Interview Julius-Bär-Investmentchef warnt vor „Katerstimmung“ an Privatmärkten

Werden Private Markets für Anleger zur Sackgasse? Zumindest Julius-Bär-Investmentchef Yves Bonzon betrachtet den Sektor kritisch.

Werden Private Markets für Anleger zur Sackgasse? Zumindest Julius-Bär-Investmentchef Yves Bonzon betrachtet den Sektor kritisch. Bildquelle: Imago Images/Wolfgang Maria Weber

Trotz neuer Investitionsmöglichkeiten für Privatanleger: Yves Bonzon, Investmentchef der Schweizer Privatbank Julius Bär, warnt Vermögende vor zu hoher Begeisterung für Investments in Privatmärkte. Derzeit herrsche eine „Katerstimmung“, weil die Renditen von Privatmarktanlagen hinter denen öffentlicher Aktien zurückbleiben würden, sagte Bonzon in einem Interview mit dem Informationsdienst Reuters.

Der Wind in Beratungsgesprächen dreht sich

Das Angebot an Investments in Infrastruktur oder auch nicht börsennotierter Beteiligungen für Privatanleger nimmt zu – auch über relativ junge Vehikel wie den Eltif 2.0. Vermögensverwalter nehmen dabei zunehmend vermögende Privatpersonen als Investoren in den Blick, weil einige institutionelle Anleger ihre Kapazitäten für alternative Anlagen ausgeschöpft haben. Privatanleger wiederum versprechen sich von Investments in Private Equity, Private Debt oder Infrastruktur höhere Renditen und eine höhere Diversifikation ihrer Portfolios.

Dass sich diese Hoffnung gänzlich erfüllt, stellt Bonzon allerdings infrage. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen relativ hoch bleiben werden, die Fehlallokation von Kapital und die Menge an Geld, die bereits in privaten Fonds steckt, bedeuten, dass sich die Beratungsgespräche mit Vermögenden derzeit ändern. „Es gibt zwei Hauptfragen, die wir im Moment von unseren Kunden erhalten. Erstens: Soll ich einen S&P 500 ETF kaufen? Und dann: Was ist der Grund für Privatmarktanlagen in meinem Portfolio?“, sagte er in dem Reuters-Interview.

„Renditen sprechen heute wahrscheinlich für öffentliche Vermögenswerte“

„Jedes Mal, wenn etwas so schnell steigt, sollte man sich die Frage stellen, ob diese Anlagen wettbewerbsfähige Renditen erzielen“, so Bonzon. Er schätzt, dass die von Private Equity und anderen weniger liquiden Anlagen erhobenen Gebühren etwa 6 Prozent des investierten Vermögens ausmachen. Die müsse beachtet werden, bevor die Renditen mit börsennotierten Aktien verglichen werden könnten. „Die Renditen sprechen heute wahrscheinlich für öffentliche Vermögenswerte.“

 

Venture-Capital- und Private-Equity-Fonds etwa sammelten in den vergangenen Jahren Rekordsummen an Kapital ein. Seit der Zinswende hat sich das Blatt gewendet. In einer aktuellen Studie prognostiziert der Datenanbieter Preqin, dass die Mittelbeschaffung unter vermögenden Privatpersonen im Alternatives-Sektor künftig zäh bleiben wird. Die Studienautoren rechnen damit, dass sich die jährlichen Wachstumsraten des Markts für alternative Investments abschwächen. Grund seien gedämpfte Erwartungen für die Private-Equity- und Risikokapitalmärkte.


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Links im Bild befindet sich der markante Wolkenkratzer Trianon, die Zentrale der Dekabank, aus dem das Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe 2024 auszieht. Doch welche Privatbank hat auf der anderen Straßenseite im Frankfurter Westend ihren Sitz? 

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