SAA-Serie, Teil 2 Jede strategische Vermögensallokation ist anders

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Zu beobachten ist, dass Banken und Vermögensverwalter vermehrt alternative Anlagen anstelle von Anleihen empfehlen. Als attraktive Ergänzungen werden Gold, Hedgefonds, Insurance Linked Securities (ILS) und Private Debt genannt. Dem Anleger sollte bewusst sein, dass jede Investmentkategorie ein anderes Rendite-Risiko-Profil aufweist und dementsprechend im Portfoliokontext zu beurteilen ist. Transparenz und Kosten sind weitere Faktoren, die immer im Blick behalten werden sollten.

Der Markt im Anleihen-Bereich ist für Anleger zunehmend unattraktiv geworden. Vielen Segmente entschädigen die Anleger nicht für deren eingegangene Risiken mit einer adäquaten Rendite. Vorsicht ist aber beim Umschichten in alternative Anlageklassen geboten, insbesondere bei Anlagelösungen, die wenig Transparenz bieten.

Eine gesamtheitliche Betrachtung ist also zwingend notwendig, um die Ertragsziele zu erreichen. Neben der passenden Strategie ist die Taktik bis hin zur Einzeltitelselektion Teil des Erfolgs. Den größten Einfluss auf das Ertragsergebnis hat die langfristige Vermögensallokation mit einem Anlagehorizont von meist acht bis zehn Jahren. Dies haben diverse Studien zum Thema Portfoliomanagement bewiesen.

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Inhouse oder Outsourcing?

Wenn die Rolle der Familie und die SAA ausreichend definiert sind, sollte geklärt werden, welche Bereiche ausgelagert werden und welche Themen vom Family Office oder von der Familie selbst übernommen werden. Häufig spielt die Erfahrung beziehungsweise der Background der Familie bei der Auswahl der Anlageklassen eine wichtige Rolle. So investieren die Familien meistens in die ihnen bekannten Themen.

Die Themen Kapitalmarkt-Research, Manager-Auswahl, Portfoliomanagement, Controlling und Reporting müssen als nächstes klar besprochen und festgelegt werden. Auch die Definition, wie der Prozess der Auswahl an externen Beratern wie Steuerberater und Rechtsanwälte aussehen soll, ist ein wichtiger Punkt. Des Weiteren muss der Grad an Digitalisierung besprochen werden. Wo liegen welche Daten, und welche Prozesse werden wie automatisiert?

Um bei den anfangs genannten Beispielen zu bleiben, käme für den Pharma-Unternehmer eine eher konservative Anlagestrategie in Frage, da es sich um sein Gesamtvermögen handelt, welches er gerade erst realisiert hat. Bei dem Teil des Vermögens, welches chancenorientiert angelegt werden soll, ist es sicherlich sinnvoll, in seinem Kompetenzbereich zu bleiben und diesen Teil in Private Equity/ Pharma zu investieren.

Die Familie, die bereits in dritter Generation in deutsche Einzelhandelsimmobilien investiert, kann den liquiden Teil des Vermögens auch etwas risikoreicher und damit chancenorientierter anlegen. Wenn man in die Anlageklasse Immobilie weiter investieren wollte, sollte man vielleicht international ausgerichtete Portfolios in liquiden Strukturen wie Fonds oder Reits in Betracht ziehen.

Wenn die strategische Vermögensallokation klar definiert ist, die Vermögensverwalter mit der Allokation beauftragt sind und die Strategie umgesetzt wird, spielen das Monitoring/Controlling und Reporting eine entscheidende Rolle. Durch das Controlling kann gemessen werden, wie erfolgreich die SAA umgesetzt ist.

Neben der Prüfung auf Marktkonformität, wo die Kontrolle der abgerechneten Kurse, Margen sowie Kosten und Abrechnungen zentrale Elemente bilden, ist auch die Prüfung auf Auftragskonformität ein wichtiger Baustein. Also auch, ob die beauftragten Asset Manager konsequent die vereinbarten Anlagerichtlinien umsetzen. Außerdem werden hier Themen wie Klumpen-, Länder- oder Währungsrisiken adressiert.

Durch ein professionelles Controlling/ Reporting ist es möglich zu erkennen, ob es Abweichungen von dem definierten Rendite-Risiko-Profil und den dazugehörigen Zielen gibt. Ist die SAA nicht gut umgesetzt, geht die Chance verloren, attraktive Gewinne zu realisieren. Wenn ein Family Office gemeinsam mit der Familie eine Strategie ausgewählt hat, ist es sicherlich ratsam, dass ein weiterer unabhängiger Partner die Umsetzung und Überwachung überprüft. Eine Trennung der Funktionen von Festlegung der strategischen Vermögensallokation, der Umsetzung und der Überwachung sollte sichergestellt sein. So kann die Familie bei Bedarf frühzeitig gegensteuern und mögliche Schäden abwenden.

SAA-Serie, Teil 1: Unternehmerfamilien und die SAA
SAA-Serie, Teil 3: Eine strategische Vermögensallokation in der Praxis


Über die Autorin:

Melanie Kühlborn-Ebach ist Geschäftsführerin der LMM Investment Controlling in Deutschland. Beim Liechtensteiner Dienstleister für Planung, Organisation und Überwachung von institutionellen und privaten Vermögen ist sie seit 2017 tätig. Zuvor war Kühlborn-Ebach im institutionellen Geschäft der damaligen Fondsgesellschaft Henderson Global Investors tätig.