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Matthias Ruddeck, Point Five Capital „Jetzt ist die Zeit für Value-Aktien”

Matthias Ruddeck

Matthias Ruddeck: SQUAD Point Five Capital Foto: Discover Capital GmbH

Herr Ruddeck, wie kamen Sie 2018 in den Boomzeiten des Growth-Investments darauf, einen Value-Fonds aufzulegen?
Matthias Ruddeck:
Tatsächlich war Value damals extrem unpopulär. Value-Strategien hatten sich schon seit knapp zehn Jahren schlechter entwickelt als Wachstumswerte. Aber wir sind vom Value-Konzept überzeugt. Diverse Studien zeigen, dass Value-Investments langfristig outperformen. Es gibt immer mal wieder Phasen, in denen es nicht so gut läuft. Dann wendet sich aber das Blatt wieder. Wir dachten, nach zehn Jahren Underperformance wäre ein guter Startzeitpunkt. Drei Jahre später beschleunigt sich die Rotation zu Value zunehmend.

Wie läuft der Fonds seit Auflage?
Ruddeck:
Der Fonds befindet sich im Drei-Jahres-Performance-Vergleich der Morningstar-Gruppe Aktien Nebenwerte Global im Spitzenbereich. In diesem Jahr hat der Fonds bis Ende August trotz der starken Turbulenzen ein relativ stabiles Ergebnis nahe null erzielt. Der MSCI World zum Vergleich liegt rund 19 % im Minus.

Welche Aktien kommen ins Portfolio?
Ruddeck:
Wir kaufen Aktien, die extrem günstig sind. Point Five im Fondsnamen steht für 0,5 und ist eine Anspielung auf das Value-Motto „Kaufe einen Dollar für 50 Cent“. Ganz so günstig können wir zwar selten zugreifen, aber manche Aktien bekommt man sogar unter dem Liquidationswert. Ein günstiger Preis allein reicht allerdings nicht. Wir müssen ebenfalls ein positives Momentum erkennen, daher suchen wir nach stark unterbewerteten Unternehmen, bei denen aus bestimmten Gründen eine positive Entwicklung zu erwarten ist. Wenn die ersten Anzeichen für eine Verbesserung der Lage zu erkennen sind und die Aktie ihren Boden gefunden hat, greifen wir gerne zu. Das ist unser Sweet Spot für den Kauf.

Warum setzen Sie auf Nebenwerte?
Ruddeck:
Grundsätzlich würden wir alle Unternehmen kaufen, die unsere Value- und Momentum-Kriterien erfüllen. Die meisten dieser Unternehmen finden wir jedoch im Nebenwertebereich. Im Nebenwertebereich tummeln sich weniger Investoren, daher kommt es hier häufiger zu Unterbewertungen. Aber es gibt ab und an auch interessante Large Caps. Zum Beispiel haben wir in Hongkong Aktien eines größeren Unternehmens gekauft, das mit einem Abschlag von 50 Prozent auf den Net Asset Value und einer Dividendenrendite von 6,5 Prozent handelte.

In Hongkong ist der Fonds derzeit mit rund 13% investiert. Warum?
Ruddeck:
Hongkong ist bereits seit vier Jahren im Bärenmarkt und viele Titel sind sehr günstig. Der Fonds kann weltweit investieren, er ist aber auf bestimmte Regionen fokussiert, die uns besonders vertraut sind. Dazu zählen neben Hongkong, Kanada, die USA und Australien. Und natürlich die europäischen Märkte, um die sich für den Fonds Stephan Hornung und Christian Struck von Discover Capital kümmern. Beide sind ausgewiesene Experten und wurden für ihr Knowhow bereits mehrfach ausgezeichnet.

Gibt es sektorale Schwerpunkte?
Ruddeck:
Die regionale wie auch sektorale Allokation ergibt sich aus unserer Bottom-up-Titelauswahl. Derzeit sind Finanz- und Energiewerte relativ hoch gewichtet. Insgesamt achten wir jedoch darauf, dass wir bei Sektoren und Regionen eine ausgewogene Mischung haben. 2020 hätten wir beispielsweise aus Bewertungsgesichtspunkten Öl- und Gaswerte noch viel stärker gewichten können, haben den Anteil aber aus Diversifikationsgründen in der Spitze auf rund 18 Prozent begrenzt.

Ins Auge fällt sofort die hohe Cash-Quote des Fonds von 37 Prozent. Wie kommt die zustande?
Ruddeck:
Wenn wir keine Titel finden, die unseren Ansprüchen genügen, investieren wir nicht. Seit rund einem Jahr nehmen wir vor allem Gewinne mit. Damals waren die meisten Titel uns eher zu teuer, heute sind sie günstig, aber uns fehlt das positive Momentum. Unsere Watchlist wird immer länger, aber wir wollen nicht ins fallende Messer greifen und warten lieber noch ab. Auch wenn wir so nicht immer voll investiert sind, halten wir diesen Weg für am erfolgversprechendsten, da in schwierigen Zeiten die Risiken im Portfolio so besser gesteuert werden können.

Sie haben sich bewusst entschieden, den Fonds nicht entsprechend Artikel 8 der EU-SFDR-Offenlegungsverordnung zu managen, sondern als Artikel-6-Fonds. Warum?
Ruddeck:  
Wir glauben, dass wir nur so unsere Value-Strategie konsequent umsetzen können. Aufgrund dieser Investmentphilosophie gilt der SQUAD Point Five nach Artikel 6 als „normaler“ Fonds, der Nachhaltigkeitskriterien nicht oder nur in geringem Umfang berücksichtigt. Das hat mehrere Gründe. Erstens gibt es meist keine ESG-Daten zu den Firmen, in die wir investiert sind, zweitens sind ESG-Ratings im globalen Umfeld oft inkonsistent und schwer vergleichbar. Drittens bildet man ein suboptimales Portfolio mit einem ESG-Ansatz, bei dem man bestimmte Dinge ausschließt. Verzichtet man zum Beispiel auf Energiewerte, verzichtet man aktuell auf Rendite. Das ist für mich nicht zielführend.

Sollten Anleger jetzt Value-Aktien den Wachstumswerten vorziehen?
Ruddeck:
Ja, jetzt ist die Zeit für Value-Aktien. Wir sind aus dem jahrzehntelangen deflationären Trend ausgebrochen und haben wohl erstmals seit den 1970er-Jahren wieder ein stärkeres inflationäres Umfeld. Auch damals funktionierte Value besser als Wachstum. Value-Aktien haben tendenziell mehr harte Vermögenswerte wie Produktionsanlagen oder Immobilien, die mit der Inflation an Wert gewinnen. Zudem sind sie weniger zinssensitiv und leiden deutlich weniger unter steigenden Zinsen als Wachstumswerte.