Zum Jahresende Kenfo-Chefin Mikus tritt ab – hat aber noch große Pläne für den Milliardenfonds

Anja Mikus, Kenfo

Anja Mikus leitet seit 2017 den deutschen Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Kenfo). Zum Ende des Jahres geht sie in den Ruhestand, hat aber auch für die Zeit schon Pläne. Bildquelle: Iris Bülow

Anja Mikus, seit 2017 Vorstandsvorsitzende des Kenfo (Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung), wird Ende Dezember dieses Jahres ihre Position abgeben. Die Anlagespezialistin, die in diesem Frühjahr 68 Jahre alt wird, hatte diesen Schritt bereits vor drei Jahren bei ihrer Vertragsverlängerung angekündigt, nun rückt dieses Datum in sichtbare Nähe. 

Kenfo als Plattform für staatliche Vermögensverwaltung

Bis zu ihrem Ausscheiden Ende Dezember verfolgt Mikus jedoch noch ehrgeizige Ziele für den ersten deutschen Staatsfonds. Wie Mikus gegenüber „Tagesspiegel Background“ erklärte, würde sie den Kenfo am liebsten zum zentralen Asset Manager des Bundes ausbauen. Dass der Fonds potenziell auch für weitere staatliche Projekte als nur die Atommüll-Entsorgung verfügbar sei, hatte Mikus in der Vergangenheit schon mehrfach betont - allein: Sie stieß damit nur spärlich auf Gehör.

Der Kenfo wurde 2017 mit 24 Milliarden Euro Stiftungskapital auf den Weg gebracht. Bereitgestellt hatten es hiesige Betreiber von Kernkraftwerken. Aktuell verwaltet der Fonds 25,6 Milliarden Euro. 5,3 Milliarden Euro hat er im Rahmen seines Auftrags bereits ausgezahlt. Der Fonds ist als Verbrauchsvermögen angelegt: Er erwirtschaftet zwar Renditen, doch es kommt kein neues Stiftungskapital hinzu.

 

Kenfo-Chefin Mikus hat in der Vergangenheit mehrfach auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht, die Deutschland mit seinem in der Breite wenig bekannten Staatsfonds hätte. „Diese Werkbank kann man mit weiteren Mandaten füllen“, bekräftigte sie nun auch gegenüber dem Tagesspiegel. Mit dem Kenfo verfüge der Staat über eine funktionierende Plattform für Vermögensverwaltung und Risikomanagement. Er werde von einem professionellen Team gemanagt und sei technisch modern ausgestattet. Man könnte den Kenfo staatlicherseits auch zur Kapitalgewinnung etwa bei der Rente, der Pflege oder im Gesundheitsbereich heranziehen.

Schwedisches Modell als Vorbild

„Anders als die meisten Länder in und jenseits von Europa nutzt der deutsche Staat den Kapitalmarkt als Einnahmenquelle für kapitalgedeckte Verpflichtungen äußerst wenig“, bemängelte Mikus im vergangenen Jahr. Als Vorbild verweist sie auf Schweden: Dort fließt ein bestimmter Anteil der Bruttogehälter jeweils automatisch an den Kapitalmarkt. Arbeitnehmer, die keine anderen Präferenzen äußern, investieren damit standardmäßig in den schwedischen Pensionsfonds AP7. Das System ist Teil der staatlichen Altersvorsorge.

„Die schwedische Aktienrente hat sich seit 25 Jahren bewährt und ganz wesentlich dazu beigetragen, die demografischen Herausforderungen zu meistern“, sagt Mikus. „Sie wäre auch in Deutschland ein wirksamer Baustein der Rentenversicherung. Der Kenfo hat die notwendige Infrastruktur für die Verwaltung eines solchen Vermögens.“

In der Tat war der Kenfo schon für verschiedene staatliche Projekte im Gespräch: Nach dem Scheitern des „Generationenkapitals“ der Ampelregierung will die aktuelle schwarz-rote Koalition eine „Frühstart-Rente“ einführen: Kinder zwischen sechs und 18 Jahren sollen einen monatlichen staatlichen Zuschuss von 10 Euro erhalten. Dieser soll in einen Fondssparplan an den Aktienmärkten angelegt werden. Ein entsprechendes Gesetz will die Bundesregierung im laufenden Jahr rückwirkend zum 1. Januar 2026 beschließen.

In den Eckpunkten der Bundesregierung zur Frühstart-Rente heißt es: „Eröffnen die Eltern kein Depot, schafft die Bundesregierung eine unbürokratische Auffanglösung.“ Ob damit auch der Staatsfonds Kenfo gemeint sein könnte, ist einstweilen unklar. 

Ein anderes Projekt: die private staatlich geförderte Altersvorsorge, Nachfolgerin der Riester-Rente. Ende 2025 verabschiedete die Bundesregierung Pläne, nach denen Sparer ohne eigene Anlagepräferenzen in ein kostengünstiges Standardprodukt investieren können sollen. Viele Fondsgesellschaften stellen sich bereits darauf ein und basteln an eigenen Produkten. Dass der Kenfo hierfür herangezogen wird, wirkt beim aktuellen Stand der Diskussion eher unwahrscheinlich.

Keine Konkurrenz zur privaten Fondsindustrie

Eine Befürchtung, die innerhalb der deutschen Asset-Management-Branche lange vorherrschte, lautete: Ein staatlicher Altersvorsorge-Fonds als Standardvehikel könnte den privaten Fondsgesellschaften unangenehme Konkurrenz machen. Mikus weist solche Befürchtungen zurück: „Das sollten die Asset Manager vonseiten des Kenfo nicht befürchten“, betonte sie gegenüber DAS INVESTMENT. Vielmehr vergebe der Kenfo selbst Mandate an spezialisierte Asset Manager und arbeitet insofern mit der Privatwirtschaft zusammen. Zudem könne sich ein staatliches Vehikel positiv auf die Aktienkultur auswirken.

 

Beim deutschen Fondsverband BVI setzte man sich lange dafür ein, dass ein staatlich betriebener Fonds vor allen Dingen nicht in der dritten Säule der Altersabsicherung, also der privaten Vorsorge eingerichtet werden sollte. Denn dort träte er in Konkurrenz zur privaten Fondsindustrie, die mit ihm einen schier übermächtigen Wettbewerber erhielte. 

Nachfolgesuche läuft

Die Ausgestaltung der Altersvorsorgereform ist im vollen Gang, Anja Mikus hat im letzten Jahr ihrer Amtszeit noch einige Bretter zu bohren, wenn sie den Kenfo als Staatsfonds mit umfassenderen Aufgaben positionieren möchte.

Auch die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolerin für Mikus selbst ist auf dem Weg: Eine Findungskommission aus Mitgliedern des Kenfo-Kuratoriums und Bundestagsabgeordneten aller Parteien hält derzeit Ausschau. Zusätzlich wurde eine Personalberatung ausgeschrieben.

Gesucht wird eine Führungspersönlichkeit mit großer Erfahrung in der Anlage bedeutender Vermögen. Mikus selbst würde mit Blick auf den Kenfo für einen Generationswechsel plädieren: „Es hat sich so wahnsinnig viel in unserer Gesellschaft, den Themen und technologisch verändert, dass man mehr neue Erfahrungen nutzen sollte und weiterentwickeln muss“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Nach dem Ausstieg aus dem operativen Geschäft will Mikus weiter aktiv bleiben - ehrenamtlich. Sie möchte dann weiterhin als als Vorsitzende des Investmentbeirats der Max-Planck-Gesellschaft und Beiratsmitglied bei den Fondsfrauen mitwirken.

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