Investition in Randbezirke Ab ins Grüne: Metropolen wachsen nach außen

Ab ins Grüne: Metropolen wachsen nach außen

Über viele Jahre galt: Großstädte wachsen zunehmend nach innen. Der Trend in das Umland habe sich umgekehrt, so konnte man überall hören. Tatsächlich ließ sich ein zunehmender Zug in die Innenstädte feststellen. Vieles spricht jedoch dafür, dass sich dieser Trend abermals umkehren wird. Die Randbezirke und die Speckgürtel der Metropolen gewinnen wieder zunehmend.

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist Berlin: Laut dem Marktmonitor des Verbandes BBU wiesen seit 2014 die Mieten in den bislang günstigsten Stadtrandbezirken Marzahn, Hellersdorf und Reinickendorf die höchsten Steigerungen auf. Auch der Speckgürtel von Berlin, der sich im Unterschied zu den Randbezirken durch eine bessere Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel auszeichnet, profitiert zunehmend: Die Zahl der Pendler, die aus dem Berliner Umland kommen, wächst jedes Jahr. Im Jahr 2000 pendelten 180.000 Brandenburger nach Berlin, heute sind es fast 300.000. Jede fünfte Stelle in Berlin wird von außerhalb besetzt. Dabei ist noch viel Luft nach oben. In dem Maße, in dem Wohnraum in Berlin knapper wird, wird sich die Zahl derjenigen erhöhen, die in den Speckgürtel ziehen und in die Hauptstadt pendeln. In Berlin liegt die Einpendlerquote (Anteil der Einpendler an Arbeitsortbeschäftigten) heute bei ca. 22 Prozent, in Hamburg liegt sie über 37 Prozent und in Bremen sogar über 42 Prozent.

Diese Entwicklung ist nicht überraschend: In den Innenstädten der großen Metropolen ist einfach nicht genug Platz, um die stetig wachsende Zuwanderung aufzunehmen. Nun kommt zu der Binnenzuwanderung noch im verstärkten Maße zu Zuwanderung aus dem Ausland. Auch die meisten ausländischen Zuwanderer wollen nicht im ländlichen Raum leben, sondern in den großen Metropolen. Dort ist jedoch der Wohnraum in den Innenstädten meist viel zu teuer. Die enorme Mietsteigerung in Metropolen wie München, Berlin und Hamburg führt folgerichtig dazu, dass die Städte wieder von innen nach außen wachsen.

Auch zwei aktuelle Entwicklungen befördern diesen Trend: Die enorm hohe Zuwanderung von Flüchtlingen aus dem Ausland und möglicherweise auch die Terrorgefahr. Die Prognose, dass Deutschland langfristig schrumpfen wird, beruhte auf der Annahme, dass 100.000 bis 200.000 Menschen pro Jahr nach Deutschland kommen. Tatsächlich beträgt die Netto-Zuwanderung (nicht nur von Flüchtlingen, sondern auch aus dem EU-Raum) allein in diesem Jahr wahrscheinlich 1,4 Millionen Menschen. Die meisten Zuwanderer zieht es in die Metropolregionen.

Wir alle können nur hoffen, dass der Terror von Extremisten in den kommenden Jahren keine Dauererscheinung wird. Sollte diese Hoffnung enttäuscht werden und auch Europa und Deutschland zunehmend Zielscheibe von terroristischen Anschlägen werden, dann wird dies zu einer zunehmenden Verunsicherung der Menschen vor allem in den großen Metropolen führen. Nach den schrecklichen Terroranschlägen in Paris konnte man in Fernsehinterviews immer wieder die Aussage von Menschen hören, dass sie mit ihren Familien lieber aus den zentralen Lagen wegziehen wollen, weil es ihnen dort auf Dauer zu gefährlich ist.

Es gibt also eine Vielzahl von Gründen und Argumenten, die dafür sprechen, dass die Randbezirke und Speckgürtel der großen Metropolen in Deutschland die eigentlichen Gewinnerregionen in den kommenden zehn Jahren sein werden und warum ich schon seit Jahren Investitionen in den Speckgürteln empfehle.