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Jens Ehrhardt im Interview „Erfahrung zahlt sich aus – gerade jetzt“

Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG.

Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG. Bildquelle: DJE Kapital AG

Jens Ehrhardt ist ein Doyen der deutschen Vermögensverwalterbranche: Seit über fünf Jahrzehnten analysiert er die Märkte, steuert Vermögen, vermehrt und schützt Anlegerkapital. Der FMM-Fonds, für den DJE Kapital besonders bekannt ist, wurde im August 1987 aufgelegt, in einer Phase erheblicher Turbulenzen an den Kapitalmärkten – wenige Monate vor dem „Black Monday“ im Oktober 1987. Heute zählt der Mischfonds im Volumen von 955 Millionen Euro (Stand: 31.03.2026) zu den dienstältesten aktiv verwalteten Fonds Deutschlands. Wir haben Ehrhardt zu seiner Investment-Strategie und seinen aktuellen Einschätzungen befragt.

Herr Dr. Ehrhardt, der FMM-Fonds wurde 1987 aufgelegt, in der Endphase des Kalten Kriegs. Was hat sich seitdem grundlegend verändert – und was ist geblieben?

Jens Ehrhardt: Geblieben ist der Anspruch, das Vermögen der Anleger zu schützen. Ich hatte nie den Ehrgeiz, in Haussephasen immer vorn dabei zu sein. Bei einem vermögensverwaltenden Fonds zählt am Ende, ob man das Kapital der Anleger durch schwierige Phasen hindurch bewahrt hat. Krisen gab es viele: Der Schwarze Montag im Oktober 1987 war der erste Börsenkrach nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir erlebten den Dotcom-Crash in den Jahren 2000 bis 2002, die Finanzkrise 2008, die Corona-Pandemie 2020 und die anschließende Inflationsphase. Jetzt sind zum Ukraine-Krieg und der Politik der Trump-Administration die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten dazugekommen.

In jeder dieser Phasen hat der FMM-Fonds deutlich weniger verloren als der breite Markt. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer disziplinierten Methode.

Etwas hat sich allerdings grundlegend verändert: die Schnelligkeit der Märkte. Informationen verbreiten sich in Sekunden, der Handel über Algorithmen verstärkt Bewegungen. Das macht die markttechnische Analyse wichtiger denn je – und gleichzeitig anspruchsvoller.

2026 hat sich nach einem schwungvollen Start zu einem herausfordernden Jahr gewandelt. Wie schlägt sich der FMM-Fonds bisher?

Ehrhardt: Sehr erfreulich, und das trotz des unruhigen Umfelds. Nach dem starken Jahresauftakt hat der FMM-Fonds auch inmitten der globalen Unsicherheiten Stabilität gezeigt. Wir stehen bei plus 6,22 Prozent im laufenden Jahr und bei plus 27,29 Prozent auf Sicht von einem Jahr (Stand: 10.04.2026) – das ist in einem Marktumfeld, in dem viele Indizes nach den US-Zollschocks zwischenzeitlich deutlich im Minus waren, ein bemerkenswertes Ergebnis.

Wie hat Ihr Team diese Zahlen erreicht?

Ehrhardt: Der Schlüssel war die rechtzeitige Reduzierung der Aktienquote. Wenn alle optimistisch sind, werde ich vorsichtig. Wenn der Pessimismus überwiegt, suche ich Chancen.

Sie haben die Aktienquote zuletzt auf 60 Prozent gesenkt. Was hat Sie dazu bewogen?

Ehrhardt: Eine Kombination aus allen drei Dimensionen unserer Analyse. Fundamental betrachtet ist vor allem der US-Markt hoch bewertet. Zugleich lasten die fiskalischen Unsicherheiten rund um die US-Zollpolitik auf den Wachstumsaussichten. Und markttechnisch war der Optimismus zwischenzeitlich so ausgeprägt, dass eine Korrektur geradezu überfällig war. In solchen Momenten ist Vorsicht keine Schwäche – sie ist professionelles antizyklisches Handeln.

Eine auf 60 Prozent zurückgefahrene Aktienquote bedeutet: Wir sind investiert, aber nicht vollständig exponiert. Die verbleibende Liquidität gibt uns ausreichend Flexibilität, zu agieren, wenn die Gelegenheit sich bietet.

Die FMM-Methode ist das Herzstück Ihrer Analysemethode. Drei Buchstaben, drei Dimensionen, die zusammenwirken. Was bringt das FMM-Modell – gerade in einem Jahr wie 2026?

Ehrhardt: FMM steht für fundamental, monetär, markttechnisch. Fundamental analysiere ich, wie es Volkswirtschaften konjunkturell langfristig geht: In welcher Lage ist der Gesamtmarkt, wie sieht es mit der Verschuldung aus? Welche Sektoren profitieren strukturell? Aus geldpolitischer Sicht frage ich, wie viel Kapital mittel- bis kurzfristig in die Märkte fließen kann. Also: Sinken die Zinsen? Wächst die Geldmenge? Ist ausreichend Liquidität vorhanden? Das bedingt mittelfristig die Investitionsbereitschaft. Und markttechnisch messe ich, was die Anleger gerade fühlen und tun: Sind sie aktuell übermäßig optimistisch oder eher in Schockstarre? Das kann wertvolle antizyklische Kauf- oder Verkaufssignale liefern.

