Kampfansage an Banken Swiss Life erweitert Vermögensverwaltung schneller als geplant

Bei der Swiss Life Holding wachsen die verwalteten Gelder von externen Kunden schneller an als geplant, sagte Vorstandsvorsitzender Patrick Frost im Interview mit dem Internet-Portal Bloomberg News. Die Rechtsstreitigkeiten bei den anderen Schweizer Banken unterstützten dieses Vorhaben zum Teil.

Frost, seit dem 1. Juli Konzernchef des größten Schweizer Lebensversicherers, will das verwaltete Vermögen in diesem Jahr um mindestens 7 Prozent auf 30 Milliarden Franken (24,7 Milliarden Euro) erhöhen. Damit würde dieser Meilenstein ein Jahr vor dem Plan erreicht werden.

Im Wettbewerb mit größeren Banken und Institutionen in der Schweiz habe es sicherlich geholfen, dass diese "auch mit anderen Sachen beschäftigt waren", sagte Frost. Dabei bezog er sich auf Steuerermittlungen in den USA, die zu der Schließung der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin & Co. und einer Rekordstrafe für Credit Suisse geführt hatten. "Das war einfach ein gewisser Sweet Spot."

Swiss Life hat die Vermögensverwaltungssparte 2012 gegründet, als Frost noch Investmentchef (CIO) war. Damit gehört Swiss Life zu der wachsenden Zahl an Versicherern, die in Europa mit Banken um ein verwaltetes Vermögen im Gesamt-Volumen von geschätzten 16,8 Billionen Euro konkurrieren.

Der Status von Swiss Life als seriöser Lebensversicherer "wird ihnen helfen, Gelder von Pensionsfonds anzuziehen", sagte Peter Casanova, eine Analyst von Kepler Cheuvreux in Zürich, der eine Kaufempfehlung auf die Aktie hat. "Immer wieder gibt es Fälle von institutionellen Investoren, die nicht komplett zufrieden mit Banken und ihrer Performance sind."

Das von Swiss Life verwaltete Vermögen beträgt mit den Geldern aus den eigenen Versicherungsaktivitäten 155 Milliarden Franken (128 Milliarden Euro) und umfasst Immobilien und festverzinsliche Titel. So ist Swiss Life nicht nur der größte Lebensversicherer sondern auch der größte Immobilieninvestor in der Schweiz, der mit acht Immobilien in der Züricher Bahnhofstraße der Einzelinvestor mit den meisten Eigentum in der noblen Einkaufsstraße ist. Frost will das verwaltete Vermögen organisch um bis zu 3 Milliarden Franken im Jahr erhöhen. Außerdem erwäge er auch Zukäufe von kleineren bis mittelgroßen deutschen, französischen und schweizerischen Vermögensverwaltern.

Morgen legt der Schweizer Versicherer Zahlen zum ersten Halbjahr vor. Im Durchschnitt rechnen sieben der von Bloomberg befragten Analysten mit einem Rückgang des Nettogewinns von 3,4 Prozent auf 456 Millionen Franken. Im Vorjahr war der Gewinn durch einen Sonderposten in Höhe von 60 Millionen Franken aufgebläht worden.