Kapitalmarktstrategen von J.P. Morgan Strategien für das Portfolio im Spätzyklus

Karen Ward und Tilmann Galler sind Kapitalmarktstrategen bei J.P. Morgan Asset Management.  | © J.P.Morgan Asset Management

Karen Ward und Tilmann Galler sind Kapitalmarktstrategen bei J.P. Morgan Asset Management. Foto: J.P.Morgan Asset Management

Während sich der Aufschwung in den USA seinem zehnten Jahrestag nähert, fragen sich die Anleger möglicherweise, wie lange dieses Wachstum noch andauert. Zwar ähnelt keine Rezession der anderen, häufig laufen sie aber nach einem ähnlichen Schema ab: Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Arbeitnehmer fassen Mut und fordern höhere Löhne und Gehälter, die Zentralbanken heben die Zinsen an, um dem Inflationsdruck Einhalt zu gebieten, höhere Löhne und Gehälter sowie steigende Zinskosten führen zu schrumpfenden Gewinnen, was wiederum Entlassungen zur Folge hat. Aus Angst um ihre Arbeitsplätze schränken Verbraucher ihre Ausgaben ein, die Nachfrage sinkt und die Rezession nimmt Fahrt auf.

Das klingt einleuchtend – weshalb sind Wirtschaftsexperten dann so notorisch schlecht darin, Rezessionen vorherzusagen? Der Grund ist, dass sich wirtschaftliche Zusammenhänge ändern können. Vielleicht fordern die Arbeitnehmer keine höheren Löhne und Gehälter. Vielleicht treten die Zentralbanken nicht mit aller Kraft auf die Bremse. Und vielleicht zügeln Haushalte und Unternehmen ihre Ausgaben trotz höherer Zinssätze nicht,
wenn gerade Hochstimmung herrscht. All diese Aspekte können den Konjunkturzyklus verlängern. Und natürlich kann sich das Schema im Fall einer Finanzkrise oder eines geopolitischen Schocks grundlegend ändern.

Es ist schwer zu sagen, an welchem Punkt des Konjunkturzyklus in den USA wir uns genau befinden. Die Arbeitslosenquote – auf dem tiefsten Stand seit fast fünfzig Jahren – legt nahe, dass sich der Aufschwung seinem Ende nähert. Die gestiegene Produktivität deutet aber darauf hin, dass die Unternehmen in der Lage sind, mehr aus ihren bestehenden Belegschaften herauszuholen. Da das Lohnwachstum darüber hinaus gedämpft bleibt, sind die Unternehmensgewinne noch nicht unter Druck geraten. Selbst wenn man die Auswirkungen der gesunkenen Körperschaftssteuer nicht berücksichtigt, haben die Gewinne der S&P 500-Unternehmen im zweiten Quartal solide zweistellige Zugewinne verzeichnet.

Aber die US-Notenbank (Fed) hebt die Zinsen allmählich an. Dadurch werden insbesondere Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren verstärkt verschuldet haben, zunehmend belastet. Höhere Zinsen könnten sich durchaus gerade dann bemerkbar machen, wenn die allmächtigen fiskalpolitischen Anreize allmählich auslaufen.