Louise Bonzano von J.P. Morgan Asset Management „Wir haben unseren Europaanteil seit Anfang des Jahres nicht erhöht.“

Den europäischen und den amerikanischen Markt gleichzusetzen, wäre wie „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“, sagt Louise Bonzano.

Den europäischen und den amerikanischen Markt gleichzusetzen, wäre wie „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“, sagt Louise Bonzano von von J.P. Morgan Asset Management. Bildquelle: J.P. Morgan AM

„Haben Sie den Europaanteil in den globalen Portfolios erhöht?“, wird Luise Bonzano von J.P. Morgan Asset Management von Kunden am häufigsten gefragt. Im Vergleich der Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) von Europa und den USA wird deutlich, warum: Gemessen am Gewinn kostete der MSCI Europe in den vergangenen fünf Jahren rund ein Drittel weniger als der S&P 500. Nach Trumps Amtsantritt verbilligten sich europäische Werte um weitere fünf Prozentpunkte.

Bonzano entgegnet dennoch auf die Frage nach europäischem Zukauf: „Wir haben unseren Europaanteil seit Anfang des Jahres nicht wesentlich erhöht.“ US-Titel prägen den Global-Select-Fonds mit rund 70 Prozent. Europäische Positionen machen 15 Prozent aus, wobei beide Regionen im Vergleich zum Index jeweils rund 1,5 Prozent übergewichtet sind. Der Investment-Fonds Global Select Equity (ISIN: LU0157178582), hat als Referenzindex den MSCI World Index. Die Portfoliomanager wählen die Titel auf Basis der hauseigenen Analysen aus.

Erwarteter Gewinn schrumpft Preisdifferenz  

Die Expertin erläutert, dass die Analysten beispielsweise die Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 50 Einzeltitel-Paaren einer Branche jeweils aus Europa und Amerika vergleichen. Dadurch wird der aktuelle Aktienkurs durch den geschätzten Gewinn in sechs Jahren geteilt. Der deutsche Cloud-Anbieter SAP steht etwa im Vergleich mit dem amerikanischen Pendant Oracle. Der britischen Bank HSBC stellen die Analysten wiederum die Citigroup aus den USA gegenüber. Beim Vergleich auf Aktienebene zeigt sich, dass der Abschlag größtenteils verschwindet: Europäische Werte bleiben mit Blick auf die KGVs aktuell zwar günstiger. Aber der Rabatt liegt bei derzeit nur fünf Prozent.

 

Keine „Äpfel mit Birnen vergleichen“

Genau wie das KGV überzeugen auch die Dividenden auf den ersten Blick: Mit 3,4 Prozent gegenüber 1,5 Prozent fallen die Dividendenrenditen bei europäischen Aktien aktuell mehr als doppelt so hoch aus, verglichen mit nordamerikanischen. 

Den europäischen und den amerikanischen Markt gleichzusetzen, wäre aber wie „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“, sagt Bonzano. In den vergangenen fünf Jahren fielen europäische Dividenden je Aktie um bis zu 36 Prozent, in den USA waren es bis zu 13 Prozent. Der günstigere Preis europäischer Aktien könnte also mit einem größeren Ausfallrisiko bei den Dividenden bezahlt werden.

Der Kapitalmarktanalyst Sebastian Dörr betont den ebenfalls höheren Anteil nordamerikanischer Titel im S&P Global Dividend Aristocrats (ISIN: IE00B9CQXS71). Doch dies sei keine neue Entwicklung. Bereits seit 2019 würden nordamerikanische Aktien den Anteil europäischer Titel im Global-Dividend übertreffen. 

Fondsmanager Richard Halle sieht europäische Aktien ebenfalls als historisch unterbewertet. Haller erwartet jedoch einen Aufschwung europäischer Titel im Zuge steigender Verteidigungsausgaben der Europäischen Union.

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