Rekordjahr 2025 Public oder Private Markets – wo institutionelle Investoren bei KI zugreifen

Zwei Perspektiven auf KI-Investments: Brian Barbetta (Wellington Management) und John Lange (AI Fund)

Zwei Perspektiven auf KI-Investments: Brian Barbetta (Wellington Management) und John Lange (AI Fund) Bildquelle: Wellington / AI Fund

2025 war ein Rekordjahr für KI-Investitionen. Allein das Stargate-Projekt von Open AI, Softbank und Oracle soll 500 Milliarden US-Dollar verschlingen. Doch eine aktuelle MIT-Studie dämpft die Euphorie: 95 Prozent aller KI-Projekte erzielen trotz Investitionen von 400 Milliarden US-Dollar noch keinen wirtschaftlichen Ertrag.

„Der Markt unterschätzt nach wie vor, wie grundlegend die Informationsrevolution die Welt für Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen verändert hat“, sagt Matt Witheiler, Partner bei Wellington Management. Gemeinsam mit seinem Kollegen Brian Barbetta beobachtet er eine stark steigende Nachfrage institutioneller Investoren nach KI-Investments. „Bei einigen Institutionen hat sich die Diskussion hat sich von ‚Sollen wir investieren?‘ zu ‚Wie sollen wir investieren?‘ verlagert.“

Private Markets bleiben unverzichtbar

Viele der aussichtsreichsten KI-Unternehmen sind noch nicht börsennotiert – von Open AI über Anthropic bis zu Databricks. Wellington rechnet damit, dass einige dieser Firmen in den nächsten 12 bis 24 Monaten an die Börse gehen. Allerdings sei der größte Teil der Wertschöpfung der reinen KI-Marktführer bereits privaten Investoren zugutekommen, so Witheiler. Wer echte Teilhabe an KI wolle, komme an Private Markets nicht vorbei.

Genau hier setzt der AI Fund an, einer der wenigen voll auf KI fokussierten Venture-Capital-Fonds in Europa. Mit einem Zielvolumen von 35 bis 50 Millionen Euro investiert der Fonds in europäische KI-Startups in frühen Wachstumsphasen – typischerweise Seed- und Series-A-Runden mit Tickets zwischen 200.000 und 500.000 Euro. „Wir sind mehr als ein reiner Kapitalgeber“, betont Ragnar Kruse, Partner des AI Fund. „Wir bauen ein ganzes Ökosystem rund um KI auf.“

Der Fonds konzentriert sich ausschließlich auf KI-Anwendungen – also dort, wo durch den Einsatz von KI direkter Mehrwert entsteht. Das Portfolio gliedert sich in vier Bereiche: Enterprise AI (Vertrieb, Marketing, HR), Vertical AI (branchenspezifische Lösungen), Industrial AI (Produktion, Fertigung) und Advanced AI & Tools (Entwicklungsplattformen). Bisher hat der AI Fund zehn Investments getätigt, davon vier aus Hamburg.

Infrastruktur oder Anwendungen?

Eine zentrale Frage für Investoren ist, ob sie langfristig auf KI-Infrastruktur (Chips, Rechenzentren) oder KI-Anwendungen (Software, Services) setzen sollen. Wellington sieht kurzfristig die Infrastruktur vorn: „Die derzeitige Ausbauphase dürfte weiterhin der Halbleiterfertigung, infrastrukturbezogenen Ausrüstungen und ausgewählten Energieversorgern zugutekommen“, sagt Barbetta. Langfristig biete jedoch die Anwendungsebene asymmetrische Aufwärtspotenziale.

Der AI Fund setzt von vornherein auf Anwendungen. „Mit der zunehmenden Integration von KI in nahezu alle Wirtschaftsbereiche wächst dieser Markt rasant“, erklärt John Lange, ebenfalls Partner des AI Fund. Unterbewertet seien derzeit die konkreten KI-Lösungen, die reale Probleme lösen – während allgemeine Large Language Models zunehmend zum Alltags-Tool würden.

Europäische Startups tun sich trotz Talent schwer

Beide Experten sehen Europa im globalen KI-Wettbewerb ambivalent. „Europa verfügt über exzellente KI-Forschung und hochqualifizierte Talente“, sagt Kruse. „Doch auf dem Weg von der Idee zur global skalierbaren Innovation tun sich europäische Startups oft schwer.“ Der entscheidende Engpass: privates Risikokapital.

Wellington positioniert sich in Europa gezielt bei regionalen Marktführern auf der Anwendungsebene – insbesondere in Recht, Kundensupport und Gesundheitswesen. „Die Regulierung verlangsamt zwar das Innovationstempo, schafft aber auch schützende Eintrittsbarrieren“, so Barbetta.

Der EU AI Act wird unterschiedlich bewertet. „Eine Regulierung von KI ist grundsätzlich notwendig“, sagt Lange. „Doch Europa neigt dazu, zu früh und zu umfassend zu regulieren.“ Die konkrete Ausgestaltung sei an vielen Stellen unpraktikabel, was Startups von Investitionen abhalte.

 

Hype-Zyklus: Wo stehen wir?

„Künstliche Intelligenz ist zwar bereits seit über 60 Jahren ein Forschungsfeld, doch erst mit dem Durchbruch der generativen KI hat sie den Sprung in die breite Anwendung geschafft“, sagt Kruse. Über 800 Millionen Menschen nutzen regelmäßig Chat GPT – dennoch befinde man sich in einer frühen Phase.

In die Entwicklung der Large Language Models seien bereits Milliardeninvestitionen geflossen, was zu sehr hohen Bewertungen geführt habe. „Ob sich all diese Wetten auszahlen, bleibt abzuwarten“, so Kruse. Die Zukunft dürfte eher kleineren, effizienteren und spezialisierteren Modellen gehören.

Wellington sieht keine Blasengefahr bei den etablierten Tech-Konzernen. „Die meisten der heute führenden Technologieunternehmen sind keine spekulativen Wachstumsgeschichten, die an vergangene Blasen erinnern – es handelt sich um Cash-generierende Unternehmen“, betont Witheiler.

Ausblick: 40 Prozent Wachstum pro Jahr

Die mittelfristigen Wachstumsraten des globalen KI-Marktes liegen Schätzungen zufolge bei rund 40 Prozent pro Jahr. „Besonders stark wird sich die Anwendungsebene entwickeln“, prognostiziert Lange. Große Chancen sieht er in der Automatisierung durch Multi-Agenten-Systeme, in KI-basierter Sprachsteuerung, in der Robotik sowie im Gesundheitswesen.

Für institutionelle Investoren empfiehlt Wellington eine Kombination: „Eine Kernallokation durch eine traditionelle Technologiestrategie, ergänzt durch einen gezielten thematischen Teilbereich mit Schwerpunkt auf KI“, rät Barbetta. „KI ist ein Bereich, in dem aktives Management echten Mehrwert bietet.“

Kruse vom AI Fund fasst zusammen: „KI wird in den kommenden Jahren zu einer zentralen Produktivitäts- und Innovationsquelle für nahezu alle Branchen – und ist damit eines der attraktivsten Investmentfelder unserer Zeit.“

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