Rendite ohne Wachstumsdruck „12 ist das neue 5" – warum Small-Cap-Investoren anders rechnen

Sven Czermin und Julian Buchbach (r) von Palladio Partners.

Sven Czermin und Julian Buchbach (r) von Palladio Partners: „Die entscheidende Frage für Investoren lautet daher nicht: Wie erreiche ich 12 Prozent Wachstum? Sondern: In welchem Marktsegment profitiere ich von mehreren unabhängigen Renditetreibern, selbst bei schwierigem Marktumfeld?" Bildquelle: Palladio Partners

Mit der provokanten These „12 ist das neue 5" hat Bain & Company im jährlich veröffentlichten Global Private Equity Report 2026 ein neues Leitmotiv für die Private-Equity-Branche gesetzt. Die zentrale Aussage: Während in der goldenen Dekade der 2010er Jahre ein jährliches EBITDA-Wachstum von rund 5 Prozent ausreichte, um das 2,5-fache des eingesetzten Kapitals zu erwirtschaften, sind unter heutigen Rahmenbedingungen für eine vergleichbare Rendite eher 10 bis 12 Prozent jährliches EBITDA-Wachstum erforderlich. Nicht nur in Zeiten zunehmender geopolitischer Unsicherheiten, steigender Zinsen und gedämpfter Wachstumsaussichten ein ambitioniertes Unterfangen.

Die Logik hinter der These ist zumindest bei einer Durchschnittsbetrachtung nachvollziehbar, basiert aber auf spezifischen Annahmen für das Large-Cap-Segment. Im letzten Jahrzehnt sind die Einstiegsbewertungen deutlich gestiegen, während der Spielraum für Multiple Expansion abgenommen hat. Die zentrale Stellgröße ist dabei nicht das Wachstum, sondern die Einstiegsbewertung: Wer zu 14 Mal EBITDA kauft und zu einem ähnlichen Preisniveau wieder verkauft, muss die Rendite nahezu vollständig über operatives EBITDA-Wachstum generieren.

Hinzu kommt das aktuelle Zinsumfeld. Große Buyouts werden überwiegend mit variabel verzinsten Krediten und endfälligen Strukturen finanziert. Steigende Zinsen erhöhen die laufenden Kosten und schmälern den Free Cashflow. Das klassische Deleveraging als Renditetreiber fällt im Large-Cap-Segment zunehmend weg. Doch wie belastbar ist diese Aussage über den Gesamtmarkt hinweg?

Das Small- und Lower-Mid-Cap-Segment: Ein strukturell anderes Modell

Für Investoren, die Portfoliounternehmen mit einem EBITDA zwischen 5 und 10 Millionen Euro erwerben, gelten fundamental andere Rahmenbedingungen. Die Einstiegsbewertungen liegen in der Regel zwischen 6 Mal und 8 Mal EBITDA – deutlich unter dem Large-Cap-Niveau. Die Gründe sind struktureller Natur: Im unteren Marktsegment ist die Wettbewerbsintensität geringer, da viele Transaktionen außerhalb kompetitiver Auktionsprozesse zustande kommen.

 

Zudem lassen sich Transaktionen häufig flexibler strukturieren. Die Zielunternehmen sind vorwiegend mittelständische gründer- oder familiengeführte Betriebe, für die ein Private-Equity-Fonds erstmals institutionelles Kapital bereitstellt. Die bisherigen Eigentümer bleiben oft beteiligt und unterstützen eine gemeinsame Wachstumsagenda, was eine hohe Interessensgleichheit sicherstellt.

Darüber hinaus bieten Small-Cap-Unternehmen erhebliches Potenzial für operative Wertschöpfung. Typische Hebel umfassen die Professionalisierung des Managements, die Erweiterung der Produktpalette, die Implementierung von IT- und Finanzsystemen sowie die internationale Expansion. Diese organischen Maßnahmen werden häufig durch gezielte Unternehmenszukäufe mit anschließender Integration komplementiert.

Für Investoren entsteht daraus einer der wesentlichen Renditetreiber im Small-Cap-Segment: die Multiple Expansion durch das sogenannte Size Premium. Ein Unternehmen, das während der Haltedauer von 10 Millionen auf 25 Millionen Euro EBITDA wächst, wird beim Verkauf in einer höheren Bewertungsklasse gehandelt. Rendite entsteht somit nicht nur durch operatives Wachstum, sondern auch durch eine strukturelle Neubewertung.

Auch die Finanzierung unterscheidet sich deutlich. Small-Cap-Transaktionen werden typischerweise mit 2 bis 3 Mal Nettoverschuldung/EBITDA wesentlich konservativer finanziert. Im aktuellen Zinsumfeld erweist sich dies als klarer Vorteil: Die niedrigere Verschuldung reduziert das Zinsrisiko, erhält den Free Cashflow und ermöglicht eine effektive Schuldenrückführung – ein Renditetreiber, der im hoch gehebelten Large-Cap-Segment zunehmend wegfällt.

 

Schließlich verfügen Small-Cap-Unternehmen über diversifizierte Exit-Kanäle. Sie sind nicht vom IPO-Markt abhängig, sondern werden primär an strategische Investoren und Finanzinvestoren im größeren Marktsegment veräußert, die beispielsweise europäische Konsolidierungsstrategien verfolgen.

Fazit

Die steigenden EBITDA-Wachstumsanforderungen im Private-Equity-Markt sind das Ergebnis spezifischer Marktbedingungen im Large-Cap-Segment: hohe Einstiegsbewertungen, begrenzte Multiple Expansion und erschwertes Deleveraging durch gestiegene Zinsen. Im Small-Cap-Segment greifen diese Faktoren nicht in vergleichbarer Weise. Niedrigere Einstiegsbewertungen, operative Wertschöpfungspotenziale, das Size Premium beim Exit und konservatives Leverage schaffen ein Umfeld, in dem attraktive Renditen auch ohne zweistellige Wachstumsraten erreichbar sind.

Die entscheidende Frage für Investoren lautet daher nicht: Wie erreiche ich 12 Prozent Wachstum? Sondern: In welchem Marktsegment profitiere ich von mehreren unabhängigen Renditetreibern, selbst bei schwierigem Marktumfeld?


Interessenkonflikt-Disclosure

Palladio Partners ist eine auf Small- und Lower-Mid-Cap-Investments spezialisierte Investmentboutique. Die Autoren vertreten in diesem Beitrag eine Anlagekategorie, in der ihr Unternehmen kommerziell tätig ist.


Autorenbiografien

Julian Buchbach ist Investment Manager bei Palladio Partners mit Fokus auf Private-Equity-Investitionen im Small- und Lower-Mid-Cap-Segment. Zuvor war er bei der Feri Gruppe tätig.

Sven Czermin ist Partner bei Palladio Partners. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Bewertung und Strukturierung von Private-Equity-Transaktionen; frühere Stationen umfassen die Feri Gruppe und KPMG.

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