Jie Song von UBS Asset Management „Wir verlieben uns nicht in Unternehmen“

Der Schweizer Aktienexperte Jie Song bei seinem Vortrag auf dem 12. private banking kongress 2017 in München.  | © Christian Scholtysik/Patrick Hipp

Der Schweizer Aktienexperte Jie Song bei seinem Vortrag auf dem 12. private banking kongress 2017 in München. Foto: Christian Scholtysik/Patrick Hipp

private banking magazin: Sind Dividenden-Aktien, also Aktien von Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Dividendenausschüttung, per se ein Indikator für ein Qualitätsunternehmen?

Jie Song: Nein, so pauschal kann man das nicht sagen. Es gibt die so genannten Value-Traps. Unternehmen, die relativ zum Aktienkurs betrachtet eine recht hohe Dividende auszahlen. Nur mitunter ist der Kurs aus gutem Grund da, wo er ist und mitunter fällt er auch noch weiter. Da können Ausschüttungen mögliche weitere Kursverluste nicht kompensieren. Die Dividendenhöhe ist aber sicherlich einer von vielen Indikatoren, um aus dem weltweiten Universum börsennotierter Unternehmen attraktive Qualitätsunternehmen zu erkennen und zu filtern.

Nun überblicken Sie ein weltweites Universum auf der Suche nach Qualitätsaktien. Wie gehen Sie da vor?

Song: Wir haben einen quantitativen Selektionsprozess, gehen also regelbasiert vor. Aus gut 2.800 Unternehmen suchen wir die attraktivsten Qualitätsunternehmen heraus. Neben der Höhe und der Nachhaltigkeit der Dividendenzahlungen prüfen wir unter anderem die Bilanzen, bewerten die Profitabilität und schauen uns den Verschuldungsgrad an. Jedes Unternehmen bekommt einen Platz in der Rangliste gemäß den obengenannten Kriterien. Das geht von Top 1 bis Platz 2.800.

Im Portfolio werden die Unternehmen gleichgewichtet.

Song: Wir halten diesen quantitativen Ansatz für zielführend. Wir haben so eine alternative Diversifikation. Wir verlieben uns nicht in Unternehmen, wenn Sie es so sehen wollen. Wir gehen nüchtern in die Selektion und wollen auch keine zu konzentrierten Positionen im Portfolio.

Gleichwohl müssen Sie doch prüfen, ob nicht zu viele gleiche Geschäftsmodelle vertreten sind.

Song: Richtig. Wir wollen Klumpenrisiken vermeiden. Sowohl auf Branchen- als auch auf Länderebene. Damit diese nicht eintreten, haben wir Gewichtsgrenzen gezogen. Ebenfalls aktiv werden wir, wenn es allzu starke Veränderungen in der 2.800-Liste gibt. Bei starken Ausreißern nach oben und unten bekommen wir sofort ein Signal. Die Bewertung und Analyse findet täglich statt.

Die vergangenen Jahre waren von starken Kursgewinnen geprägt. Haben Sie da nicht das Nachsehen, wenn nicht allzu stark auf Qualität geschaut wird und die Kurse auch weniger solider Unternehmen steigen?

Song: Wir haben zunächst ein Versprechen gegenüber unseren Anlegern. Die wünschen sich ein defensiv aufgestelltes Portfolio mit Qualitätsunternehmen, die eine nachhaltige und überdurchschnittlich hohe Dividende auszahlen. Ferner sollen die Kurse weniger schwanken und in schwachen Börsenjahren weniger verlieren als der breite Markt. Dieses Versprechen zu halten, ist unsere Aufgabe. Natürlich gibt es Zyklen stark steigernder Kurse, da gehört die Defensiv-Abteilung nicht zu den größten Gewinnern. Aber aktuell sehen Sie ja die Nervosität. Da sind Qualitätsunternehmen solide Ankerinvestitionen.