Italiener stimmen mit „Nein“ Mögliche Auswirkungen auf die Märkte und Anlageklassen

Valentijn van Nieuwenhuijzen (links), Leiter des Multi-Asset-Teams und Chefstratege, Maarten-Jan Bakkum (rechts), Senior Emerging Markets-Stratege bei NN Investment Partners

Valentijn van Nieuwenhuijzen (links), Leiter des Multi-Asset-Teams und Chefstratege, Maarten-Jan Bakkum (rechts), Senior Emerging Markets-Stratege bei NN Investment Partners

Valentijn van Nieuwenhuijzen, Chefstratege, über Multi-Asset:

„Zunächst einmal die gute Nachricht: Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in Österreich ist ein Hoffnungsschimmer, zumal in den kommenden Monaten noch zahlreiche Wahlen in Europa anstehen. Es zeigt zumindest, dass populistische Bewegungen bei Wahlen – verglichen mit den Umfragen – nicht immer einen Vorsprung haben. Das Referendum in Italien dagegen überraschte in dieser Richtung; der Abstand zugunsten der Gegner der Verfassungsreform war bei einer hohen Wahlbeteiligung sehr viel größer als erwartet.

Bei dem Referendum ging es um eine Verfassungsänderung, die das Regierungssystem des Landes vereinfachen sollte. Es wurde aber weithin als Vertrauensvotum für Premierminister Renzi angesehen. Insofern kann es als weiterer Beleg für den zunehmenden Einfluss des Populismus angesehen werden.

Da Premierminister Renzi kurz nach der Bekanntgabe der Ergebnisse zurücktrat, ist das Risiko von vorgezogenen Neuwahlen (zweite Jahreshälfte 2017) gestiegen. Angesichts der derzeitigen Sitzverteilung im Parlament gehen wir jedoch in unserem Basisszenario nach wie vor davon aus, dass eine neue Regierung unter einem neuen Premierminister (wahrscheinlich Pier Carlo Padoan) im Parlament eine Vertrauensabstimmung gewinnen sollte.

Die neue Regierung wird vor allem den Haushalt für 2017 verabschieden und das Wahlgesetz („Italicum“) so ändern wollen, dass der Mehrheitsbonus verringert wird. Außerdem wird die neue Regierung – wahrscheinlich innerhalb weniger Wochen – eine Lösung für das Problem der notleidenden Kredite im Bankensystem finden müssen. Ansonsten könnten nach zunächst ein bis zwei Tagen mit stärkeren Kursschwankungen dauerhaftere Nachteile für die Märkte eintreten. In einem solchen, unwahrscheinlichen Fall könnten sich die ungünstigen Wechselwirkungen zwischen politischer Lähmung und geringer Wachstumsdynamik verstärken, was den Populisten noch mehr Zulauf verschaffen könnte.

In dem unwahrscheinlichen Fall, dass es zu vorgezogenen Neuwahlen kommt, besteht das Risiko einer MoVimento 5 Stelle-Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Der Senat würde dagegen entsprechend der derzeitigen rechtlichen Lage weiter arbeiten. Dies würde vor allem zu einer noch stärkeren politischen Lähmung führen, aber Italiens Mitgliedschaft im Euroraum wohl nicht ernsthaft gefährden.“

Maarten-Jan Bakkum, Senior Emerging Markets-Stratege, über Emerging Markets:

„Bisher haben sich die Märkte unbeeindruckt davon gezeigt, dass der Abstand zwischen den Befürwortern und Gegnern im Referendum größer als erwartet war. Das ungünstige Ergebnis war anscheinend eingepreist. Damit ist ein Risikoaversionsschock an den globalen Märkten aufgrund der Entwicklungen in Italien zumindest vorerst nicht sehr wahrscheinlich. In Italien bleiben die Risiken hoch, aber solange es nicht zu wesentlichen Kursbewegungen des Euro kommt, dürften die Schwellenländer durch die Probleme in Italien und im Euroraum nicht unter nennenswerten zusätzlichen Druck kommen. Europa ist für Asien der wichtigste Handelspartner, weshalb der Euro und die Wachstumsaussichten in Europa genau im Blick behalten werden müssen.

Derzeit sind die US-Renditen und die Entwicklung in China die wichtigsten Faktoren für die Schwellenländer: Wenn die US-Renditen ansteigen, gerät der Schwellenländer-Carry-Trade stärker unter Druck und diese Woche dürften die Devisenreserven niedriger ausfallen, was zu neuerlicher Sorge wegen möglicher Kapitalabflüsse aus China führen könnte. Zunehmende Belege für eine restriktivere Politik in China dürften noch mehr Zweifel daran aufkommen lassen, ob Chinas bisherige Wachstumsraten auch in der ersten Jahreshälfte 2017 andauern können.“