Rohstoff-Experte von BNP Paribas Gespannte Blicke Richtung Wien wegen des Ölpreises

Hält eine langfristige Untergrenze beim Ölpreis von um die 55 US-Dollar für wahrscheinlich: Kemal Bagci, ETC-Experte von BNP Paribas | © Christian Scholtysik, Patrick Hipp

Hält eine langfristige Untergrenze beim Ölpreis von um die 55 US-Dollar für wahrscheinlich: Kemal Bagci, ETC-Experte von BNP Paribas Foto: Christian Scholtysik, Patrick Hipp

Am 25. Mai schaut alle Welt nach Wien. Auf dem 172. Opec-Treffen wird ein Beschluss über das weitere Einfrieren der Öl-Förderquoten erwartet. Gelingt es unter der Führung von Saudi-Arabien die Ölproduktion mithilfe anderer großer Produzenten wie Russland, Norwegen und Mexiko nachhaltig niedrig zu halten, würde dies viel Unsicherheit aus dem Markt nehmen.

Doch bis zur Einigung ist es ein weiter Weg. Denn jedes Land hat eigene Interessen. Allen voran Saudi-Arabien liegt an einem höheren Preis. Dies würde das Staatsbudget, das weit in die roten Zahlen gerutscht ist, entlasten. Es würde auch den bisher staatlichen Ölkonzern Aramco aufwerten, dessen Privatisierung ansteht.

Neben den Eigenheiten der Opec-Partner gibt es ein zusätzliches Problem: Auch Ölproduzenten außerhalb der Opec müssen dazu animiert werden, ihre Förderung zu drosseln. In erster Reihe steht dabei Russland. Da dort die Konzerne zum Großteil privatwirtschaftlich arbeiten, ist eine staatlich verordnete Drosselung nicht leicht möglich.

Alle diese Schwierigkeiten versuchen die Marktteilnehmer in die Ölnotierungen einzupreisen. Am abnehmenden Wert des Energieträgers ist zu erkennen, dass die Börsianer eher gegen ein erfolgreiches Opec-Abkommen wetten.

Auch spielt die US-Ölbranche eine große Rolle. Zuletzt nahmen sowohl die Anzahl der aktiven Bohrungen sowie die Ölproduktion in den USA wieder zu. Doch dieser Trend könnte überschätzt werden. Zwar kann eine ganze Reihe von Unternehmen in den Schieferölgebieten heute mit einem Ölpreis von 50 US-Dollar je Barrel gut leben.

Doch die Kosten werden – auch wenn der technische Fortschritt die Ausbeute der Ölquellen erhöht – bei erhöhter Nachfrage nach Bohrausrüstungen wieder steigen. Zudem dürften die Finanzierungskosten zunehmen. Ein Ölpreis (Sorte Brent) um die 55 US-Dollar je 159-Liter-Fass dürfte daher langfristig eher die Untergrenze darstellen.

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