Kai Zimprich von Jones Lang Lasalle im Interview „Die digitale Strategie ist kein Paralleluniversum“

Kai Zimprich von Jones Lang Lasalle im Interview: „Die digitale Strategie ist kein Paralleluniversum“

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DIE IMMOBILIE: Der Immobilienmarkt ist ja eher intransparent. Vieles läuft über persönliche Kontakte oder Netzwerke. Wie passt das mit dem Internet als Vertriebskanal und Digitalisierung zusammen?

Kai Zimprich: Das stimmt, vor allem im Bereich Büro- und Industrieimmobilien. Doch wir haben den Online-Markt nicht geschaffen. Neue Markteilnehmer wie Immoscout24 und Immowelt haben die Nachfrage über das Internet etabliert. Darauf haben wir reagiert. Schließlich können wir das nicht ignorieren.

DIE IMMOBILIE: Wer kommt über das Internet?

Zimprich: Das Internet ist Anlaufstelle Nummer 1 geworden für Erstinformationen über Angebote, Markt- und Preisentwicklungen. Vor allem Nutzer mit kleinen Gesuchen haben keine Ahnung vom Gewerbeimmobilienmarkt und profitieren davon. Online laufen vor allem die kleineren Flächengesuche bis 600 Quadratmeter.

DIE IMMOBILIE: JLL gehört zu den Großen. Man könnte jetzt die Vogel-Strauß-Haltung einnehmen und sagen, das betrifft uns alles nicht.

Zimprich: Oder man positioniert sich strategisch und schafft beispielsweise eine eigene Online-Plattform für Gewerbeimmobilien.

DIE IMMOBILIE: Was waren die ersten Schritte?

Zimprich: Wir haben erst einmal aufgeräumt, unsere Daten optimiert, um sie entsprechend der Bedarfe im Internet nutzen zu können. Dann wurden die Prozesse standardisiert und automatisiert.

DIE IMMOBILIE: Wie lange hat das gedauert?

Zimprich: Sechs Monate. Dabei dürfen Sie aber das Change Management nicht vergessen. Es spielt eine elementare Rolle in der digitalen Transformation. Die Leute müssen nicht nur das Was und Wie, sie müssen vor allem das Warum verstehen. Die digitale Strategie ist kein Paralleluniversum. Sie ist essenzieller Bestandteil der Unternehmensstrategie. Wenn das nicht der Fall ist, klappt es nicht.

DIE IMMOBILIE: Bei vielen Menschen schürt das eher Ängste.

Zimprich: Es geht nicht darum, dass wir alles standardisieren, und am Ende brauchen wir keine Mitarbeiter mehr. Wir wollen die Transaktionen auch nicht zu 100 Prozent online abwickeln. Dafür brauchen wir weiterhin die persönlichen Kontakte und die Besichtigungen. Man darf die Augen vor der Zukunft aber auch nicht verschließen. Tesla beispielsweise. Die wollen garantiert keine Autofachleute werden. Die wollen autonome Autos bauen, damit Fahrer und Mitfahrer dann übers Internet mit Konsumartikeln berieselt werden oder Videos runterladen können. Obwohl es nicht ums Auto geht, disruptieren sie damit VW, Daimler und BMW. Sie stellen den Automarkt auf den Kopf. Da gilt es auch zu fragen, was im Bereich der Immobilien noch alles passieren kann.