulatorischen Anforderungen bleiben eine Dauerbelastung. Drei Themen dominieren aktuell: die Umsetzung der AIFMD II durch das Fondsrisikobegrenzungsgesetz, die Einführung von T+1 im Oktober 2027 sowie digitale und kryptobasierte Vermögenswerte.

Die AIFMD II bringt neue Instrumente für das Liquiditätsmanagement, deren Einführung bis 2026 erfolgen soll. „Positiv ist, dass künftig die KVG und nicht mehr die Verwahrstelle Fonds abwickeln soll, auch wenn Fragen zur Abwicklung im Falle einer KVG-Insolvenz weiterhin offen sind“, schreibt die Studienautor Clemens Schuerhoff.

Die geplante Verkürzung des Abwicklungszyklus auf T+1 erzeugt erheblichen Anpassungsdruck. Die Umstellung betrifft nicht nur Handel und Abwicklung, sondern auch nachgelagerte Systeme wie Meldewesen, Devisenprozesse und Fehlerkorrekturen. Unklar ist bislang, ob Anteilsscheingeschäfte ebenfalls unter T+1 fallen.

Die Umstellung erfordert vollautomatisierte Prozesse. Manuelle Eingriffe werden künftig zu Abwicklungsfehlern und Liquiditätsengpässen führen. Der traditionell europäische Rhythmus mit begrenzten Backoffice-Zeiten kann mit den globalen Anforderungen kaum mithalten. In den USA und Großbritannien sind 24/7-Modelle längst Standard.

Digitalisierung als Schlüsselthema

Kryptowertpapiere und die Markets in Crypto-Assets Regulation (Micar) verändern die Aufgaben der Verwahrstellen grundlegend. Das Bankenrichtlinienumsetzungs- und Bürokratieentlastungsgesetz ermöglicht Verwahrstellen erstmals, ohne zusätzliche Erlaubnis als Kryptoregisterführer zu agieren.

Auf die Frage, wann 90 Prozent aller deutschen Fondsbestände DLT-basiert sein werden – also verteilte Kontobuch-Technologien wie Blockchain einsetzen –, gehen die Einschätzungen weit auseinander. Die Prognosen reichen von 2033 bis 2045. Einige Häuser sind bereits weiter: Dekabank, DZ Bank und Hauck Aufhäuser Lampe verfügen über Bafin-Lizenzen für Kryptoverwahrung oder haben diese beantragt.

Alternatives: Nachfrage trifft auf lückenhaftes Angebot

Institutionelle Investoren suchen verstärkt Zugang zu alternativen Anlageklassen wie Private Debt, Infrastruktur und Immobilien. Doch das Angebot der Verwahrstellen hinkt hinterher. Bei Private Equity, Immobilien, Infrastruktur und Darlehensfonds zeigt sich ein heterogenes Bild: Eine signifikante Anzahl der Banken hat in diesen Bereichen kein Angebot – darunter auch große globale Häuser.

„Es handelt sich nicht um skalierbares Plain-Vanilla-Geschäft, sondern um teilweise komplexe individuelle Sachverhalte“, so Schuerhoff. Einige Häuser hätten sich spezialisiert und investiert. Wer alternative Anlageklassen im Portfolio habe, müsse die Angebotsstruktur der Verwahrstellen genau analysieren.

 

Preisdruck bleibt – doch Qualität entscheidet

Bei den Gebühren zeigt sich ein gemischtes Bild. Acht der 16 teilnehmenden Verwahrstellen meldeten für den Zeitraum 2023 bis 2025 konstante Preise. Die anderen acht Häuser verzeichneten sinkende Konditionen – vor allem durch Neuverhandlungen und Mandatswechsel. Keine einzige Verwahrstelle konnte steigende Gebühren durchsetzen.

Bei dreistelligen Millionenbeträgen liegen die Gebühren im „tiefen einstelligen Basispunktbereich“. Für die Zukunft rechnen die Autoren mit konstanten und in Einzelfällen weiter sinkenden Gebühren.

Dennoch ist der Preis nicht allein entscheidend. „In der gelebten Praxis sehe ich die Qualität des Maschinenraumes und des dazugehörigen Personals als ausschlaggebend an“, sagt Karsten Ehlen von der Zurich Gruppe. Entscheidend seien reibungslose Schnittstellen und ausreichende Investitionen in die Zukunftsfähigkeit. Daneben spielen Größe, Solvenz, Innovationsfähigkeit und Stabilität der Gesellschafterstruktur eine wesentliche Rolle.

Konsolidierung dürfte weitergehen

Die Studie zeigt: Der deutsche Custody -Markt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Technologie, Regulierung und Kundenbedürfnisse treiben die Entwicklung. Verwahrstellen müssen massiv investieren – bei gleichzeitig stagnierendem oder sinkendem Gebührenniveau. Die Konsolidierung dürfte daher weitergehen.

Die komplette Studie können Sie hier herunterladen. 

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