Schon seit einigen Jahren zeichnet sich eine Krise am Immobilienmarkt ab. So mussten bereits mehrere große Bauunternehmen, darunter Evergrande, Zahlungsunfähigkeit anmelden. Viele Immobilienkäufer haben ihre Hypothekenzahlungen aufgrund zahlreicher Baustopps
vorübergehend eingestellt. Hinzu kommen massive Überkapazitäten, die die Immobilienpreise drücken. Was wiederum die Eigentümer belastet, die zu hohen Preisen gekauft haben.
Warum China keine Option ist
Nach Jahren der Lockerung greift zudem Chinas Regierung wieder stärker in die Wirtschaft ein. Das verschreckt auch europäische Unternehmen. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Horváth unter 150 Unternehmen aus sechs Ländern planen fast zwei Drittel, Aktivitäten ihres Unternehmens aus China auszulagern. Trotz all dieser Probleme ist es unwahrscheinlich, dass die Wirtschaftskraft des Landes auf Dauer geschwächt wird.
Was Investoren hingegen langfristig von Investitionen in China abhalten könnte, sind ethische Bedenken. China steht in der Kritik von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch, unter anderem wegen der Unterdrückung von Protesten, Umerziehungslagern, mangelnder Pressefreiheit, seinem Umgang mit Hongkong und der Verfolgung von Minderheiten wie den Uiguren. Zudem werden Arbeitnehmer oft unversichert und ohne offizielle Arbeitsverträge beschäftigt.
„Sonderbarer Moment“: die 4 Disruptionen
Die Abkehr der Industrieländer von China wird die globalen Lieferketten und Volkswirtschaften verändern. Schon jetzt arbeiten Europa und die USA an ihrer Re-Industrialisierung. Das ist aber nur ein Faktor, der die globale Wirtschaft langfristig beeinflussen wird. „Wir erleben einen sonderbaren Moment, in dem wir vier gravierende Umbrüche gleichzeitig beobachten: An erster Stelle steht die Nachhaltigkeits-Disruption, die durch die Covid-Pandemie beschleunigt wurde. Die zweite Disruption ist die demografische Entwicklung, die Volkswirtschaften wesentlich beeinflusst. Während die entwickelten Volkswirtschaften altern, wachsen Schwellenländer wie China. Die dritte Disruption ist der technologische Wandel, der ebenfalls durch Corona beschleunigt wurde. Und die geopolitische Disruption bedeutet das Ende der Globalisierung, wie wir sie bisher kennen“, fasst Pierri zusammen.
Trends wie die Hinwendung zu einer nachhaltigeren Wirtschaft, Alterung und Deglobalisierung würden zudem die Inflation treiben. Kurzfristig können die Notenbanken die Inflation bändigen, langfristig müssen sie jedoch gegen diese Treiber ankommen. Unabhängig von ihrer geografischen Allokation sollten sich Anleger schon jetzt auf diese Umbrüche einstellen.