Jörg Boche, Leiter Treasury bei Volkswagen „Ein guter Asset Manager zeichnet sich durch Innovationsfähigkeit aus“

Jörg Boche, Leiter Treasury des Volkswagen-Konzerns | © Markus Kirchgessner

Jörg Boche, Leiter Treasury des Volkswagen-Konzerns Foto: Markus Kirchgessner

Herr Boche, als Leiter des Konzern-Treasury von Volkswagen verantworten sie mehrere Bereiche. Können Sie diese näher erläutern?

Jörg Boche: Auf der einen Seite verwalten wir im Group Treasury die liquiden Mittel des VW-Konzerns, auf der anderen den Pensions- und Zeitwertfonds für die Mitarbeiter. Dabei gibt es einen wesentlichen Unter- schied: Der Treasury-Bereich ist letztlich Ersatz für kurzfristige Bankanlagen, während im Pensions- und Zeitwert-Bereich langfristig angelegt wird. Mit Blick auf den permanenten Verfall der Renditen am Geldmarkt bis hin zu Negativzinsen und aufgrund von Counterpart-Risiken haben wir den Anteil der Gelder, die wir am Kapitalmarkt in Spezialfonds anlegen, in den vergangenen Jahren deutlich auf über 50 Prozent erhöht.

Ihre liquiden Mittel legen Sie ausschließlich über Fonds an. Warum?

Boche: Vor meiner Zeit wurde direkt investiert, ich habe mich aber dagegen entschieden. Da ich selbst einen Hintergrund im Asset Management habe, weiß ich, welcher Personalaufwand dafür erforderlich ist. Für Direktanlagen brauchen Sie eine sehr umfangreiche Abteilung mit Mitarbeitern, die die Wertpapiere analysieren und das Management betreiben.Das sehe ich für uns als Industrie-Treasury nicht als Kernkompetenz. Daher konzentrieren wir uns auf das Managen der Manager und nicht das Managen der Assets. Dieses Outsourcing machen die großen US-Unternehmen, die viel Liquidität haben, übrigens auch so.

Wie sind Ihre Performance-Erwartungen und Ihr Risikobudget im Treasury-Bereich?  

Boche: Corporate Cash muss permanent und vollständig verfügbar sein, da das Unternehmen in eine Notlage kommen kann oder Investitionen anstehen. Daraus ergeben sich bestimmte Zielsetzungen. Das Risikobudget ist relativ eng, bei uns liegt es bei 5 Prozent. Bei den Renditeerwartungen zielen wir auf den Euribor plus 200 Basispunkte ab. Außerdem akzeptieren wir höchstens eine Volatilität von 150 Basispunkten.

Würden Sie im Rahmen des Niedrigzinsumfeldes eine Anpassung des maximalen Verlustes von 5 Prozent in Betracht ziehen?

Boche: Wir sind ganz vernünftig durch die vergangenen Jahre gekommen und haben positive Renditen erzielt. Insofern sehe ich keinen Anpassungsbedarf. Außerdem darf man nie vergessen: Es handelt sich um Cash-Substitute.

Haben Sie auch über den letzten Anlagezyklus hinweg Ihre Renditeziele erreichen können?

Boche: Im Schnitt haben wir das, allerdings nicht in jedem Jahr. Über die vergangenen acht, neun Jahre sind wir ziemlich zufrieden mit der Performance. Uns ist aber bewusst, dass diese Zeit von der Erholung nach der Finanzkrise geprägt war. Es gab keine großen, globalen Krisen.