Investify-Gründer Digitalisierung selbst machen oder einkaufen?

Sebastian Hasenack ist Mitgründer und einer der Geschäftsführer beim digitalen Vermögensverwalter Investify. | © Investify

Sebastian Hasenack ist Mitgründer und einer der Geschäftsführer beim digitalen Vermögensverwalter Investify. Foto: Investify

Der Kunde verlangt nach digitalen Lösungen, die EU verschärft Regulierungen und der Margendruck nimmt weiter zu – Banken und Sparkassen stehen in diesen Tagen vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Zeitgleich drängen immer mehr Fintechs mit digitalen Anlageplattformen auf den Markt. Das stellt die Finanzinstitute vor eine Entscheidung: Begreifen sie die sogenannten Robo-Advisor als Konkurrenten oder nutzen sie diese als Chance für sich?

Die Ansprüche der Anleger sind durch die neuen Angebote weiter gestiegen. Sie erwarten mehr Transparenz, schnellere Reaktionsgeschwindigkeit, besseren Service und das bei annehmbaren Preisen. Das setzt die Banken unter Zugzwang, denn wer sich nicht als Spezialist oder Kostenführer präsentieren kann, hat es auf lange Sicht schwer. Wer sein Angebot auf eine Online-Vermögensverwaltung erweitert, geht mit der Zeit. Doch auf die Entscheidung für ein entsprechendes Angebot folgt sehr schnell die Frage: selbst programmieren – oder doch besser einkaufen?

Fintechs lösen viele Probleme für Banken

Die europaweite Richtlinie Mifid II spielt bei der Entscheidung eine wichtige Rolle. Die Vorschrift soll unter anderem dem Verbraucherschutz zugutekommen. Sie beinhaltet beispielsweise die Neuerung, dass bei Einwilligung des Kunden Beratungsgespräche durch die Bank zukünftig aufgezeichnet werden müssen. Dadurch soll die Sachlage im Falle eines Rechtsstreits eindeutig nachgewiesen werden. Die Pflicht zur Aufzeichnung gilt auch für das Gespräch in der Filiale, dort kann der Berater aber auch einen schriftlichen Vermerk anfertigen.

Für Banken bedeutet dies jedoch einen sehr hohen Verwaltungsaufwand. Geschätze Kosten für die Umsetzung belaufen sich insgesamt auf rund eine Milliarde Euro. Vor allem kleine und mittlere Banken entscheiden sich daher lieber für einen Verzicht von Beratungsgesprächen am Telefon oder verlangen Gebühren. Insgesamt wird die Anlageberatung für die Finanzhäuser durch den neuen Regulierungsrahmen aufwendiger und damit teurer. Die Folge: Der gesteigerte bürokratische Aufwand wird die klassische individuelle Anlagenberatung zunehmend erschweren und den Trend hin zu standardisierten Anlageprodukten weiter fördern.

Viele Institute suchen daher nach Möglichkeiten, ihren Kunden dennoch eine individuelle Anlageberatung zu bieten – ohne dass diese speziell dafür in die Filiale kommen müssen. Automatisierte Geldanlagen durch Robo-Advisors stellen ebendies bereit, da sie über standardisierte Aktien- und Anleihe-ETFs hinaus beispielsweise branchen- und themenspezifische Investmentstrategien anbieten, mit denen sich Anleger identifizieren können und die den persönlichen Bedürfnissen entsprechen.