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Mehrjährige CapEx-Programme Künstliche Intelligenz im Fixed-Income-Umfeld: Implikationen für Anleiheinvestoren

KI-Rechenzentrum

KI-Rechenzentrum: Der Ausbau der KI Infrastruktur geht mit umfangreichen Investitionsausgaben einher. Bildquelle: Janus Henderson Investors

Die steigenden Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) wirken sich zunehmend auf die Fixed‑Income‑Märkte aus. Ein wesentlicher Treiber ist das wachsende Emissionsvolumen großer Technologie‑ und infrastrukturintensiver Unternehmen. Für Anleger ergeben sich daraus unterschiedliche Implikationen, insbesondere im Hinblick auf Angebotsdynamiken, die Bilanzdisziplin der Emittenten sowie den Zeitpunkt des Markteintritts.

Eine fundierte Analyse der Fixed‑Income‑Märkte im Kontext von KI erfordert einen differenzierten Blick über kurzfristige Marktentwicklungen hinaus. Zentrale Fragestellungen sind dabei: Wie finanzieren Emittenten ihre KI‑bezogenen Investitionsausgaben (CapEx)? In welchem Umfang spiegeln Spreads die zugrunde liegenden Risiken wider? Und wie unterscheiden sich Investment‑Grade‑Unternehmensanleihen von KI‑bezogenen Emissionen im High‑Yield‑ und Verbriefungssegment?

Investment‑Grade‑Unternehmensanleihen: Steigendes Angebot, zunehmende Unterschiede zwischen Einzeltiteln

Angebotsdynamik und Hyperscaler‑Emissionen

Der Ausbau der KI‑Infrastruktur – darunter Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und Netzwerke – geht insbesondere bei Hyperscalern mit umfangreichen, mehrjährigen CapEx‑Programmen einher. Das daraus resultierende KI‑bezogene Emissionsvolumen beläuft sich auf mehrere Hundert Milliarden US‑Dollar pro Jahr und konzentriert sich bislang überwiegend auf den Investment‑Grade‑Bereich. Dadurch sind selbst qualitativ hochwertige Emittenten kurzfristig erhöhten technischen Belastungen durch das gestiegene Angebot ausgesetzt.

CapEx‑Zyklen, Kreditqualität und Differenzierung

Der Anstieg der Emissionstätigkeit hat sich bislang nicht einheitlich auf die Kreditspreads ausgewirkt. Vielmehr ist eine stärkere Differenzierung auf Einzeltitelebene zu beobachten. Unterschiede ergeben sich unter anderem in Bezug auf Bilanzstruktur, Geschäftsmodell und den Umgang mit Gläubigerinteressen. Aus unserer Sicht unterstreicht diese Entwicklung die Bedeutung einer selektiven, fundamentalen Analyse.

Warum aktuelle IG‑Spreads wenig Spielraum lassen

Wie die Grafik zeigt, blieben die Spreads von Hyperscalern im Vergleich zu Industrieunternehmen über weite Teile des Jahres 2025 hinweg eng. Gegen Ende des Jahres begannen sich die Spreads im Zuge ambitionierter CapEx‑Pläne auszuweiten. Diese Entwicklung könnte jedoch noch nicht alle zugrunde liegenden technischen und fundamentalen Risiken vollständig widerspiegeln.

Grafik 1: Kreditspreads von Hyperscalern vs. IG‑Industrieunternehmen (Februar 2025 – Februar 2026)

Quelle: Bloomberg, Janus Henderson Investors, Stand: 23. Februar 2026.

Historische Analysen zeigen, dass umfangreiche, überwiegend fremdfinanzierte CapEx‑Zyklen in der Vergangenheit häufig mit einer späteren Ausweitung der Spreads einhergingen. Trotz der jüngsten Bewegungen bewerten wir das Hyperscaler‑Segment weiterhin als historisch anspruchsvoll, da die aktuellen Spreads nur begrenzten Spielraum für Abweichungen von den Erwartungen lassen.

High‑Yield‑Anleihen: KI‑Infrastruktur als neues Opportunity Set

Energieerzeuger und Rechenzentren als frühe Profiteure

Der Ausbau der KI‑Infrastruktur erweitert das investierbare Universum im High‑Yield‑Segment, dessen technische Rahmenbedingungen sich derzeit robuster darstellen als im Investment‑Grade‑Bereich. Der Markt ist weniger durch Emissionen der IG‑bewerteten Hyperscaler geprägt, während sich Chancen in angrenzenden Sektoren ergeben (mehr dazu hier).

Zu den frühen Profiteuren zählen Energieerzeuger, insbesondere unabhängige Stromproduzenten (Independent Power Producers, IPPs). Der steigende Energiebedarf von KI‑Rechenzentren sowie langfristige Stromabnahmeverträge können ihre Ertragsprofile unterstützen. Schätzungen zufolge könnte der zusätzliche Strombedarf bis 2030 dem Verbrauch mehrerer Städte vergleichbar mit New York entsprechen.

