Goldanlage Ist der Goldpreis noch Gold wert?

Täuscht Goldbesitz über Geldsorgen hinweg?  | © gettyimages

Täuscht Goldbesitz über Geldsorgen hinweg? Foto: gettyimages

Die Sicherheit, dass der Marktpreis eines Gutes nicht unter dessen Produktionskosten fallen kann ist heute trügerisch. Der Marktkommentar des Goldhändlers Degussa wirft einen genaueren Blick auf die Zusammenhänge zwischen Förderkosten, Goldpreis und Geldpolitik.

Ein Unternehmer produziert, solange er am Markt einen Preis erzielt, der die Produktionskosten deckt und einen Gewinn abwirft. Kurzfristig kann er zwar auch überleben, wenn der Marktpreis nur seine laufenden Kosten deckt – doch langfristig wird er aus dem Wettbewerb ausscheiden, wenn seine Produktionskosten über dem Marktpreis liegen. Das sagt zumindest die Volkswirtschaftslehre.

Wie rentabel ist die Goldförderung?

In der Realität ist die Sache etwas komplizierter. Wer herausfinden will, wie tief der Goldpreis sinken kann, muss sich erstmal für eine Art von Produktionskosten entscheiden: Die unmittelbaren Produktionskosten („Cash-Costs“), die gesamten Betriebskosten („All-in-sustaining-costs“, kurz AISC) oder gar die gesamten Produktionskosten („All-in-costs“), die auch Posten einschließen, die nichts mit der Produktion selbst zu tun haben. Je nach Berechnungsmethode wird man natürlich zu einem anderen Ergebnis kommen – und ist letztendlich so schlau wie vorher.

Das World Gold Council (WGC) hat versucht dieses Grundsatzproblem zu lösen und eine vergleichbare Kalkulationsgrundlage für die Goldbranche zu schaffen. Das WGC schlägt die AISC sowie die All-in-costs als gemeinsame Grundlage für die Berechnung der Produktionskosten von Gold vor. Doch selbst die All-in-costs bilden nicht alle Kosten ab, die bei der Goldproduktion anfallen: Steuern, Finanzierungs- und Akquisitionskosten sind eben nicht „All-in“. Die Berechnung von Gold-Förderkosten bleibt also weiterhin Ansichtssache. Einzig der Blick auf den Markt, beziehungsweise die Reaktionen der Marktteilnehmer, bleibt also eindeutig.

Dem Markt ist es bekanntlich egal wie hoch die Produktionskosten eines Gutes sind. Der Preis eines Gutes auf dem Markt hängt allein vom Wert ab, den die Nachfrager einem Gut beimessen. Am Beispiel von Goldminen verdeutlicht sich das: Vielen Minenbetreibern geht aktuell das Geld aus, um ihre Fördertätigkeit fortzuführen. Der Goldpreis richtet sich also gar nicht mal so sehr nach den Kosten der Minenbetreiber.

Goldreserven und Geldpolitik

Interessant ist auch, wie sich diese Entwicklung auf das Eurosystem auswirkt. Aktuell hält die EZB etwa 346,7 Millionen Feinunzen Gold. Das entspricht zurzeit einem Marktwert von etwa 319,9 Milliarden Euro: 159 Milliarden Euro weniger als Ende September 2012. Betrachtet man dieses Gold als „Reserve des Eurosystems“, so stellt man fest, dass die Reservequote des Eurosystems aufgrund des Goldpreiseinbruchs von 17,5 Prozent auf etwa 15,4 Prozent zurückgegangen ist. Die Bilanzsumme des Eurosystems ist somit aktuell 7,6 Mal so groß wie der Marktwert der Goldreserven. In den USA sieht es noch schlechter aus: Der „Hebel“ des Dollar-Währungssystems liegt bereits beim 10,5-fachen der Goldreserven.

Die Geldmengenausweitung der US-amerikanischen Fed seit Ende 2008 beschleunigt diesen Effekt zusätzlich – und wird je nach Marktlage von Goldpreisveränderungen abgemildert beziehungsweise verstärkt: So stieg die Bilanzsumme der Fed zunächst vom Vierfachen auf das Neunfache der Goldreserven. Dann stieg der Goldpreis, und plötzlich war es nur noch das Sechsfache.

Die expansive Geldpolitik setzte sich fort, der Anstieg des Goldpreises nicht: In der Folge müsste der Goldpreis heute auf 1.500 US-Dollar je Feinunze steigen, um den Hebel der Fed von aktuell 10,5 auf 9 zu verringern. Da ein Ende der expansiven Geldpolitik noch nicht in Sicht ist – trotz der Vorahnungen von einer Zinswende, ist also anzunehmen, dass die Papiergeldsysteme des US-Dollar und Euro weiterhin ausgehöhlt werden. Zumindest bis der Goldpreis steigt.