Wie gehen Sie beim Management Ihres Pensions- und Zeitwertfonds vor? Welche Ziele verfolgen Sie in diesem Bereich?
Boche: Hier geht es traditioneller zu, mit klassischen Buy-and-Hold-Strategien und einer breiten Portfolio-Diversifikation. Wir setzen auch auf Aktien inklusive Small und Mid Caps. Interessant ist hier die Frage des aktiven versus passiven Managements. Wir haben festgestellt, dass wir in der Mehrheit der aktiven Mandate ein positives Alpha generieren Daher machen wir die Bewegung hin zu reiner Indexorientierung nicht mit. Wenn aktive Manager allerdings kein Alpha mehr produzieren würden, würden wir das natürlich ändern.
Im Pensionsbereich stehen langfristige Ziele und eine breite Diversifikation im Vordergrund. Spielt da für Sie das Risikobudget auch eine Rolle?
Boche: Ja, auch hier haben wir ein Risikobudget, da es eine gewisse Orientierung an der Jahresperiode gibt. Etwa müssen Mittel aus dem Zeitwertfonds Mitarbeitern bei Bedarf zur Verfügung stehen können. Eine ausschließlich langfristige Betrachtung greift da zu kurz.
Wie ist das Verhältnis der liquiden zu illiquiden Asset-Klassen im Pensionsfonds?
Boche: Der Anteil illiquider Anlagen liegt bei weniger als 20 Prozent. Das Vermögen der Yale-Stiftung, die einen großen Teil ihrer Mittel in Immobilien und Private Equity investiert, ist das Gegenmodell. Für dieses braucht man aber eine Expertise, die wir schlicht nicht haben. Das Yale-Modell ist weniger replizierbar, als die meisten glauben.
Auch wenn die Zinsen aktuell gestiegen sind, befinden sie sich auf einem niedrigen Niveau. Wie stehen Sie zu Aktien?
Boche: Wir haben an den Aktienmärkten bereits hohe Bewertungen erreicht. Die Phase der aggressiven Geldpolitik dürfte vorbei sein. Ich kann mir schon vorstellen, dass dieser Übergang zu Verwerfungen führen wird. Der zweite große Regime-Wechsel, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen, betrifft die Handelspolitik. Wir könnten in eine Phase der Deglobalisierung kommen. Das wird Konsequenzen haben für multinationale Unternehmen. Anpassungen an den Märkten sind aber normal und keine Katastrophe. Man sollte nur darauf vorbereitet sein und auch über andere Arten des Investierens nachdenken. Momentan ist nicht die Zeit für große Risikopositionen, es ist eher eine Zeit, in der man abwartet und akzeptieren muss, dass die Erträge eine Weile nicht mehr ganz so hoch sein werden.
Das Interview führten Ralf Lochmüller und Dejan Saravanja von Lupus Alpha. Der Asset Manager stellte dem private banking magazin das Gespräch freundlicherweise zur Verfügung.
Über den Interviewten:
Dr. Jörg Boche ist Generalbevollmächtigter des Volkswagen-Konzerns und leitet seit 2008 das Treasury des Autobauers. Zuständig ist er für die liquiden Mittel der Volkswagen-Gruppe (knapp 14 Milliarden Euro) und den Pensions- sowie den Zeitwertfonds (rund 7 Milliarden Euro). Begonnen hat Boche seine Karriere 1993 bei Goldman Sachs, darauf folgten Stationen bei der Commerzbank und Dresdner Bank. Vor seinem Wechsel zu VW war er für vier Jahre Leiter des Portfoliomanagement der R+V Versicherung.
