Kennzahl für Kursraketen Wie man Tech-Aktien richtig bewertet

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Das führende Cloud-Software-Unternehmen Salesforce hat seit seinem IPO im Juni 2004 bislang noch keine nennenswerten Gewinne ausgewiesen, sondern alle Mittel ganz bewusst in immer weitere Expansion des adressierbaren Marktes investiert. Der Wert des Unternehmens hat sich in den 15 Jahren seit dem IPO von 4 US-Dollar auf 145 US-Dollar um mehr als das 30-fache gesteigert.

Investoren, die das KGV als wichtige Bewertungskennzahl ansehen, waren bei solchen Erfolgsstories nicht dabei und werden auch den Aufstieg der heutigen Unicorns zu zukünftigen Weltmarktführern nur ungläubig von der Seitenlinie aus zusehen können.

Das KBV ist keine Option

Leider sind auch die klassischen substanzorientierten Kennzahlen wie das KBV nicht hilfreicher zur Bewertung von High-Growth-Unternehmen. Denn die wichtigsten Vermögensgegenstände solcher Unternehmen sind in aller Regel das geistige Eigentum sowie Netzwerkeffekte. Diese Werte stehen aber meist nicht in der Bilanz, sofern sie organisch geschaffen und nicht etwa im Rahmen einer Akquisition zugekauft wurden. Bei der Berechnung des Buchwertes bleiben sie also zunächst mal außen vor. 

Deutlich wird die Werthaltigkeit hingegen, wenn wieder einmal ein Software- oder Plattform-Unternehmen zu einem atemberaubenden Preis von einem strategischen Käufer übernommen wird. Dann reiben sich viele Investoren verwundert die Augen, da die gezahlten Preise sich so überhaupt nicht mit den Kennzahlen der klassischen Fundamentalanalyse in Einklang bringen lassen.

Als Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass das KGV, KBV und viele ähnlichen Kennzahlen der klassischen Fundamentalanalyse zur Bewertung von Wachstumsaktien unbrauchbar sind. Man benötigt also eine andere Herangehensweise, um Wachstumsaktien vernünftig bewerten zu können.

Der Efficiency Score der „Rule of 40” als Alternative

Mit der „Rule of 40“ lässt sich die Effizienz des Wachstums eines Unternehmens und somit die Güte des Geschäftsmodells einschätzen - und zwar auch für noch nicht profitable Unternehmen. Die „Rule of 40” beschreibt das einfache Prinzip, dass die kombinierte Wachstumsrate und Profitabilitäts-Marge eines Unternehmens 40 Prozent übersteigen sollte. Diese Methode hat in den vergangenen Jahren als bedeutende Benchmark insbesondere im Bereich Venture Capital und Growth Equity große Bedeutung erlangt.

So verwenden Führungskräfte der Softwareindustrie die „Rule of 40” zunehmend als wichtige Kennzahl zur Unternehmenssteuerung, um ihre Organisation erfolgreich durch den ständigen Kompromiss zwischen Investitionen in Wachstum – einschließlich neuer Produkte und Kundengewinnung – und kurzfristiger Rentabilität zu navigieren.