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private banking magazin: Herr Rautenberg, Glückwunsch zur Beförderung. Wie verändert sich Ihre Rolle konkret?
Julian Rautenberg: Vielen Dank! Ab dem 1. Januar übernehme ich die Gesamtverantwortung für den Bereich Private Banking und Unternehmerkunden. Bislang war ich für das Private Banking und Unternehmerkunden im Süden sowie unsere Immobilien-Makler-Tochter Donner & Reuschel Finanzservice verantwortlich – mit rund 80 Mitarbeitern. Jetzt verantworte ich 200 Mitarbeiter und damit alle Standorte sowie die Spezialistenteams.
Ihre Position gab es bei Donner & Reuschel bislang nicht, es wurde für Sie eine Zwischenebene zwischen Vorstandssprecher Horst Schmidt und den Regionalleitern Nord und Süd eingezogen. Was steckt strategisch dahinter?
Rautenberg: Um es zu konkretisieren: Hamburg inklusive Bremen bleibt unter der Führung von Lars Bachmann, mein Nachfolger im Süden ist Thomas Nerlinger, der auch die Verantwortung für Düsseldorf übernehmen wird. Daneben gibt es vier Spezialistenteams auf Abteilungsleiterebene: Investment, Immobilien, Corporate Finance und Kreditgeschäft. Die neue Struktur ermöglicht es uns, noch fokussierter, zielgerichteter für unsere Kunden da zu sein.
Asset Management, Verwahrstelle, Private Banking, Immobilienfinanzierer – hat sich Donner & Reuschel in der Vergangenheit verzettelt?
Rautenberg: Überhaupt nicht. Das ist genau das, was wir mit dem Slogan „Mehr als eine Bank“ meinen. Wir haben ein Generalisten-Spezialisten-Modell: Der Berater ist Dreh- und Angelpunkt der Kundenbeziehung und zieht je nach Thema Spezialisten hinzu – auf der Wertpapierseite, bei Immobilien oder unternehmerischen Themen wie M&A und Corporate Finance. Wir sind keine reine Vermögensverwaltung, sondern eine Bank mit breiter Angebotspalette, ausgerichtet auf drei große Assetklassen: liquide Assets, Immobilien und unternehmerisches Vermögen.
Im Private Banking herrscht gerade Bewegung, vor allem in München. Wie positioniert sich Donner & Reuschel?
Rautenberg: München gehört zu den attraktivsten Private-Banking-Standorten in Deutschland. Das hängt mit der unglaublichen Wirtschaftskraft zusammen, aber vor allem mit der diversifizierten Wirtschaftsstruktur. Man ist nicht abhängig von wenigen Branchen wie zum Beispiel in Stuttgart mit der Automobilindustrie oder in Frankfurt mit Banking.
In München gibt es nicht nur Allianz und BMW, sondern zum Beispiel die Medienfirmen oder den Biotech-Hub in Martinsried, so gut wie alle relevanten Einhörner in Deutschland sind Ausgründungen der TU München. Dazu haben alle US-Tech-Konzerne ihre Europa- oder Deutschlandzentralen nach München verlegt. Das heißt, hier leben viele gut bezahlte Manager und gleichzeitig viele Unternehmer.
J.P. Morgan ist seit diesem Jahr in München aktiv, LGT startet mit einem Team, Julius Bär expandiert. Fühlen Sie sich unter Druck?
Rautenberg: Das zeigt nur, wie attraktiv München ist. Wir haben in der Branche eine demografische Herausforderung. Alle Player versuchen, sich mit guten Leuten zu verstärken, die die Babyboomer-Generation an Beratern in den nächsten fünf bis zehn Jahren beerben können. Da geht ein Riesenschwung an Kundenbeziehungen und Know-how perspektivisch in Rente. Aber wir sind gut aufgestellt.
In einem Fachmedium wurde im April 2025 über einen „Massenexodus“ bei Donner & Reuschel berichtet.
Rautenberg: Aus meiner Sicht ist dieser Begriff deutlich zu hoch gegriffen. Bei uns im Vertrieb war es genau eine Personalie. Wir haben parallel in den vorigen 18 Monaten mehr als fünf Leute eingestellt. Zusammengefasst würde ich sagen: In den letzten Jahren ist kein Mitarbeiter gegangen, den wir nicht hätten ziehen lassen wollen. Wir haben kein Team verloren, sondern uns im Gegenteil verstärkt.
Sie beschäftigen 35 Berater in München und bauen weiter aus. Ist diese Personenstärke nicht üppig angesichts des verwalteten Vermögens?
Rautenberg: Ich weiß von Mitbewerbern in München, die mit sechs, sieben, acht Leuten eine bis zwei Milliarden Euro betreuen. Insofern: Auch unsere Personalstärke steht in einem marktüblichen Verhältnis zu den Assets, die wir betreuen. Der persönliche Kontakt ist ja genau der Ansatz von Donner & Reuschel: Unsere Berater sind für ihre Kunden wirklich verfügbar.
Bei uns gibt’s keine Call-Center, keine Hotlines. Ruft der Kunde abends seinen Berater an und dieser ist gerade unterwegs, gibt‘s am nächsten Morgen sofort einen Rückruf. Diese persönliche Betreuung ist genau das, was Kunden an uns schätzen.
Andersrum könnte man sagen: Mit der Digitalisierung ist man bei Donner & Reuschel noch nicht so weit…
Rautenberg: Das sehe ich anders. Digitalisierung ist für uns ein Hygienefaktor: Zahlungsverkehr, Depotübersichten – das muss funktionieren. Aber das ist austauschbar. Jede Bank kann das und auch wir entwickeln uns hier stetig weiter.