Im laufenden Jahr zeigt unser Modell ein gemischtes Bild. Fundamental bevorzuge ich Europa gegenüber den USA: Die Bewertungen sind nüchterner, und fiskalische Impulse – vor allem in Deutschland – sprechen für Unternehmen mit hohem Binnenmarktanteil. Der Kurs der EZB mit möglichen weiteren Zinssenkungen wirkt grundsätzlich unterstützend für europäische Aktien. Markttechnisch hingegen haben wir nach dem starken Jahresbeginn Warnsignale gesehen – der Pessimismus, der zwischenzeitlich herrschte, war aus meiner Sicht ein Kaufsignal, das wir genutzt haben.

Wie würden Sie die Stärke der FMM-Methode beschreiben?

Ehrhardt: Sie liegt darin, dass sie nie auf eine einzige These setzt. Sie verknüpft drei Perspektiven – und erst wenn alle drei ein kohärentes Bild ergeben, handeln wir mit Überzeugung.

Das unterscheidet uns von rein quantitativen Modellen: Wir kombinieren harte Daten mit dem Verständnis für menschliches Verhalten. Denn Märkte werden am Ende von Menschen gemacht – und Menschen handeln nicht immer rational.

Welche Branchen favorisieren Sie aktuell, welche meiden Sie?

Ehrhardt: Wir setzen als große Fondspositionen derzeit auf Energie (Equinor und Petrobras), Telekommunikation (Deutsche Telekom und Verizon) und Versorger (EON und RWE). Das sind Bereiche, die eine gewisse Unabhängigkeit vom Konjunkturzyklus mitbringen und dabei attraktive Bewertungen bieten. Energiewerte profitieren von geopolitischen Unsicherheiten und strukturell hoher Nachfrage. Telekom-Unternehmen sind im Zuge des KI- und Glasfaserausbaus neu bewertet worden, ohne übertrieben teuer geworden zu sein. Und Versorger bieten in einem Umfeld sinkender Zinsen stabile Ausschüttungen.

Gegenüber Finanzwerten und dem privaten Konsum sind wir vorsichtig. Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister reagieren besonders sensibel auf Veränderungen im Marktsystem – und dieses wirkt derzeit fragil. Beim privaten Konsum bereitet mir die reale Kaufkraftentwicklung Sorgen – die Inflation setzt den Verbrauchern zu, die Konsumzurückhaltung dürfte daher anhalten.

Techaktien haben wir nach tiefer Allokierung seit Oktober wieder aufgestockt, zum Beispiel Broadcom.

Sie haben Europa gegenüber den USA oft bevorzugt. Bleibt das so?

Ehrhardt: Ja, aus gutem Grund. Aktuell liegt der Deutschlandaktienanteil im FMM-Fonds bei 22 Prozent. Die US-Märkte, wo der Fonds mit 19 Prozent investiert ist, sind fundamental nach wie vor hoch bewertet. Dazu kommt die politische Unsicherheit rund um Trumps Handelspolitik. Die Zölle setzen zwar auch europäischen Exporteuren zu, aber europäische Unternehmen mit hohem Binnenmarktanteil sind deutlich weniger exponiert.

Hinzu kommt: Durch den schwachen US-Dollar besteht ein erhebliches Währungsrisiko, das trotz einer Absicherung von rund zwei Dritteln der Positionen nicht vollständig eliminiert ist. Das Währungsrisiko wollen wir bewusst begrenzen.

Was würden Sie Anlegern mit auf den Weg geben, die angesichts der Marktlage verunsichert sind?

Ehrhardt: Bleiben Sie investiert – aber mit Verstand. Kurzfristige Schwankungen gehören dazu. Wer in Panik verkauft, wenn die Märkte fallen, realisiert Verluste und verpasst oft die dynamischste Phase der Erholung. Was langfristig zählt, ist eine durchdachte Strategie, ein konsequentes Risikomanagement und die Disziplin, sich nicht von kurzfristigen Emotionen leiten zu lassen.

Wir haben mit dem FMM-Fonds seit 1987 in den meisten schwierigen Marktphasen eine hohe Widerstandsfähigkeit bewiesen – und das durch Börsencrashs, Finanzkrisen, eine Pandemie und geopolitische Verwerfungen hindurch. Das ist keine Garantie für die Zukunft, aber es ist ein Fundament, auf das wir setzen.

Gerade mit Blick auf die Anleger ist mir ein Aspekt besonders wichtig: Vertrauen entsteht nicht in guten Zeiten. Es entsteht dadurch, dass man in schlechten Zeiten zuverlässig für die Anleger da ist.

 Erfahren Sie hier mehr zum FMM-Fonds. 

Zur Person

Dr. Jens Ehrhardt ist Gründer und Vorstandsvorsitzender des unabhängigen Vermögensverwalters DJE Kapital AG, den er 1974 ins Leben rief. Der promovierte Kapitalmarktexperte zählt zu den bekanntesten und prägendsten Persönlichkeiten der deutschen Fonds- und Vermögensverwalterbranche. Er hat mit dem FMM-Ansatz einen bis heute angewandten Investmentstil etabliert, der Fundamentalanalyse, Geldmarkt- bzw. Liquiditätsbetrachtung und Markttechnik kombiniert. Unter seiner Leitung entwickelte sich DJE Kapital zu einem der renommiertesten unabhängigen Asset Manager im deutschsprachigen Raum mit Fokus auf aktive, vermögensverwaltende Strategien.

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