Kapitalgedeckte Altersvorsorge Warum die Deutschland-Rente ebenso gut wie chancenlos ist

Reinhard Panse, Geschäftsführer und Partner von HQ Trust, dem Multi Family Office der Harald-Quandt-Familie.

Reinhard Panse, Geschäftsführer und Partner von HQ Trust, dem Multi Family Office der Harald-Quandt-Familie.

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Die Deutschland-Rente – ein Vorschlag von drei hessischen Ministern vom Herbst 2015 – ist ein kapitalgedecktes Altersvorsorgekonzept, das kostengünstig vom Staat angeboten werden soll und hauptsächlich in Aktien investieren würde.

Unsere Berechnungen haben ergeben, dass ein Durchschnittsverdiener (Jahreseinkommen 2015: 35.000,- Euro brutto, künftiges Einkommenswachstum 2,4 Prozent pro Jahr, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zur Rentenversicherung insgesamt 6.545,- Euro pro Jahr bei ebenfalls 2,4 Prozent Wachstum pro Jahr) bei einer Anlage des gesamten Rentenbeitrages in einen kostenlosen, weltweit anlegenden passiven Aktienfonds (jährliche Performanceerwartung 6 Prozent) nach 45 Jahren ein Altersvorsorgevermögen von über 2,2 Millionen Euro aufbauen kann.

Massive Vorteile

Bei einem allmählichen Übergang vom jetzigen Umlageverfahren auf einen solchen Fonds wäre das absehbare Problem der Altersarmut für die jüngere Generation lösbar. Außerdem ergeben sich für die Volkswirtschaft mehrere zusätzliche massive Vorteile, auf die noch eingegangen wird.

Warum ist ein solches Konzept kaum bekannt geworden und wird von dieser Bundesregierung mit Sicherheit nicht umgesetzt werden?

Zahlreiche Beispiele der letzten Jahre zeigen, dass teure, ineffiziente und die Wirtschaftskraft belastende Konzepte (Euro-Rettungspolitik, Energiewende, Mütter- und Facharbeiterrente, …) gern von deutschen Politikern umgesetzt werden, da sie in der Bevölkerung überwiegend auf Zustimmung stoßen.

Die Deutschland-Rente ist ein prächtiges Beispiel, dass diese Regel auch umgekehrt gilt: Gute wirtschaftspolitische Ideen haben in Deutschland keine Chance, da die Regierung nicht willens oder in der Lage ist, vernünftige, aber der Bevölkerung nicht unmittelbar einleuchtende Reformvorschläge zu erklären und dafür zu werben.

Dabei sind die Vorteile der Deutschland-Rente gegenüber allen sonstigen Altersvorsorgeformen gerade in der heutigen Zeit der enormen Verschuldung und der extrem tiefen Zinsen außergewöhnlich hoch. Der Hauptvorteil liegt nicht nur in der Rendite, auch wenn diese alle bestehenden Angebote allein aufgrund der fehlenden Kostenbelastung übertreffen wird, sondern in der im Vergleich zu Anleihen viel höheren Sicherheit.

Historisch beispiellose Situation

In einer Welt der historisch beispiellos hohen Schulden des Staates, aber auch des Privaten Sektors, in der die Zinsen zur Verhinderung einer Pleitewelle auf oder unter Null gedrückt werden müssen, ist es sicher keine intelligente Idee, eine auf Schuldtiteln basierende Altersvorsorge zu betreiben. Der Schuldenberg wird nämlich entweder durch jahrelang fehlenden Zins oder durch teilweise Ausfälle der Schuldner reduziert werden.

Diese Verluste haben dann die Besitzer der entsprechenden Rentenpapiere und Festgelder, zum Beispiel Lebensversicherungen, zu tragen. Außerdem hängt ein weltweit angelegtes Aktienportfolio nur von der globalen, nicht aber von der deutschen demografischen Entwicklung ab.

Wie die untenstehende Grafik zeigt, gab es von 1900 bis 2015 keinen einzigen 30-Jahres-Zeitraum, in dem die inflationsbereinigte Performance von Aktien niedriger als die von Anleihen war. Am Ende der ersten Phase der Finanzrepression von 1940 bis 1970 war der reale Mehrertrag von Aktien weltweit im Durchschnitt sogar bei 7 Prozent pro Jahr.

Reale Performance von Aktien und Renten in 19 Ländern seit 1900
(30-Jahres-Performance in Prozent pro Jahr):


Ein Aktienvermögen war nach 30 Jahren also circa 8-mal größer als ein Rentenvermögen, und damit hätte auch eine 8-fache Rente ausgezahlt werden können. Im Durchschnitt der an weltweiten Wirtschaftskrisen und Kriegen nicht gerade armen Zeit von 1900 bis 2014 wuchs ein Aktienvermögen immerhin jährlich 4 Prozent pro Jahr stärker als ein Rentenvermögen.

In einem 30-Jahres-Zeitraum ist also nicht nur die Aktienperformance höher, sondern auch das Verlustrisiko wesentlich niedriger. Es gab 33 30-Jahres-Zeiträume mit negativer realer Rentenperformance, aber nur einen einzigen (1917 bis 1947: -0,1 Prozent pro Jahr) mit negativer Aktienperformance (siehe Grafik).

Aktien outperformen Renten

Angesichts des aktuellen Schulden- und Zinsniveaus besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Aktienoutperformance gegenüber Renten in den nächsten 30 Jahren den 4-Prozent-Durchschnittswert weit übertreffen wird.

Genauso wichtig sind zwei volkswirtschaftliche Vorteile. Der hohe Leistungsbilanzüberschuss, auf den die Deutschen so stolz sind, macht nur dann Sinn, wenn das dadurch aufgebaute Auslandsvermögen nicht verschleudert wird. Dies ist jedoch leider teilweise der Fall. Seit Jahrzehnten wächst das deutsche Auslandsvermögen langsamer als der kumulierte Leistungsbilanzüberschuss.