Klimawandel setzt Versicherer unter Druck Nachhaltige Anlagen brauchen Rückenwind der Regulierer

Steve Waygood leitet das Global Responsible Investment Team von Aviva Investors. | © Aviva Investors

Steve Waygood leitet das Global Responsible Investment Team von Aviva Investors. Foto: Aviva Investors

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Versicherungswirtschaft sprechen eine deutliche Sprache: Allein 2017 betrugen die wirtschaftlichen Schäden durch globale Naturkatastrophen mehr als 267 Milliarden Euro. Zwar können die Versicherer dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit gegen die Auswirkungen des Klimawandels weltweit zu erhöhen, dennoch bleiben erhebliche Deckungslücken, die weiter wachsen werden.

Branchenexperten befürchten, dass eine Erwärmung von mehr als vier Grad Celsius in diesem Jahrhundert die Welt letztlich unversicherbar machen würde. Als langfristige Investoren müssen die Versicherer ihre Kapitalanlagen schützen und ausbauen. Sie müssen ihren Teil dazu beitragen, einen reibungslosen Übergang in eine weit unter dem Zwei-Grad-Ziel liegende Welt zu schaffen und die Versprechen an ihre Kunden zu erfüllen.

Versicherungswirtschaft braucht regulatorische Maßnahmen

Es ist an der Zeit, dass die Regulierungsbehörden alle verfügbaren Instrumente nutzen, um die Risiken für die finanzielle Stabilität der Versicherungswirtschaft anzugehen. Derzeit ist laut Solvency II das Hauptziel des EU-Versicherungs- und Rückversicherungsaufsichtssystems „der angemessene Schutz der Versicherungsnehmer und Begünstigten“. Das Regelwerk könnte jedoch mehr tun, um die Bedeutung des langfristigen Klimarisikos zu verdeutlichen und nachhaltige Investitionen und damit langfristiges Wachstum anzuregen.

Darüber hinaus sollten die einzelnen Mitgliedsstaaten geeignete Maßnahmen zur Förderung grüner Investmentrisiken ergreifen dürfen, die bisher den Binnenmarkt für Versicherungen beeinträchtigen. Dies liegt an den unterschiedlichen Regeln, die für die verschiedenen Versicherer je nach Hauptsitz ihres Unternehmens gelten. Um diese Problematik anzugehen, sollten alle Änderungen der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) darauf abzielen, Nachhaltigkeit in alle drei Säulen von Solvency II zu integrieren.

Derzeit trägt Solvency II wenig dazu bei, dass sich Versicherer dafür entscheiden, das Klimarisiko entweder in ihren Risikorahmen oder in ihre unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORSA) gemäß Säule 2 aufzunehmen. Ebenso wenig ermutigt sie die Versicherer, klimarelevante Informationen in Säule 3 offenzulegen. Da es sich bei dem Klimawandel um ein längerfristiges, externes Risiko handelt, wird es nicht unbedingt explizit in den Inhalten aufgegriffen, welche die Versicherer in ihre unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORSA) aufnehmen.