ETF-Vertriebschef Ivan Durdevic im Gespräch „KI macht Investmententscheidungen schneller, fundierter und transparenter“

ETF-Vertriebschef Ivan Durdevic im Gespräch
„KI macht Investmententscheidungen schneller, fundierter und transparenter“
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Ivan Durdevic, Co-Head EMEA ETF Distribution bei J.P. Morgan Asset Management

Ivan Durdevic, Co-Head EMEA ETF Distribution bei J.P. Morgan Asset Management Bildquelle: J.P. Morgan Asset Management

private banking magazin: Seit wann setzt J.P. Morgan Asset Management KI im Portfoliomanagement ein – und wie hat sich der Einsatz konkret weiterentwickelt?

Ivan Durdevic: J.P. Morgan Asset Management nutzt bereits seit vielen Jahren Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen im Portfoliomanagement. Ein Meilenstein war die Entwicklung der hauseigenen Plattform „Spectrum“, die wir seit mehreren Jahren ausbauen.

Können Sie bitte erläutern, wie diese Plattform funktioniert?

Durdevic: Spectrum vereint heute sämtliche relevanten Datenquellen – von Unternehmensberichten über Research-Notizen bis hin zu Transkripten von Earnings Calls – und macht sie für das Portfoliomanagement in Echtzeit nutzbar. Die Plattform verarbeitet täglich etwa 7.000 Broker-Research-Reports und greift auf über 22 Millionen Dokumente zurück.

Durch die Integration von KI-Tools werden diese Daten intelligent ausgewertet und in den Investmentprozess eingebunden. Laufend werden neue Funktionen ergänzt, etwa zur Automatisierung von Handelsprozessen oder zur Analyse von ESG-Faktoren. Ziel ist es, die Entscheidungsfindung im Portfoliomanagement schneller, fundierter und transparenter zu machen.

 

In welchen Bereichen bringt KI aktuell den größten Mehrwert im Investmentprozess?

Durdevic: Der größte Mehrwert entsteht durch die intelligente Verknüpfung und Auswertung riesiger Datenmengen. KI hilft, relevante Informationen aus Jahrzehnten von Research und Marktgeschehen in Sekunden zu extrahieren und Zusammenhänge zu erkennen, die für den Menschen allein kaum erfassbar wären.

Beispiele sind automatisierte Zusammenfassungen von Earnings Calls und Research-Reports in Echtzeit, Identifikation von Analysten-Bias und Prognosefehlern. Aber auch die Unterstützung bei der Portfoliokonstruktion durch Analyse von Fundamentaldaten, Risikomodellen und Szenarioanalysen, frühzeitige Erkennung von Abweichungen von Investmentthesen und automatisierte Alerts, wenn sich die Faktenlage verändert.

Wer kann die Plattform Spectrum bei J.P. Morgan Asset Management nutzen?

Durdevic: Die Plattform ist so konzipiert, dass sie alle relevanten Informationen und Tools für Analysten, Portfoliomanager und Trader auf einer Oberfläche bündelt und so die Zusammenarbeit und Transparenz im Investmentprozess fördert.

Können sie ein konkretes Beispiel, wie KI eine Investmententscheidung messbar verbessert hat?

Durdevic: Ein anschauliches Beispiel ist das „Moneyball“-Tool, das auf Basis jahrzehntelanger Analysten- und Researchdaten Prognosefehler und systematische Verzerrungen erkennt. So kann das Portfoliomanagement gezielt einschätzen, ob ein Analyst bei bestimmten Titeln zu optimistisch oder zu pessimistisch ist.

In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Analyst regelmäßig zu optimistische Schätzungen abgibt, kann die KI dies erkennen und das Portfolio gezielt anpassen, um Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Welche Rolle spielt der Mensch heute im Zusammenspiel mit KI – und wo setzen Sie bewusst Grenzen?

Durdevic: KI ist bei J.P. Morgan Asset Management ein Werkzeug, das die menschliche Expertise ergänzt und verstärkt, aber nicht ersetzt. Die finale Investmententscheidung liegt immer beim Portfoliomanagement. KI liefert Analysen, deckt Muster und Risiken auf und unterstützt bei der Informationsverarbeitung, aber die Bewertung, Interpretation und Umsetzung bleibt Aufgabe des erfahrenen Investmentteams.

Grenzen werden dort gezogen, wo menschliches Urteilsvermögen, Erfahrung und Marktverständnis gefragt sind – etwa bei der Einschätzung geopolitischer Risiken, bei der Berücksichtigung von Marktstimmungen oder bei der Entwicklung neuer Investmentthesen. KI soll helfen, Fehler zu vermeiden und Prozesse zu beschleunigen, aber nicht die Verantwortung für Anlageentscheidungen übernehmen.

Gibt es Überlegungen, Fonds aufzulegen, bei denen KI maßgeblich oder vollständig die Investmententscheidungen trifft?

Durdevic: Derzeit steht bei J.P. Morgan Asset Management die Kombination aus menschlicher Expertise und KI im Vordergrund. Die KI-Tools sind so konzipiert, dass sie den Investmentprozess unterstützen und beschleunigen, nicht aber vollständig autonom agieren. Es gibt aktuell keine Fonds, bei denen KI allein die Investmententscheidungen trifft.

Vielmehr wird auf ein Zusammenspiel aus Technologie und erfahrenen Portfoliomanagern gesetzt, um Fehlerquellen zu eliminieren und den Managern mehr Zeit für qualitative Themen zu ermöglichen. Die Verantwortung für die finale Entscheidung bleibt beim Menschen.


Über den Interviewten: 

Ivan Durdevic ist Co-Head EMEA ETF Distribution bei J.P. Morgan Asset Management.

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