Edda Schröder, Sie haben Invest in Visions vor 20 Jahren gegründet – zu einer Zeit, in der Mikrofinanz als Anlageklasse kaum denkbar war. Gab es einen entscheidenden Moment?
Edda Schröder: Der entscheidende Auslöser war meine tiefe Überzeugung vom Konzept der Mikrofinanz. Ich bin damals nach Peru gereist und habe Mikrofinanzinstitute sowie Mikrounternehmerinnen vor Ort kennengelernt. Besonders überzeugt hat mich der Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe: Es geht nicht um kurzfristige Unterstützung oder Spenden, sondern darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, durch eigene unternehmerische Aktivitäten ihre Zukunft nachhaltig zu verbessern.
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Edda Schröder, Sie haben Invest in Visions vor 20 Jahren gegründet – zu einer Zeit, in der Mikrofinanz als Anlageklasse kaum denkbar war. Gab es einen entscheidenden Moment?
Edda Schröder: Der entscheidende Auslöser war meine tiefe Überzeugung vom Konzept der Mikrofinanz. Ich bin damals nach Peru gereist und habe Mikrofinanzinstitute sowie Mikrounternehmerinnen vor Ort kennengelernt. Besonders überzeugt hat mich der Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe: Es geht nicht um kurzfristige Unterstützung oder Spenden, sondern darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, durch eigene unternehmerische Aktivitäten ihre Zukunft nachhaltig zu verbessern.
Beeindruckt hat mich vor allem die Verbindung aus finanzieller und sozialer Rendite. Mir wurde schnell klar: Wer langfristig Entwicklung fördern möchte, braucht nicht nur gute Ideen, sondern auch nachhaltige Finanzierung. Deshalb sind Investitionen oft wirkungsvoller als reine Spenden – sie schaffen Strukturen, die dauerhaft Wirkung entfalten können.
Oliver Fischer, Sie sind Anfang März zu IIV gestoßen und übernehmen in Kürze die Geschäftsführung von Edda Schröder. Was hat Sie überzeugt und was reizt Sie an einer Firma, die so stark mit dem Lebenswerk einer Gründerin verbunden ist?
Oliver Fischer: Das Unternehmen Invest in Visions und auch Edda Schröder kenne ich bereits seit vielen Jahren. Den IIV Mikrofinanzfonds haben wir in der Vergangenheit regelmäßig im Rahmen ethisch-nachhaltiger Vermögensstrategien eingesetzt – als Diversifikationsbaustein und Stabilitätsanker, aber auch aus klarer ethischer Überzeugung. Diese Entscheidung hat sich stets bewährt.
Invest in Visions habe ich über die Jahre als Vorzeigeunternehmen im Bereich Impact Investing wahrgenommen. Die Entscheidung, den Staffelstab von Edda Schröder zu übernehmen, ist daher eine Kombination aus Überzeugung für das Unternehmen, Vertrauen in die Produkte und einer starken persönlichen Identifikation mit den Werten und der Wirkung, für die IIV steht.
Der IIV Mikrofinanzfonds wird in diesem Jahr 15 Jahre alt. Was hat sich in dieser Zeit verändert – und was noch nicht, obwohl es nötig wäre?
Schröder: In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Mikrofinanzsektor erheblich weiterentwickelt und professionalisiert. Viele Institute haben sich von ursprünglich NGO-geprägten Strukturen zu professionellen Mikrofinanzbanken entwickelt. Damit einher gingen bessere Prozesse, höhere Transparenzstandards und eine stärkere institutionelle Verankerung.
Auch regulatorisch hat sich viel getan. In zahlreichen Ländern wurden Rahmenbedingungen geschaffen, um sowohl Endkreditnehmer als auch Investoren besser zu schützen. Gerade Länder wie Indien haben gezeigt, wie Regulierung nach Krisen den Markt stabilisieren und langfristig professionalisieren kann.
Gleichzeitig bleibt Mikrofinanz ein Wachstumsmarkt – und Wachstum bringt nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen. Wo Märkte schnell wachsen, gibt es leider auch Akteure, die weniger verantwortungsvoll agieren. Einzelne Marktteilnehmer nehmen Risiken wie eine mögliche Überschuldung von Endkreditnehmern bewusst in Kauf.
Genau deshalb bleibt ein Thema unverändert wichtig: die sorgfältige Auswahl der Partnerinstitutionen und ein konsequenter Fokus auf verantwortungsvolle Kreditvergabe. Denn Wirkung entsteht nicht allein dadurch, Kapital bereitzustellen – entscheidend ist, wie und von wem es eingesetzt wird.
IIV hat einen Eltif gestartet, der in die Elektrifizierung der Subsahara-Region investiert. Ist das eine logische Weiterentwicklung – oder ein strategischer Richtungswechsel?
Schröder: Die Auflage eines Eltifs mit Fokus auf die Elektrifizierung der Subsahara-Region ist für IIV kein strategischer Richtungswechsel, sondern eine konsequente Weiterentwicklung unserer bestehenden DNA. Seit vielen Jahren liegt unsere Kernkompetenz in der Vergabe von Private Debt und der Finanzierung in Schwellenländern – wir kennen diese Märkte, ihre Chancen, aber auch ihre spezifischen Herausforderungen sehr genau.
Bislang lag unser Fokus vor allem auf der sozialen Dimension nachhaltiger Investments: Über Mikrofinanz adressieren wir bereits das „S" in ESG. Mit Investitionen in Elektrifizierung und Energieinfrastruktur erweitern wir diesen Ansatz nun um die ökologische Komponente – also das „E". Gerade in Subsahara-Afrika ist der Zugang zu verlässlicher Energie eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, Bildung und gesellschaftlichen Fortschritt.
Fischer: Ganz klar eine logische Weiterentwicklung als Produktergänzung und zur Vervollständigung des Impact-Anspruchs von Invest in Visions.
Subsahara-Afrika gilt für viele Investoren vor allem als risikoreich. Wie überzeugen Sie einen deutschen Stiftungsvorstand oder Family-Office-Manager, dort zu investieren?
Schröder: Subsahara-Afrika wird oft zunächst vor allem unter Risikogesichtspunkten betrachtet. Gleichzeitig lohnt sich ein genauerer Blick: Risiko ist nie allein eine Frage der Region, sondern vor allem eine Frage der Diversifikation und der sorgfältigen Auswahl der Investitionsziele.
Schaut man auf die Verschuldungskennzahlen vieler afrikanischer Länder, müssen sich diese keineswegs hinter europäischen Staaten verstecken. Auch zeigen Untersuchungen keine systematisch höheren Ausfallraten für Afrika bei Infrastruktur-Projektfinanzierungen. Hinzu kommt ein enormer struktureller Bedarf: In Subsahara-Afrika haben rund 567 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität. Über 40 Prozent der Unternehmen geben an, dass fehlender oder unzuverlässiger Strom ihre Geschäftstätigkeit erheblich einschränkt.
Für uns ist das daher nicht nur eine Impact-Story, sondern auch eine wirtschaftlich nachvollziehbare Investmentthese: Wir investieren in einen Markt mit hoher Nachfrage und langfristigem Wachstumspotenzial.