Investment-Chance Emerging Europe Bonds Osteuropa-Anleihen: Keine Angst vor Russland

2014 war kein gutes Jahr für Anleihen aus den aufstrebenden Ländern Europas. Die Krisen um die Ukraine und Russland haben Investoren verunsichert. „Russland hat ein starkes Gewicht im Index und hat die Performance belastet“, sagt Tomas Krakauskas, Investmentchef von INVL Asset Management. Dennoch lieferten die Anleihen im Schnitt einen Ertrag von 2,5 Prozent, in Asien gab es allerdings über 10 Prozent. Mittlerweile hat die Region schon wieder begonnen aufzuholen.

Krakauskas hält die Bewertungen aber immer noch für attraktiv, allerdings mit Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern und Segmenten. „Während die Spreads in anderen Schwellenländerregionen zum Teil auf historischem Tief liegen, befinden sich sie in Zentral- und Osteuropa in etwa im langfristigen Durchschnitt“, argumentiert der Bond-Experte. Und die Renditen können ebenfalls überzeugen. „In unserem Finasta Emerging Europe Bond Fund haben wir zurzeit eine Rendite von 4 Prozent, und das bei Hartwährungsanleihen und einer Duration von 2,5 Jahren“, so Krakauskas. Im Vergleich zu entsprechenden deutschen Anleihen, bei denen man gar nichts bekommt, ist das für ihn eine lukrative Anlage.

Konvergenz lässt Risikoaufschläge sinken

Für die langfristige Perspektive bleibt die Konvergenz ein Hauptargument für Anleihen aus Emerging Europe. Die osteuropäische Wirtschaft wächst in größeren Schritten als die westeuropäische und holt stetig auf. Der Wohlstand der Bevölkerung nimmt zu. Die Ziele EU und Eurozone rücken für viele Staaten näher oder sind schon erreicht.

2004 traten zehn Staaten der EU bei. 2007 folgten Bulgarien und Rumänien, 2013 gelang schließlich Kroatien der Sprung. In Slowenien wird schon seit 2007 mit dem Euro gezahlt, seit 2008 auch in Zypern und Malta. Die Slowakei schaffte 2009 seine eigene Währung ab, Estland 2011. Jüngste Euroraum-Mitglieder sind Lettland seit 2014 und Litauen seit Anfang dieses Jahres. Mit der wirtschaftlichen Annäherung nimmt die Kreditwürdigkeit der Länder zu, die Risiken sinken, und damit tendenziell auch die Risikoaufschläge bei den Anleihen, was zu Kursgewinnen führt.

Wenn Staatsanleihen, dann in US-Dollar

Auf kürzere Sicht, für die zweite Jahreshälfte, sieht Krakauskas vor allem Chancen bei Unternehmensanleihen. Gegenüber Staatsanleihen ist er eher skeptisch: „Die aktuellen Spreads sind nicht hoch genug für das eingegangene Risiko.“ Der Anstieg der Renditen für deutsche Bundesanleihen, die für viele Anleihen den risikolosen Zins darstellen, hat in den vergangenen Monaten auch bei osteuropäischen Staatsanleihen für Volatilität gesorgt. Solche Szenarien dürften sich künftig wiederholen. „Die Wirtschaft der Eurozone erholt sich. Irgendwann wird es auch die Diskussion, um eine Zinsanhebung geben“, meint Krakauskas. Wenn er in Staatsanleihen investiert, dann in US-Dollar-Bonds, die er auf Euro absichert. „Die Renditen hier sind deutlich höher - selbst nach Kosten für die Absicherung. Die US-Zinskurve preist bereits eine potenzielle Zinsanhebung ein“, erklärt der Anleihe-Spezialist.

Rendite von russischen Staatsunternehmen

Unternehmensanleihen hält Krakauskas jedoch für interessanter. Hier seien die Risikoaufschläge auf ihrem historischen Durchschnitt. Besonders mag er Anleihen von russischen Unternehmen, die in Staatshand sind und eine strategische Bedeutung haben. Insolvenzen hält er hier für weitgehend ausgeschlossen. „Sberbank zum Beispiel hält 40 Prozent der Einlagen in Russland und ist ein sehr gut gemanagtes Unternehmen. Mit 7 Prozent Rendite ist die Anleihe sehr attraktiv“, meint Krakauskas. Für den Anleihefonds Finasta Emerging Europe Bond hat er sie bereits im Dezember mit 10 Prozent Rendite gekauft. „Viele Investoren scheuen sich zurzeit vor einem Investment in Russland. Wir fürchten uns nicht vor Marktturbulenzen, sondern sehen die Chancen“, sagt er. Durch eine detaillierte Analyse der Unternehmen finden er und sein Team vielversprechende Anleihen.