Performance-Vergleich Deutscher Atomfonds zeigt US-Pensionsriesen die Grenzen auf

Collage der Skylines von Berlin und West Sacramento, den Standorten der Fonds Kenfo und CalSTRS

Der deutsche Atomfonds Kenfo mit Sitz in der Hauptstadt erzielte 2024 eine höhere Rendite als der kalifornische Lehrerpensionsfonds CalSTRS, der von West Sacramento aus verwaltet wird. Bildquelle: Imago / Zoonar; Dreamstime

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Der deutsche Atomfonds Kenfo hat 2024 den zweitgrößten US-Pensionsfonds California State Teachers‘ Retirement System (CalSTRS) bei der Performance geschlagen. Während der vermeintlich kleine deutsche Fonds eine Rendite von 9,4 Prozent erzielte, kam der kalifornische Pensionsriese auf 8,5 Prozent. Ein Erfolg, der angesichts des David-gegen-Goliath-Verhältnisses überrascht – immerhin verwaltet CalSTRS mit umgerechnet 318 Milliarden Euro (368 Milliarden US-Dollar) das 13-fache Volumen des Kenfo.

Renditeziele übertroffen

Der Kenfo, der Ende 2024 24,8 Milliarden Euro verwaltet hat, übertraf seine Zielrendite von 4,1 Prozent um satte 5,3 Prozentpunkte. Der kalifornische Pensionsfonds lag 1,5 Prozentpunkte über seinem Renditeziel von 7 Prozent. Bei den wichtigen Aktienanlagen performte der deutsche Fonds besser: das globale Kenfo-Aktienportfolio gewann 18,5 Prozent, beim CalSTRS waren es 16,3 Prozent.

Ein entscheidender Vorteil liegt in der unterschiedlichen Ausgangslage. Der Kenfo muss keine laufenden Rentenzahlungen leisten, sondern spart bis Ende des Jahrhunderts für die Atommüll-Entsorgung an. Der CalSTRS hingegen steht unter dem Druck, bis 2046 vollständig finanziert zu sein. Nach aktuellem Stand kann der Fonds 76,7 Prozent seiner künftigen Verpflichtungen abdecken. 

 

Strukturelle Vorteile zahlen sich aus

Diese strukturellen Unterschiede schlagen sich in der Anlagestrategie nieder. Der CalSTRS reagiert etwa nervöser auf politische Risiken. CalSTRS-Chefinvestor Scott Chan warnte bereits vor „beispiellosen und weltverändernden“ Risiken durch die Trump-Administration. Die Folge: Der US-Fonds reduzierte seine Aktienquote, hält mehr Cash vor und steigt aus globalen Aktien aus.

Der Kenfo dagegen sitzt Marktschwankungen aus. „Mit unserem langfristigen Anlagehorizont können wir Volatilität aushalten, um am Aufschwung wieder zu partizipieren“, erklärt Vorstandschefin Anja Mikus. Diese Ruhe zahlt sich aus: Während CalSTRS bei Immobilien 3 Prozent verlor und bei Risiko-Management-Strategien sogar 7,2 Prozent einbüßte, blieb der deutsche Fonds stabil.

Auch bei der geografischen Ausrichtung fährt der Kenfo besser. Statt sich auf den Heimatmarkt zu konzentrieren, setzt er auf eine nach der Verteilung des Bruttoinlandsprodukts gewichtete Allokation mit nur 33 Prozent USA-Anteil. Das macht ihn weniger anfällig für regionale Überbewertungen und die Konzentration auf US-amerikanische Tech-Werte.

Ein genauerer Blick auf die Asset Allocation zeigt, dass beide Fonds ähnliche Aktienquoten fahren. Der CalSTRS setzt jedoch deutlich mehr auf riskante Anlagen. Mit 27,9 Prozent in Private Equity und Immobilien hat der US-Fonds mehr als das Doppelte des Kenfo-Anteils illiquider Anlagen und REITs. Mit 43,7 Prozent hält der Kenfo stattdessen eine viel höhere Anleihenquote als der CalSTRS (11,96 Prozent). Diese konservativere Aufstellung zahlte sich 2024 aus, da die riskanten Positionen dem kalifornischen Fonds Performance kosteten. 

Stille Reserven als Puffer

Die finanzielle Ausstattung verstärkt den Vorteil. Der Kenfo verfügt über stille Reserven von 3,9 Milliarden Euro – das entspricht einem Puffer von 16 Prozent des Portfolios. CalSTRS kämpft dagegen mit einer Finanzierungslücke und ist auf seine jährliche Zielrendite von 7 Prozent angewiesen, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Der Kenfo benötigt nur 4,1 Prozent.

 

„Diese niedrige Zielrendite ermöglicht es uns, mehr Anlagerisiken zu nehmen“, sagt Kenfo-Finanzvorstand Thomas Bley. Während CalSTRS unter Renditedruck steht und bei Marktstress zu Panikverkäufen neigt, kann sich der deutsche Fonds eine entspanntere Haltung leisten.

Das spiegelt sich auch in der Reaktion auf die aktuellen Herausforderungen wider. CalSTRS fürchtet den Handelskrieg und die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Der Kenfo sieht darin nur normale Marktschwankungen, die er über Jahrzehnte hinweg aussitzen kann.

Nicht alles übertragbar

Natürlich lässt sich nicht alles übertragen. Der Pensionsfonds CalSTRS und die Verbrauchsstiftung Kenfo haben unterschiedliche Mandate und unterliegen verschiedenen Regulierungen. Der US-Fonds muss schon heute Renten zahlen, der deutsche Fonds kann noch Jahrzehnte ansparen.

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