Kehrtwende der Energiebranche Der steigende Ölpreis beflügelt Energieaktien

Die Fässer stapeln sich: Von einer steigenden Ölnachfrage dürften Energieaktien profitieren.  | © Getty Images

Die Fässer stapeln sich: Von einer steigenden Ölnachfrage dürften Energieaktien profitieren. Foto: Getty Images

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Laut Wörterbuch ist ein Comeback „eine Rückkehr in den Mittelpunkt des Interesses". Diese Definition trifft auf den Energiesektor im Jahr 2016 zu. Denn nach vielen Jahren mit heftigen Kurseinbrüchen, in denen der restliche Aktienmarkt größtenteils nach oben tendierte, notiert der Sektor aktuell 15 Prozent fester als zu Jahresbeginn.

Die schlimmste Zeit war zwischen 2014 und 2015, als der MSCI World Energy Index, der als Referenz für den Sektor fungiert und aus 91 Großkonzernen wie z.B. Exxon Mobile, Chevron und Total besteht, um 11 beziehungsweise sogar 22 Prozent zurückging. Diese heftigen Kurseinbrüche hatten ihre Ursache darin, dass der Energiesektor eng mit der Entwicklung des Ölpreises verbunden ist. Andersherum zogen deshalb die steigenden Ölpreise der letzten Monate positive Auswirkungen auf den Sektor insgesamt nach sich.

Die Kursgewinne im Energiesektor finden auf dem Rücken der steigenden Ölpreise statt. Wenn der Sektor seine positive Entwicklung fortsetzen soll, muss der Ölpreis über die nächsten 12 bis 18 Monate einen stabilen, aber steigenden Trend hinlegen.

Der Ölpreis – entscheidender Faktor für den Energiesektor

Der wirtschaftliche Anreiz für Unternehmen, nach Öl zu bohren, hängt von dessen potenziellem Verkaufspreis ab. Die herausragende Bedeutung von Öl verdeutlichen folgende Zahlen:

Die Internationale Energieagentur schätzt, dass im Jahr 2016 täglich 96 Millionen Barrel nachgefragt werden. Das entspricht über 35 Milliarden Barrel pro Jahr. Somit war der tägliche Ölmarkt zu dem Zeitpunkt, als Brent-Öl – die Benchmark für Nordsee-Öl – am 18. Januar 2016 mit 28,50 US-Dollar pro Barrel seinen Tiefpunkt erreicht hatte, insgesamt etwa 2,74 Milliarden US-Dollar schwer. Im Vergleich dazu wäre der Ölhandel circa 11 Milliarden US-Dollar schwer gewesen, wenn der Ölpreis auf dem gleichen Niveau wie am 20. Juni 2014 von 115 US-Dollar pro Barrel gelegen hätte. Das war kurz bevor der Ölpreis auf seine lang andauernde Talfahrt ging. Auf Jahresbasis beträgt der Unterschied zwischen diesen beiden Szenarien damit ganze 3.015 Milliarden US-Dollar.

Marktkonsolidierung ist ausgeblieben

Der historische Ölpreisverfall führte zu zahlreichen Schwankungen im Energiesektor und am Aktienmarkt im Allgemeinen. Denn der fallende Ölpreis schürte die Angst, dass dem Sektor Insolvenzen bevorstehen könnten, da Unternehmen ihren wirtschaftlichen Verpflichtungen nicht mehr länger nachkommen konnten. Gleichzeitig haben geduldige Anleger vergeblich auf die jährlichen Dividendenausschüttungen gewartet.

In solchen Phasen ist es eigentlich normal, dass sich größere Unternehmen nach kleineren Konkurrenten umsehen, um diese zu einem niedrigen Preis zu kaufen. Das war im schwer gebeutelten Energiesektor aber nicht der Fall.

Es kam zu vereinzelten Insolvenzen vor allem bei Unternehmen im Privatbesitz, was den Aktienmarkt jedoch nicht beeinträchtigt hat. Eine Konsolidierungswelle im Energiesektor blieb aus, da sich die potenziellen Käufer und Verkäufer nicht über den Preis der Vermögenswerte einigen konnten. Daher warteten die Gesellschaften, die eine Übernahme in Erwägung zogen, bis ein Unternehmen in Konkurs ging, damit sie die Vermögenswerte aus der Konkursmasse günstiger erwerben konnten.

Energiekonzerne vor Gewinnsprüngen

Der Energiesektor besteht aus mehreren Untersegmenten. Das größte macht etwa 55 Prozent des Referenzindex aus und nennt sich „integrierte Öl- und Energieunternehmen", zu denen große Konzerne wie die britische BP, die niederländische Royal Dutch Shell und die zwei US-amerikanischen Giganten Exxon Mobil und Chevron zählen. Diese Unternehmen arbeiten allesamt entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Energiesektors: von der Ölbohrung über die Produktion bis hin zum Vertrieb.

Chevron hat einige Projekte initiiert, die mindestens bis Mitte 2017 andauern und Gewinne erzielen werden. Deshalb muss das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren nicht so viel investieren, so dass es einen Teil seiner Schulden tilgen und eine attraktive Dividende ausschütten kann. Grundsätzlich ist für den Energiesektor aber maßgeblich, dass sich der Ölpreis in den nächsten 12 bis 18 Monaten stabilisiert und weiter steigt, denn der Aktienmarkt hat bereits einen höheren Ölpreis eingepreist als den Preis, zu dem Terminkontrakte gehandelt werden.

Einer der wichtigsten Faktoren für die weitere Entwicklung des Ölpreises ist die Entwicklung der Weltwirtschaft. Positive Wachstumsaussichten kommen dem Ölpreis zugute, da die Nachfrage erwartungsgemäß steigen wird. Im Gegensatz dazu wirkt sich ein rückläufiges Weltwirtschaftswachstum nachteilig aus.

Hinweis: Die Nennung von Einzeltiteln in diesem Artikel ist keine Kaufempfehlung von Danske Invest. Bitte kontaktieren Sie stets Ihren Anlageberater, bevor Sie eine Investition tätigen.