Juan Nevado von M&G im Gespräch „Wir befinden uns in einem neuen wirtschaftlichen Umfeld”

 Juan Nevado ist bei M&G unter anderem für den fast 8 Milliarden Euro schweren Mischfonds M&G Dynamic Allocation zuständig. | © Piotr Banczerowski

Juan Nevado ist bei M&G unter anderem für den fast 8 Milliarden Euro schweren Mischfonds M&G Dynamic Allocation zuständig. Foto: Piotr Banczerowski

private banking magazin: Sie sprechen oft davon, dass Aktien noch immer stattliche Risikoprämien mit sich bringen. Wie messen Sie so etwas eigentlich?

Juan Nevado: Nehmen wir Deutschland. Die aktuelle Gewinnrendite der Dax-Aktien liegt bei real etwas über 8 Prozent, also in etwa so hoch wie vor 30 Jahren. Ganz anders die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. Die lag vor 30 Jahren real bei 6 Prozent, heute bei etwa minus 1,5 Prozent. Die Risikoprämie, von der ich rede, ist die Differenz zwischen den beiden Renditen. Was gut zu sehen ist: Obwohl Aktien in den vergangenen neun Jahren gut gelaufen sind, sind sie im Vergleich zu Anleihen noch immer sehr günstig. Zum Teil auch weil die Gewinne sich gut entwickelt haben. Und das wird weitergehen, weil die Weltwirtschaft weiter gut laufen wird.

Und wenn die Anleiherenditen steigen?

Nevado: Dann ist das eher eine schlechte Nachricht für Staatsanleihen vieler westlicher Länder. Dort liegen die Renditen sehr niedrig. Und wenn das Renditeniveau steigt, gibt das über den risikofreien Renditeanteil und die Risikoaufschläge gleich doppelten Druck auf die Kurse. Außerdem wird es Märkte treffen, die als Anleiheersatz herhalten mussten – Versorger und Immobilien. Aber es gibt auch Aktienmärkte, die höhere Zinsen lieben.

Ich höre.

Nevado: Banken, weil deren Zinsmarge dann wieder steigt. Und sie bringen derzeit überdurchschnittliche Risikoprämien mit sich.

Fahren Sie die Aktienquote auf Anschlag?

Nevado: Nicht mehr. Ich mag Aktien sehr und bin darin übergewichtet. Aber die Kurse sind seit Ende März bis Mitte Mai um gut 10 Prozent gestiegen, da habe ich den Anteil von 49 auf 43,5 Prozent wieder etwas gesenkt. Anfang Juli habe ich dann die Aktienquote wieder etwas erhöht auf 47 Prozent. Hier habe ich insbesondere asiatische Aktien und europäische Banken erhöht, die sich relativ gesehen schwächer entwickelt haben, und dafür Bereiche mit besserer relativer Performance wie US-Banken und britische Aktien leicht reduziert.

Könnten Sie nicht höhere Renditen rausholen, wenn Sie nach einzelnen Aktien suchen lassen? Also Stockpicking?

Nevado: Das machen wir in kleinen Dosen, wenn uns bestimmte Marktsegmente gefallen. Aber generell suchen wir nicht nach einzelnen Aktien, sondern gewichten Märkte. Wir kaufen Anlageklassen, wenn wir sie für günstig halten. Und wir verkaufen sie, wenn wir sie für teuer halten.

Offenbar halten Sie Russland für günstig.

Nevado: Es ist der günstigste Aktienmarkt der Welt. Nachdem er wegen der Wirtschaftssanktionen kollabierte, haben wir noch einmal nachgekauft. Die Gewinnrendite der Aktien liegt real bei 17 oder 18 Prozent und es gibt einige sehr gute russische Unternehmen. An Sanktionen haben sich die Russen dagegen schon gewöhnt. Das ist für sie fast normal.