Jürgen Lampe zu den Firstfive-Awards „Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen“

Jürgen Lampe vom Analysehaus Firstfive

Jürgen Lampe vom Analysehaus Firstfive

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private banking magazin: Ende Februar vergibt Firstfive die nächsten Awards. Gekürt werden die besten Vermögensverwalter in den Zeiträumen 12-, 36- und 60-Monate. Wer liegt auf den letzten Metern vorn?

Jürgen Lampe: Im längsten Zeitraum, den fünf Jahren, findet ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Flossbach von Storch und der BHF-Bank statt. Im letzten Jahr hatten die Kölner die Nase vorn. Danach folgt schon mit einigem Abstand die Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO sowie mit der Walser Privatbank und die Raiffeisen Vermögensverwaltung zwei Adressen aus Österreich, die den dritten Platz sehr wahrscheinlich unter sich ausmachen werden.

Was haben die beiden Führenden richtig gemacht?

Lampe: Da in den vergangenen fünf Jahren sehr viel an den Kapitalmärkten passiert ist, fällt es schwer einzelne Marktsituationen hervorzuheben. Was man sagen kann ist, dass beide ein sehr stringenter Investmentprozess auszeichnet. Bei der BHF-Bank fällt auf, dass die Verantwortlichen das Risiko über die Investitionsquoten der Asset-Klassen geschickt steuern.

Ist die Gewinnersituation im 36-Monats-Zeitraum ähnlich knapp?

Lampe: Per 30. November 2015 ist die BHF-Bank mit drei ersten Plätzen in der Rangliste weit vorne. Mit einigem Abstand folgen die Commerzbank sowie die Walser Privatbank und die Raiffeisen Vermögensverwaltung aus Wien. Die Situation beim 12-Monats-Zeitraum wird sicherlich auf den letzten Metern entschieden. Zu den bereits genannten Adressen kommen noch Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und das Bankhaus Berenberg hinzu. 

Am 22. Februar werden zum zweiten Mal auf der Firstfive Gala drei Gewinner gekürt. Wie ermitteln Sie diese?

Lampe: Rein zahlenbasiert und damit sehr objektiv. In jedem der drei Zeiträume 12-, 36- und 60-Monate wetteifern Vermögensverwalter in den vier Risikoklassen konservativ, ausgewogen, moderat dynamisch und dynamisch miteinander.

Entscheidend für die Firstfive Awards ist für uns die Sharpe-Ratio, die risikoadjustierte Performance eines Depots. Dabei gilt es Punkte zu sammeln. Der mit der höchsten Sharpe-Ratio einer Kategorie bekommt 33,33 Zähler zugesprochen. Alle weiteren bekommen dann so viele Punkte, wie ihre Sharpe-Ratio von der vom Erstplatzierten prozentual abweicht.

Ein Beispiel: Hat der Bestplatzierte einer Kategorie eine Sharpe-Ratio von 2,00 und der Zweitplatzierte eine von 1,90, hat er 95 Prozent vom Top-Ergebnis erreicht. Entsprechend bekommt er 95 Prozent von 33,33 Zählern, also 31,66. Um den Gewinner eines der drei Zeiträume zu ermitteln, rechnen wir dann die erreichten Punkte aus drei der vier Risikoklassen zusammen. Das schlechteste Ergebnis wird gestrichen.

Lädt das Streichen von schlecht abschneidenden Ergebnissen nicht dazu ein, das System Firstfive auszuhebeln?

Lampe: Zu einer Ergebnis-Streichung haben wir uns nur vor dem Hintergrund entschieden, dass die meisten Vermögensverwalter in der Regel die drei klassischen Strategien konservativ, ausgewogen und dynamisch auswerten lassen. Die moderat dynamische Risikoklasse können wir nicht unberücksichtigt lassen, da hier auch dynamische Strategien einiger Anbieter zu finden sind.

Das Aushebeln unserer Vorgehensweise würde nur dann funktionieren, wenn wir virtuelle Depots in der Auswertung hätten. Haben wir aber nicht – im Gegensatz zu anderen Depot-Contests mit Börsenspielcharakter.

Bei uns indes handelt es sich um real existierende Depots und Vermögenswerte. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Vermögensverwalter ein Kundendepot quasi missbraucht und von seiner eigentlichen Investmentstrategie abweicht, nur weil er beim Firstfive-Depot-Leistungsvergleich weit oben stehen möchte. Gegebenenfalls würde sich dadurch ja auch ein Haftungsrisiko ergeben.

Zudem schaffen wir mit der Veröffentlichung der Ranglisten auf unserer Webseite eine frei zugängliche Transparenz. Ein Vermögensverwalter würde Gefahr laufen, dass er mit einem Depot, dass überhaupt nicht typisch für seine Anlagephilosophie ist, bei seinen anderen Kunden Fragen auslöst, warum die Performance in deren Depots im Vergleich so viel schlechter ist. Die Vermögensverwalter würden sich damit also einen Bärendienst erweisen.