Die US-Großbank J.P. Morgan trennt sich von Proxy-Beratern und verlagert das Abstimmungsmanagement vollständig auf künstliche Intelligenz. Das Vermögensverwaltungshaus ist damit nach eigenen Angaben der erste große institutionelle Investor, der diesen Schritt geht, wie „CNBC“ berichtet.
In einem internen Memo teilte die Bank mit, künftig auf Datensammlung und Abstimmungsempfehlungen externer Berater zu verzichten. Stattdessen kommt das hauseigene KI-Tool „Proxy IQ“ zum Einsatz, das Stimmrechtsdaten von rund 3.000 Hauptversammlungen pro Jahr aggregiert und analysiert.
Proxy-Berater wie Institutional Shareholder Services (ISS) und Glass Lewis erstellen üblicherweise Analysen und Abstimmungsempfehlungen für institutionelle Investoren. J.P. Morgan erklärt nun, diese Dienstleistungen nicht mehr zu benötigen.
Politischer Druck auf die Branche
Die Entscheidung fällt in eine Phase zunehmender Kritik an Stimmrechtsberatern. US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember eine Verfügung unterzeichnet, die eine Überprüfung bestehender Regelungen für diese Branche anordnet. Trump warf den Beratern vor, ihre erhebliche Macht regelmäßig zu nutzen, um „radikale, politisch motivierte Agenden“ zu verfolgen.
Auch Tesla-Chef Elon Musk hatte ISS im Oktober scharf angegriffen und als „Unternehmens-Terroristen“ bezeichnet, nachdem die Firma Aktionären empfohlen hatte, sein Vergütungspaket von knapp einer Billion US-Dollar abzulehnen.
Technologie als Lösungsansatz
Mit der Abkehr von externen Beratern positioniert sich J.P. Morgan Asset Management als Vorreiter beim Einsatz künstlicher Intelligenz im Asset Management. Die Bank verspricht sich von der Eigenentwicklung mehr Unabhängigkeit bei Abstimmungsentscheidungen, ohne auf die Datengrundlage verzichten zu müssen.
Ob andere große Vermögensverwalter diesem Beispiel folgen werden, wird sich zeigen. Die Entscheidung dürfte jedoch die Diskussion über die Rolle und den Einfluss von Proxy-Beratern in der Corporate Governance weiter anfachen.