Schuldenkrise Philipp Vorndran: „Kein schmerzfreier Weg“

Phillip Vorndran, Flossbach von Storch, warnt vor zinstragenden Papieren und empfiehlt Aktien und Gold.

Phillip Vorndran, Flossbach von Storch, warnt vor zinstragenden Papieren und empfiehlt Aktien und Gold.

private banking magazin: Müssen Ihre vermögenden Kunden heute Angst vor Eingriffen des Staates haben?

Philipp Vorndran: Die Angst ist angesichts der massiven Verschuldung unserer Volkswirtschaften nicht ganz unbegründet. Es ist unsere Aufgabe, die Vermögenswerte unserer Mandanten real zu schützen und zu mehren – auch vor Eingriffen des Staates. Deswegen ist die Diversifikation der Vermögenswerte, auch was die internationale Verteilung der Lagerstellen angeht, eines unserer fünf Anlageprimate. Wir haben inzwischen gelernt, auch an das vermeintlich „Undenkbare“ zu denken.

Notenbanken fluten das System mit Liquidität. Sie rechnen mit einer „Schuldenlawine“. Wer zahlt die Zeche?

Vorndran: Alle Sparer. Zinstragende Papiere, die klassischen Lebensversicherungen und das Sparbuch werden keinen ausreichenden Ausgleich gegenüber der Inflation leisten. Die Mehrheit der entwickelten Volkswirtschaften ist maßlos überschuldet und muss in den kommenden Jahren die Schuldenlast massiv reduzieren. Das geht nur über finanzielle Repression, eine Kombination aus künstlich tiefen Zinsen, anziehender Inflation, Kapitalverkehrskontrollen, höheren Steuern und Reformen an den Sozialsystemen. Alle, die mit nominalen Werten eine Altersvorsorge betreiben oder meinen, sie könnten von der Rente leben, stehen im Feuer. Sparer stehen vor einer Teilenteignung ihrer Kaufkraft.

Wie kommen Ihre Kunden mit dieser Botschaft klar?

Vorndran: Überrascht werden sie davon nicht. Wir haben unsere Kunden seit 2004 auf diese Entwicklung vorbereitet und deren Gelder entsprechend allokiert. Nicht zuletzt in Aktien, denn eine Firma, die ein erstklassiges globales Geschäftsmodell verfolgt, die wird auch die kommenden Jahre überleben und wachsen.

Ein Plädoyer für den Sachwert.

Vorndran: In der Tat. Für Qualitätswerte aus den Bereichen Pharma, nicht-zyklischem Konsum, Energie und inzwischen auch IT. Warren Buffett liegt mit IBM schon ganz richtig.

Gold?

Vorndran:
Gold ist unserer Definition nach auch ein Sachwert und vor allem die ultimative Währung. Wir empfehlen gut 15 Prozent. Dazu 55 Prozent Aktien und Wandelanleihen. Einige Anleihen fitter Staaten, wie Australien, Norwegen, Singapur, Schweiz und Chile. Denn Dollar, Pfund und Euro liegen ja im gleichen Spital. Dazu kurzlaufende Bundesanleihen als Cash-Ersatz.

Kann diese Aufteilung nahezu statisch bleiben angesichts gleichbleibender und langfristiger Probleme?

Vorndran: Ganz salopp gesagt ja. Ein Finetuning ist natürlich notwendig, und sicherlich gibt es auch künftig in der Politik Trends, auf die schnell reagiert werden muss. Wer jedoch zehn Jahre Zeit hat, für den passt diese Struktur.