Nachfolgeplanung Zwei Thronfolger, ein Stuhl: Wie J.P. Morgan die Dimon-Nachfolge neu ordnet

Jamie Dimons Nachfolge bei J.P. Morgan wird konkreter.

Jamie Dimons Nachfolge bei J.P. Morgan wird konkreter. Bildquelle: Nico Schipper mit ChatGPT

Es ist die vielleicht meistgestellte Personalfrage der Wall Street: Wer folgt auf J.P. Morgan-CEO Jamie Dimon? Seit Jahren wird darüber spekuliert, und Jahr für Jahr ließ Dimon die Antwort offen. Mit 70 Jahren führt er die US-Bank seit nun 20 Jahren und hat sie durch die Finanzkrise, durch Zinswenden und durch Übernahmen zur größten und profitabelsten der USA gemacht. Am 25. Juni 2026 hat er der Frage nun eine deutlich engere Form gegeben.

Dimon, seit 2006 an der Spitze, holte Doug Petno und Troy Rohrbaugh gemeinsam an die Konzernspitze und ernannte sie zu Präsidenten. Beide führen künftig je einen der wichtigsten Geschäftsbereiche allein. Petno übernimmt die zusammengeführte Sparte für Firmenkunden und Investmentbanking, die er sich bisher mit Rohrbaugh teilte. Rohrbaugh selbst bekommt das Privatkundengeschäft, über das J.P. Morgan in den USA fast 87 Millionen Verbraucher und 7,5 Millionen kleine Unternehmen betreut.

Frei wird dieser Posten, weil Marianne Lake die Bank verlässt. Die langjährige Finanzchefin und zuletzt Leiterin des Privatkundengeschäfts galt selbst als eine der aussichtsreichsten Anwärterinnen auf die Nachfolge Dimons. 

 

30 Millionen, die binden sollen

J.P. Morgan bietet einiges, damit die beiden Aufsteiger bleiben. Petno und Rohrbaugh erhalten jeweils eine einmalige Aktienzuteilung im Wert von 30 Millionen Dollar. Der Haken: Die Prämie wird erst nach drei Jahren unverfallbar, und nur dann, wenn die Bank zwischen 2026 und 2028 im Schnitt mindestens 12 Prozent Eigenkapitalrendite auf das materielle Kernkapital erwirtschaftet. 

Einen Zeitplan für seinen Abschied nennt Dimon weiterhin nicht. Die Beförderungen seien Teil eines länger angelegten Nachfolgeprozesses, ließ er wissen. Im Februar sagte er, er bleibe „noch ein paar Jahre als CEO und vielleicht ein paar Jahre danach als Executive Chairman und Chairman“. Frühere Anwärter wie Bill Winters, Chef der Standard Chartered Bank, Michael Cavanagh, heute in der Führung von Comcast, oder Matthew Zames zählen laut „Financial Times“ nicht mehr zum engeren Kreis.

Doug Petno: 35 Jahre im Haus

Kaum jemand kennt J.P. Morgan so von innen wie Doug Petno. 1989 fing er an, seither ist er geblieben. Den Einstieg machte er als Investmentbanker für Energie und Rohstoffe und stieg bis an die Spitze des globalen Geschäfts mit natürlichen Ressourcen auf.

Von 2012 bis 2024 führte Petno die Firmenkundenbank, die mittelständische Unternehmen, Gründer, Kommunen und Immobilieninvestoren bedient und lange im Schatten der glänzenden Investmentbank stand. 2025 rückte er an die Spitze der neu verschmolzenen Sparte aus Firmenkunden und Investmentbanking und steuerte deren Integration. Das Geschäft betreut nach Angaben der Bank mehr als 65.000 Kunden in 46 Ländern. Dem obersten Führungsgremium gehört Petno seit 2012 an. Studiert hat er Biologie am Wabash College, dazu kam ein MBA an der Simon School of Business der University of Rochester.

Troy Rohrbaugh: vom Handelssaal ins Filialgeschäft

Troy Rohrbaugh kommt von der anderen Seite der Bank, dem Handel. Seine Laufbahn begann am Parkett der Philadelphia Stock Exchange, wo er für die Spezialfirma Cooper Neff Optionen handelte. Über die Banque Nationale, deren Asiengeschäft mit Devisenoptionen er leitete, und über Goldman Sachs, wo er das nordamerikanische Devisenoptionsgeschäft verantwortete, kam er 2005 zu J.P. Morgan, zunächst als weltweiter Leiter des Geschäfts mit Devisenderivaten.

Dort wurde er zu einem der wichtigsten Risikomanager des Marktgeschäfts. Er führte das Geschäft mit den Makromärkten, also Zinsen, Devisen, Schwellenländer und Rohstoffe, und sitzt seit 2020 im obersten Führungsgremium. Rohrbaugh studierte Politikwissenschaft an der Johns Hopkins University und ist seit mehr als 25 Jahren in der Finanzbranche. Mit dem Sprung ins Privatkundengeschäft trägt er nun erstmals Verantwortung im Massengeschäft mit Privatkunden.

Damit lässt sich der Wettbewerb künftig fast in Echtzeit ablesen: Petno steht für das integrierte Geschäft mit Firmenkunden und Investmentbanking, Rohrbaugh für das Massengeschäft mit Privatkunden. Wer von beiden seine Sparte überzeugender steuert, dürfte beste Karten haben, wenn Dimon irgendwann tatsächlich loslässt. 

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