Milliardär und Philantrop Klaus-Michael Kühne ist mit 89 Jahren gestorben

Klaus-Michael Kühne wurde 89 Jahre alt.

Klaus-Michael Kühne wurde 89 Jahre alt. Bildquelle: Imago Images / Oliver Ruhnke

Klaus-Michael Kühne, Unternehmer, Großaktionär und Stifter ist mit 89 Jahren verstorben. Mit ihm verliert der deutsche Wirtschaftsraum einen seiner sichtbarsten Firmenpatriarchen.

Ein Vermögen, das dem Milliardär selbst nicht mehr geheuer war

Kühne wurde 1937 in Hamburg geboren. Ende der 1960er-Jahre wanderte er gemeinsam mit seinem Vater Alfred in die Schweiz aus. Bereits in jungen Jahren wurde er zum Vorstandsvorsitzenden von Kühne + Nagel ernannt, dem Logistikunternehmen, das sein Großvater August 1890 mitgegründet hatte. Die Kühne Holding hält über 50 Prozent bis heute die Mehrheit an dem Konzern, der zu einem der weltgrößten Unternehmen für Luft- und Seefracht aufgestiegen ist. 2009 kam eine Beteiligung an der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hinzu. Um diese vor einem Verkauf an asiatische Investoren zu bewahren, hier hält die Holding 30 Prozent.

In den Krisen der jüngeren Vergangenheit vermehrte sich Kühnes Besitz. Das in der Kühne Holding gebündelte Vermögen liegt bei gut 30 Milliarden Euro. Den Zuwachs kommentierte Kühne 2024 gegenüber der FAZ mit einem Satz, der sein Verhältnis zum eigenen Reichtum fasste: Die Werte, die da zusammengekommen seien, seien „fast schon erschreckend“ hoch.

Ein Erbe ohne Erben – und eine Nachfolge mit Lücke

Kühne und seine Ehefrau Christine, mit der er seit 1989 verheiratet ist, haben keine leiblichen Kinder. Sein Vermögen soll vollständig an die von der Familie gegründete Kühne-Stiftung übergehen – womit diese, wie Kühne es formulierte, zu einer der größten Europas wird und mit seinem Tod zur beherrschenden Institution im gesamten Firmengeflecht.

Genau dort zeigte Kühne selbst die einzige offene Stelle auf. Sein Nachfolger im Präsidentenamt steht seit Längerem fest: der Basler Anwalt und langjährige Vertraute Thomas Staehelin, bislang Vizepräsident. Eine Dauerlösung konnte das schon 2024 nicht sein, da Staehelin damals bereits 77 Jahre alt war. Wer einmal auf ihn folgt, ließ Kühne offen.

„Mich kann man nicht klonen“ 

Für die Nach-Nachfolge gebe es mehrere Kandidaten, hatte er gesagt und als einen von ihnen Axa-Chef Thomas Buberl genannt, der seit 2023 im Stiftungsrat sitzt. Ob die Stiftung diese Frage inzwischen intern beantwortet hat, ist nicht öffentlich bekannt. Dem von Kühne als zwölfköpfig beschriebenen Gremium gehören zudem Ehefrau Christine, der frühere Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt, Kühne-Holding-Vorsitzender Karl Gernandt und der frühere Hamburger Finanzsenator Wolfgang Peiner an. Der ehemalige Bundesbankpräsident Jens Weidmann schied im November 2025 aus. Dass ein Stiftungsmodell die prägende Unternehmerpersönlichkeit nicht ersetzen kann, wusste Kühne selbst: „mich kann man nicht klonen“, sagte er 2015.

Ein Imperium, das aktiv geführt wird

Kommerziell ist Kühnes Erbe längst in andere Hände übergegangen. Seit April 2024 führt Dominik de Daniel die Kühne Holding, in der der Unternehmer seine Beteiligungen bündelte; den Vorsitz behielt Karl Gernandt. De Daniel versteht die Holding ausdrücklich nicht als passiven Investor, sondern als mitgestaltenden Ankeraktionär mit langem Horizont – eine Haltung, die zu Kühne passte, der nie für die Seitenlinie bekannt war.

Über die börsennotierten Kernbeteiligungen Kühne + Nagel, Hapag-Lloyd, Lufthansa und den Chemiedistributeur Brenntag hinaus weitete die Holding ihr Portfolio zuletzt auf nicht börsennotierte Unternehmen aus. Rund eine Milliarde Euro flossen in den Transportdienstleister Flix, ein Milliardenbetrag in den Pharmahersteller Aenova, an dem die Holding 87 Prozent hält und den Rest bis 2027 übernehmen will. Als weiteres Wachstumsfeld nannte de Daniel den Gesundheitsbereich. Kühne + Nagel aber bleibe „das absolute Herzstück“, von dem man sich nicht trenne. Einer zuletzt in Hamburg kursierenden Zukauf-Spekulation erteilte er dagegen eine Absage. An der ebenfalls aus der Hansestadt stammenden Privatbank M.M. Warburg & CO sei die Holding nicht interessiert, das passe nicht ins Portfolio.

Ein Erbe, das vor allem in Hamburg sichtbar bleibt

Die Kühne-Stiftung, 1976 von Kühne und seinen Eltern Alfred und Mercedes gegründet, arbeitet überwiegend operativ und schüttet jährlich rund 35 bis 40 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke aus. Gefördert werden universitäre Logistiklehre, medizinische Forschung, Kultur und Klimaforschung. In Hamburg initiierte die Stiftung die Kühne Logistics University. Sie unterstützt den Konzertbetrieb der Elbphilharmonie und betreibt den Medizincampus Davos.

Zuletzt verfolgte Kühne ein weiteres Hamburger Kulturvorhaben. Über die Stiftung wollte er der Stadt ein neues Opernhaus auf dem Baakenhöft in der Hafencity finanzieren und hatte sich bereit erklärt, dafür bis zu 330 Millionen Euro aufzuwenden. Die Stadt sollte Grundstück und Erschließung beisteuern, die Fertigstellung war für 2032 vorgesehen. Bei seinem Tod waren die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. In der breiten Öffentlichkeit war er zugleich als Investor und Mäzen des Hamburger SV präsent.

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