HPC, Neo‑Clouds und neue Finanzierungsmodelle

Mit zunehmenden Engpässen in der Energieversorgung gewinnen auch KI‑bezogene Rechenzentren selbst an Bedeutung. Dazu zählen Unternehmen, die von Bitcoin‑Mining auf High‑Performance‑Computing (HPC) umstellen. Diese Geschäftsmodelle werden häufig durch strukturierte, mietbasierte Finanzierungsansätze unterstützt, bei denen der Schuldendienst priorisiert wird.

Das investierbare Universum wird zusätzlich durch KI‑native „Neo‑Cloud“-Anbieter sowie durch vorgelagerte Zulieferer in den Bereichen Speicher‑ und Netzwerktechnik erweitert.

Bewertungsunterschiede zwischen High Yield und Investment Grade

Aus Bewertungs‑ und Spread‑Perspektive erscheinen High‑Yield‑Anleihen im Vergleich zu Investment‑Grade‑Titeln differenzierter positioniert. So nutzte Terawulf Inc., ein BB‑bewertetes Unternehmen, den High‑Yield‑Markt zur Finanzierung der Umstellung auf HPC im Rahmen eines langfristigen Mietvertrags mit Google. Die bis 2030 laufenden Anleihen weisen aktuell einen Spread von rund 260 Basispunkten gegenüber US‑Staatsanleihen auf, während Google‑Anleihen vergleichbarer Laufzeit bei etwa 35 Basispunkten liegen.

Verbriefte Kredite (ABS & CMBS): Attraktive Bewertungen im Umfeld wachsender KI‑Rechenzentren

Rechenzentren als struktureller Treiber für ABS und CMBS

Im Zusammenhang mit dem Ausbau von Rechenzentren ergeben sich aus unserer Sicht auch im Bereich verbriefter Kredite – insbesondere bei Asset‑Backed‑Securities (ABS) und Commercial‑Mortgage‑Backed‑Securities (CMBS) – relevante Chancen. Diese Segmente sind jedoch auch mit erhöhten strukturellen und operationellen Risiken verbunden und erfordern eine sorgfältige Einzelfallanalyse.

Struktur, Standort und Mietqualität als zentrale Erfolgsfaktoren

Entscheidend sind die Struktur der Transaktionen, die eingesetzte Technologie, der Standort der Rechenzentren sowie die Qualität der Mieter. Die technischen Rahmenbedingungen im ABS‑ und CMBS‑Markt bewerten wir derzeit als günstiger als im Segment der Investment‑Grade‑Unternehmensanleihen. Das erwartete jährliche Neugeschäftsvolumen von rund 25 bis 30 Milliarden US‑Dollar erscheint für einen verbrieften Markt von rund 5 Billionen US‑Dollar (ohne Agency‑MBS) grundsätzlich verkraftbar.

Spreads im Vergleich: Verbriefte Kredite vs. andere Fixed‑Income‑Segmente

KI‑bezogene ABS‑ und CMBS‑Transaktionen mit BBB‑Rating bieten aktuell Spreads von über 300 Basispunkten gegenüber US‑Staatsanleihen, während vergleichbar geratete Prime‑Auto‑ABS typischerweise bei rund 125 Basispunkten liegen. Diese Unterschiede verdeutlichen die sektoralen Bewertungen innerhalb der Fixed‑Income‑Märkte.

Zusammenfassung: Aktives Management im KI‑getriebenen Fixed‑Income‑Umfeld

Die angebotsbedingten Belastungen im Segment der Investment‑Grade- Unternehmensanleihen – insbesondere bei Hyperscalern – sprechen aus unserer Sicht dafür, dass sich Spreads weiter anpassen müssten, bevor Bewertungen attraktiver erscheinen. Gleichzeitig eröffnen sich im High‑Yield‑ und im verbrieften Segment zunehmende KI‑bezogene Investitionsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Risikoprofilen.

Die sich wandelnde Fixed‑Income‑Landschaft ist mit einer höheren Komplexität und zusätzlichen Unsicherheiten verbunden. Ein aktiver, researchbasierter Ansatz, gestützt auf umfassende Expertise in Unternehmens‑ und Verbriefungsmärkten, erscheint daher aus unserer Sicht besonders wichtig.

Autoren:

John Kerschner, Global Head of Securitised Products bei Janus Henderson Investors

 

 

 

 

 

John Lloyd, Global Head of Multi-Sector Credit bei Janus Henderson Investors

 

 

 

 

 

Dakota Koenigsberg, Assistant Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors

 

 

 

 

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