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Andersrum könnte man sagen: Mit der Digitalisierung ist man bei Donner & Reuschel noch nicht so weit…
Rautenberg: Das sehe ich anders. Digitalisierung ist für uns ein Hygienefaktor: Zahlungsverkehr, Depotübersichten – das muss funktionieren. Aber das ist austauschbar. Jede Bank kann das und auch wir entwickeln uns hier stetig weiter.
Unser Mehrwert liegt woanders: Wir setzen uns mit Neukunden und einem weißen Blatt Papier hin und verstehen erst mal seine Gesamtsituation. Wie ist das Verhältnis von Liquidität zu Immobilienvermögen, zu unternehmerischen Beteiligungen? Das kann keine App leisten. Wenn es um Nachfolgeplanung geht, um den Verkauf des Lebenswerks, um komplexe Familiensituationen – da braucht es den persönlichen Kontakt.
Wir nutzen moderne Technologie selbstverständlich, aber immer im Dienst der Beratung, nicht als Ersatz für die persönliche Beziehung. Der Kunde muss bei uns nur einmal erzählen, nicht dreimal mit verschiedenen Hotlines telefonieren.
An welche Zielgruppe richten Sie sich? Ab welchem Ticket darf man klingeln?
Rautenberg: Die Einstiegsgröße liegt bei 500.000 Euro liquides Vermögen. Die Durchschnittsgröße ist siebenstellig. Gerade das liquide Vermögensband 500.000 Euro bis fünf Millionen Euro ist eines, wo wir wirklich Mehrwert liefern können – vor allem wenn das Gesamtvermögen im illiquiden Bereich deutlich höher ist, was nicht selten der Fall ist. Wir schätzen es, wenn wir Zugang zum Vermögensinhaber selbst haben.
Donner & Reuschel schrieb 2024 einen zweistelligen Millionenverlust. Wie sieht 2025 aus?
Rautenberg: Lassen Sie mich das bitte einordnen: Wir haben 2024 in einem Rutsch alle Unwägbarkeiten der Immobilienmarktentwicklung und Immobilienkrise verarbeitet. Wir sind ein großer Finanzierer im Projektentwicklungsbereich, und Projekte sind ins Stocken geraten. Aus kaufmännischer Vorsicht haben wir Wertberichtigungen vorgenommen und die Risikovorsorge angepasst. Die Kredite sind aber werthaltig. Im Private Banking und Unternehmerkundengeschäft sind wir hingegen auch im laufenden Jahr operativ gewachsen und sehr profitabel.
Spüren Sie Druck vom Mutterkonzern Signal Iduna nach den Verlusten?
Rautenberg: Wir sind seit 30 Jahren Teil der Signal Iduna Gruppe. Sie kennt und schätzt die Fähigkeiten und Qualitäten unserer Bank. Als einer der größten Immobilieninvestoren der Republik ist sie zudem langfristig orientiert und versteht die kurzfristige Zyklik in diesem Geschäftsbereich sehr gut. Es ist somit ein Segen, die Signal Iduna als Mutter zu haben, die als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit langfristig denkt und nicht von Aktionären auf Quartalsbasis getrieben wird.
Seit über einem Jahr haben Sie einen neuen Chef. Was hat sich unter Horst Schmidt verändert?
Rautenberg: Wir sind froh, dass eine echte Branchengröße unserem langjährigen Unternehmenslenker Marcus Vitt nachgefolgt ist. Horst Schmidt hat Bethmann geprägt und war Deutschlandchef von ABN Amro. Er bringt neue Sichtweisen von außen mit, die uns guttun. Es bringt unser Bankhaus weiter, wenn es einen CEO hat, der Strukturen sowie Abläufe mit frischem Blick neu betrachtet und hinterfragt.
Sie sind 42 und haben nun 200 Mitarbeiter unter sich. Wie führen Sie in einer erfahrungsgeprägten Branche?
Rautenberg: Ich bin inklusive Lehrzeit über 20 Jahre in diesem Bankhaus und habe verschiedenste Bereiche durchlaufen – von Vermögensverwaltung über Produktmanagement bis Private Banking. Wir sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, und ich bin sehr zuversichtlich, was unsere künftige Entwicklung angeht.
Wir sind sehr stolz auf die sehr langen Betriebszugehörigkeiten, vor allem bei unseren Beratern und die damit verbundene Kontinuität in den Kundenbeziehungen. Gleichzeitig werden wir uns weiterhin extern verstärken. Die Mischung aus Erfahrung im Haus und einem frischen Blick auf die Herausforderungen der Zukunft – ich glaube, das ist genau das, was wir jetzt brauchen.
Wo sehen Sie Donner & Reuschel in fünf Jahren?
Rautenberg: Wir werden unsere Position als eine der führenden deutschen Privatbanken ausbauen. Die Fokussierung auf drei Assetklassen ist unsere DNA. Mit unserem M&A-Team und unserer Immobilientochter sind wir einzigartig positioniert. Wir bekennen uns klar zum Wachstum im Private Banking und werden unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen.
Über den Interviewten und Donner & Reuschel
Julian Rautenberg ist seit 2003 bei Donner & Reuschel in diversen Positionen tätig. 2017 übernahm er seine erste Führungsposition im Private Banking, später kamen das Unternehmerkunden-Geschäft und der Aufbau der Immobilientochter hinzu.
Donner & Reuschel blickt auf eine über 225-jährige Geschichte zurück. Das Bankhaus entstand 2009 aus der Fusion der Hamburger Privatbank Conrad Hinrich Donner (gegründet 1798) und der Münchner Neuvians, Reuschel & Co. (gegründet 1894). Heute gehört Donner & Reuschel zur Signal Iduna Gruppe und betreut mit rund 600 Mitarbeitern vermögende Privatkunden, Unternehmer und institutionelle Anleger. Die Bank ist an den Standorten Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Bremen vertreten und verwaltet rund 32 Milliarden Euro.