Jürgen Wache übernimmt die Führung der Volksbank Brawo. Der Aufsichtsrat der Genossenschaftsbank hat den 66-Jährigen in seiner Sitzung einstimmig zum künftigen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Zum 15. August 2026 tritt Wache sein Amt zunächst als Generalbevollmächtigter an. Den Vorstandsvorsitz übernimmt er, sobald die formalen Voraussetzungen erfüllt sind. Mit seinem Antritt gibt Lars Berkefeld das Mandat als Interims-Vorstandssprecher ab, bleibt dem Institut aber als Vorstandsmitglied erhalten.
Wache ist der genossenschaftlichen Finanzgruppe seit Jahrzehnten eng verbunden. Vor mehr als 44 Jahren begann er seine Laufbahn bei der Volksbank Garbsen, die vergangenen gut 18 Jahre stand er an der Spitze der Hannoverschen Volksbank, deren Bilanzsumme laut Pressemitteilung zuletzt bei 9,2 Milliarden Euro lag. Erst im Juni 2026 war der gebürtige Northeimer in den Ruhestand gegangen. In der Region Hannover verwurzelt, bringt er ein umfangreiches Netzwerk in die niedersächsische Wirtschaft mit.
Brawo ringt um Stabilität
Die Volksbank Brawo – mit einer Bilanzsumme von rund 6,4 Milliarden Euro und etwa 793 Mitarbeitenden (Stand Juni 2026) eine der größten Genossenschaftsbanken Norddeutschlands – ist vor allem wegen ihres umfangreichen Beteiligungsportfolios angeschlagen und benötigt einem Bericht des Handelsblatts zufolge Hilfen der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).
Demnach hatte die Bank zwischenzeitlich mehr als 400 Gesellschaften aufgebaut. Aus Finanzkreisen ist zu hören, im Beteiligungsportfolio zeichne sich ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag an negativen Neubewertungen ab.
Den neuen Kurs geben Aufsichtsrat und Vorstand mit drei Schlagworten vor: mehr Bank, mehr Region, weniger Komplexität. Wache kündigte an, das Institut wieder klarer auf das Kernbankgeschäft auszurichten und im Beteiligungsportfolio, bei Immobilien und im Bereich Green Energy Komplexität abzubauen. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sei es, das Vertrauen von Kunden, regionaler Wirtschaft und kommunalen Entscheidungsträgern wiederherzustellen. „Mit großer Freude, aber auch mit großem Respekt übernehme ich gerne die Verantwortung“, so Wache.
Braunschweiger Privatbank, Satzungsänderung und der 22. September
Wache ist nicht der einzige Neuzugang im Vorstand. Bereits im Juni war Heiner Arnoldi als dritter Vorstand mit Sanierungsauftrag bestellt worden. Zuvor hatte sich das Institut im Mai von seinem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Brinkmann getrennt. Auch das Geschäft mit vermögenden Kunden steht unter Druck. Aus der Braunschweiger Privatbank, einer auf wohlhabende Kunden spezialisierten Zweigniederlassung, waren zuletzt der bisherige Chef und zehn weitere Mitarbeiter ausgeschieden.
Der Vorstand wächst damit auf vier Köpfe. An der Spitze steht künftig Jürgen Wache, sobald er vom Generalbevollmächtigten zum Vorsitzenden aufrückt. Lars Berkefeld bleibt als Vorstandsmitglied an Bord. Für den Vertrieb ist weiterhin Carsten Ueberschär zuständig, der seit Januar 2026 im Amt ist. Vervollständigt wird das Team von Heiner Arnoldi, der im Juni mit einem zunächst auf zwei Jahre befristeten Sanierungsmandat bestellt worden war.
Seine Erfahrung als Bafin-Sonderbeauftragter in der Marktfolge legt nahe, dass ihm der Abbau des Beteiligungsportfolios und die Restrukturierung zufallen dürften – eine offizielle Ressortverteilung kommunizierte die Bank bislang nicht.
Wie es um das Institut wirklich steht, dürfte sich bald deutlicher zeigen: Für den 22. September 2026 ist die Vertreterversammlung terminiert – jenes Gremium, das die Bank mangels Jahresabschluss bereits zweimal verschoben hatte. Aufsichtsrat und Vorstand müssen den Vertretern zudem eine Satzungsänderung vorschlagen, die die bisherige Altersgrenze von 65 Jahren für Vorstand und Aufsichtsrat aufhebt – Voraussetzung dafür, dass der 66-jährige Wache das Amt überhaupt dauerhaft ausüben kann.