Ist Franklin D. Roosevelt die Blaupause? Die ersten 100 Tage „Trumponomics“

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Trump und die Kapitalmärkte

Erwartungsgemäß ließ die Begeisterung des Markts für die sogennanten Trumponomics noch vor der Amtsübernahme nach. Die Hoffnung auf finanzielle Anreize und einen reformbedingten Wachstumsimpuls ist nicht vollständig geschwunden, wurde jedoch aufgrund der offensichtlichen Hindernisse, mit der so gut wie jede neue Regierung konfrontiert ist, zumindest gemäßigt.

Unserer Auffassung nach werden die Entwicklungstendenzen, die sich im zweiten Halbjahr 2016 noch vor der US-Wahl abzuzeichnen begannen, wahrscheinlich schrittweise fortsetzen. Das US-amerikanische und das internationale Wachstum dürften weiter zulegen, da sich die Weltwirtschaft widerstandsfähig zeigt. Die Inflation hat in den USA, Japan und weiten Teilen Europas anscheinend die Talsohle erreicht. China wächst weiter konstant, auch wenn vorhandene Probleme weiterhin nicht konsequent angegangen werden. In Russland und Brasilien weicht die Rezession besseren Wachstumsaussichten.

Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten dürften also zu leicht steigenden Renditen globaler Anleihen und höheren Aktienbewertungen führen. Dies legt niedrigere Anleihe-Allokationen nahe, und Positionen mit geringeren Durationen, wohingegen Substanzwerte und zyklische Aktien defensive Papiere und Dividendenaktien outperformen könnten.

Wiederholbarer Erfolg?

Es sind verschiedene Schocks für die Märkte vorstellbar, der Fokus dürfte im Jahr 2017 aber wohl auf der Politik liegen. Überträgt sich der Populismus in den USA und in Großbritannien auch auf die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich oder Deutschland in diesem Jahr und ergreift damit Europa? Noch wichtiger: Führt dies zu einer Politik, die das Wachstum schwächt und Anleger verunsichert?

Im Jahr 1933 gaben die ersten 100 Tage Roosevelts die Linie für seine gesamte Präsidentschaft vor. Im weiteren Sinne bestand sein Ziel darin, mit den Möglichkeiten der Regierung die Angst vor der Angst zu bekämpfen.

Legen die ersten 100 Tage der Regierungszeit Trumps in vergleichbarer Weise die Grundlagen für ein stärkeres Wachstum durch Reformen, Investitionen und eine gemeinsame globale Zielsetzung? Oder wird die Politik Trumps vielmehr zur Errichtung von Barrieren für Handel und internationaler Spaltung führen?

Die ersten 100 Tage Roosevelts trugen dazu bei, dass die Große Depression das politische Gefüge nicht untergraben hat. Heute lautet die Frage, die sich die meisten Anleger stellen, genau umgekehrt. Vor dem Hintergrund des aufblühenden weltweiten Wachstums fragen sich viele, ob nicht die Politik des Populismus die Wirtschaft übertrumpfen wird.


Über den Autor:
Larry Hatheway ist seit September 2015 bei der Investmentgesellschaft GAM und seit Mai 2016 Mitglied der Konzernleitung. Zuvor war er Geschäftsführer und Chefökonom der UBS Investment Bank. Von 2000 bis 2012 bekleidete der 58-Jährige die Position globaler Leiter Makrostrategie der UBS und war von 2008 bis 2012 in gleicher Position für die Asset Allocation zuständig.