Im vergangenen Jahr hatte der Global Wealth and Lifestyle Report von Julius Bär für eine Überraschung gesorgt: Die Kosten für ein gehobenes Leben waren erstmals seit Jahren gefallen, um 2 Prozent in US-Dollar. Die aktuelle Ausgabe des Reports zeigt: Die Verschnaufpause war kurz. Im Jahr 2026 steigen die Kosten wieder – im Schnitt um 10,2 Prozent in Dollar. Der Treiber sind dabei nicht steigende Preise.
Für den Index hat Ipsos im Auftrag von Julius Bär Preise für 20 Güter und Dienstleistungen in 25 Städten weltweit erhoben, ergänzt durch eine Befragung von 360 Vermögenden mit mindestens einer Million US-Dollar Anlagevermögen.
Zürich und Monaco steigen – ohne dass sich vor Ort viel ändert
Singapur bleibt zum vierten Mal in Folge die teuerste Stadt für Hochvermögende. Dahinter hat sich das Podium aber neu sortiert: Zürich springt von Platz 5 auf Platz 2, Monaco rückt von Platz 4 auf Platz 3 und verdrängt damit Hongkong. Bemerkenswert ist der Grund. In Zürich stieg kein einziger Posten im Warenkorb um mehr als 8 Prozent in Schweizer Franken. Die Stadt wurde nicht teurer – sie wurde nur in Dollar gerechnet teurer, weil der Franken gegenüber dem Dollar aufwertete.
Julius-Bär-Researchleiter Christian Gattiker ordnet ein: „Wer sein Vermögen international hält oder selbst mobil ist, spürt Währungsschwankungen stärker als jede reale Preissteigerung vor Ort.“
Das Gegenbeispiel liefert Dubai: Die Stadt fällt von Platz 7 auf Platz 14 – nicht weil sie günstiger wurde, sondern weil der an den Dollar gekoppelte Dirham im Vergleich zu den aufwertenden Währungen anderer Standorte zurückbleibt. Auch Frankfurt profitiert vom Euro-Effekt und steigt von Rang 19 auf Rang 16.
Evolution der Top-10-Städte, 2022 bis 2026
Wie sich die Rangfolge der teuersten Städte für vermögende Privatpersonen seit 2022 verschoben hat — getrieben von starken Währungen rücken europäische Standorte konsequent nach vorn.
Schmuck und Uhren ziehen den Gesamtindex nach oben
Eine Ausnahme von der reinen Währungslogik bilden Luxusgüter mit Edelmetallanteil. Schmuck verteuerte sich um 16,4 Prozent, Uhren um 15,5 Prozent. Dort wirkt der Goldpreis, der sich seit 2024 mehr als verdoppelt hat, direkt in die Preise hinein. Über alle Luxusgüter hinweg lag der Anstieg bei durchschnittlich 12,3 Prozent. Hinzu kommt: Viele große Luxushäuser sitzen in Europa und kalkulieren in Euro oder Franken- Somit fließt die Währungsstärke zusätzlich in die globalen Verkaufspreise.
Für Europa insgesamt bedeutet das einen überdurchschnittlichen Anstieg von 14,1 Prozent in Dollar, deutlich über dem globalen Mittel. Alle europäischen Städte im Index außer London kletterten im Ranking. London fiel zurück, weil das britische Pfund einen ähnlichen Kursverlauf wie der Dollar nahm.
Bevorzugte Anlageklassen nach Region
Die drei meistgenannten Anlageklassen der vergangenen zwölf Monate je Region. In Europa führen Fonds knapp vor Aktien und Immobilien.
Europa
im FokusNordamerika
Asien-Pazifik
Lateinamerika
Naher Osten
Europas Anleger bleiben vorsichtig
Die begleitende Befragung zeigt: Der vorsichtige Kurs europäischer Vermögender aus dem Vorjahresreport hält an. Nur 15 Prozent der europäischen Befragten meldeten einen signifikanten Vermögenszuwachs in den vergangenen zwölf Monaten – der niedrigste Wert aller Regionen, wenngleich 58 Prozent immerhin moderates Wachstum verzeichneten. Bei den bevorzugten Anlageklassen liegen in Europa Fonds vorn (25 Prozent), vor Aktien (23 Prozent) und Immobilien (22 Prozent). Beim Risikoprofil hält die Mehrheit an ihrer bisherigen Linie fest (57 Prozent), ein Drittel reduziert das Risiko sogar weiter. 44 Prozent haben Edelmetalle als Absicherung ins Portfolio aufgenommen.
Zum Vergleich: In Asien-Pazifik meldeten 90 Prozent der Befragten einen Vermögensanstieg, 73 Prozent erhöhten ihre geografische Streuung und 53 Prozent bauten ihre Edelmetallquote aus.
Gesundheit bleibt der einzige Ausgabenposten ohne Bremse
Ein Trend zieht sich unabhängig von Währung und Region durch alle Ergebnisse: Gesundheitsausgaben sind neben Freizeitreisen die einzige Kategorie, die in jeder Region gestiegen ist. Im asiatisch-pazifischen Raum investieren 66 Prozent der Befragten aktiv in die eigene Gesundheit und die der Familie. Julius Bär hat den Index 2026 entsprechend erweitert: Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, die im Zusammenhang mit Longevity stehen, zählen erstmals zum Warenkorb.