Unser Mehrwert liegt woanders: Wir setzen uns mit Neukunden und einem weißen Blatt Papier hin und verstehen erst mal seine Gesamtsituation. Wie ist das Verhältnis von Liquidität zu Immobilienvermögen, zu unternehmerischen Beteiligungen? Das kann keine App leisten. Wenn es um Nachfolgeplanung geht, um den Verkauf des Lebenswerks, um komplexe Familiensituationen – da braucht es den persönlichen Kontakt.
Wir nutzen moderne Technologie selbstverständlich, aber immer im Dienst der Beratung, nicht als Ersatz für die persönliche Beziehung. Der Kunde muss bei uns nur einmal erzählen, nicht dreimal mit verschiedenen Hotlines telefonieren.
An welche Zielgruppe richten Sie sich? Ab welchem Ticket darf man klingeln?
Rautenberg: Die Einstiegsgröße liegt bei 500.000 Euro liquides Vermögen. Die Durchschnittsgröße ist siebenstellig. Gerade das liquide Vermögensband 500.000 Euro bis fünf Millionen Euro ist eines, wo wir wirklich Mehrwert liefern können – vor allem wenn das Gesamtvermögen im illiquiden Bereich deutlich höher ist, was nicht selten der Fall ist. Wir schätzen es, wenn wir Zugang zum Vermögensinhaber selbst haben.
Donner & Reuschel schrieb 2024 einen zweistelligen Millionenverlust. Wie sieht 2025 aus?
Rautenberg: Lassen Sie mich das bitte einordnen: Wir haben 2024 in einem Rutsch alle Unwägbarkeiten der Immobilienmarktentwicklung und Immobilienkrise verarbeitet. Wir sind ein großer Finanzierer im Projektentwicklungsbereich, und Projekte sind ins Stocken geraten. Aus kaufmännischer Vorsicht haben wir Wertberichtigungen vorgenommen und die Risikovorsorge angepasst. Die Kredite sind aber werthaltig. Im Private Banking und Unternehmerkundengeschäft sind wir hingegen auch im laufenden Jahr operativ gewachsen und sehr profitabel.
Spüren Sie Druck vom Mutterkonzern Signal Iduna nach den Verlusten?
Rautenberg: Wir sind seit 30 Jahren Teil der Signal Iduna Gruppe. Sie kennt und schätzt die Fähigkeiten und Qualitäten unserer Bank. Als einer der größten Immobilieninvestoren der Republik ist sie zudem langfristig orientiert und versteht die kurzfristige Zyklik in diesem Geschäftsbereich sehr gut. Es ist somit ein Segen, die Signal Iduna als Mutter zu haben, die als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit langfristig denkt und nicht von Aktionären auf Quartalsbasis getrieben wird.
Seit über einem Jahr haben Sie einen neuen Chef. Was hat sich unter Horst Schmidt verändert?
Rautenberg: Wir sind froh, dass eine echte Branchengröße unserem langjährigen Unternehmenslenker Marcus Vitt nachgefolgt ist. Horst Schmidt hat Bethmann geprägt und war Deutschlandchef von ABN Amro. Er bringt neue Sichtweisen von außen mit, die uns guttun. Es bringt unser Bankhaus weiter, wenn es einen CEO hat, der Strukturen sowie Abläufe mit frischem Blick neu betrachtet und hinterfragt.
Sie sind 42 und haben nun 200 Mitarbeiter unter sich. Wie führen Sie in einer erfahrungsgeprägten Branche?
Rautenberg: Ich bin inklusive Lehrzeit über 20 Jahre in diesem Bankhaus und habe verschiedenste Bereiche durchlaufen – von Vermögensverwaltung über Produktmanagement bis Private Banking. Wir sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, und ich bin sehr zuversichtlich, was unsere künftige Entwicklung angeht.
Wir sind sehr stolz auf die sehr langen Betriebszugehörigkeiten, vor allem bei unseren Beratern und die damit verbundene Kontinuität in den Kundenbeziehungen. Gleichzeitig werden wir uns weiterhin extern verstärken. Die Mischung aus Erfahrung im Haus und einem frischen Blick auf die Herausforderungen der Zukunft – ich glaube, das ist genau das, was wir jetzt brauchen.
Wo sehen Sie Donner & Reuschel in fünf Jahren?
Rautenberg: Wir werden unsere Position als eine der führenden deutschen Privatbanken ausbauen. Die Fokussierung auf drei Assetklassen ist unsere DNA. Mit unserem M&A-Team und unserer Immobilientochter sind wir einzigartig positioniert. Wir bekennen uns klar zum Wachstum im Private Banking und werden unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen.
Über den Interviewten und Donner & Reuschel
Julian Rautenberg ist seit 2003 bei Donner & Reuschel in diversen Positionen tätig. 2017 übernahm er seine erste Führungsposition im Private Banking, später kamen das Unternehmerkunden-Geschäft und der Aufbau der Immobilientochter hinzu.
Donner & Reuschel blickt auf eine über 225-jährige Geschichte zurück. Das Bankhaus entstand 2009 aus der Fusion der Hamburger Privatbank Conrad Hinrich Donner (gegründet 1798) und der Münchner Neuvians, Reuschel & Co. (gegründet 1894). Heute gehört Donner & Reuschel zur Signal Iduna Gruppe und betreut mit rund 600 Mitarbeitern vermögende Privatkunden, Unternehmer und institutionelle Anleger. Die Bank ist an den Standorten Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Bremen vertreten und verwaltet rund 32 Milliarden Euro.
