Staatliche Investoren vollziehen eine Wende in ihrer Anlagestrategie. Wie die aktuelle Global Sovereign Asset Management Study von Invesco zeigt, planen 52 Prozent der befragten Staatsfonds, ihre aktiven Aktienstrategien in den kommenden zwei Jahren auszubauen. Bei Anleihen liegt der Anteil bei 47 Prozent. Die Studie basiert auf Interviews mit 141 institutionellen Investoren – 83 Staatsfonds und 58 Zentralbanken – die zusammen rund 27 Billionen US-Dollar verwalten.
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Staatliche Investoren vollziehen eine Wende in ihrer Anlagestrategie. Wie die aktuelle Global Sovereign Asset Management Study von Invesco zeigt, planen 52 Prozent der befragten Staatsfonds, ihre aktiven Aktienstrategien in den kommenden zwei Jahren auszubauen. Bei Anleihen liegt der Anteil bei 47 Prozent. Die Studie basiert auf Interviews mit 141 institutionellen Investoren – 83 Staatsfonds und 58 Zentralbanken – die zusammen rund 27 Billionen US-Dollar verwalten.
Die Hinwendung zu aktiven Strategien ist dabei keine kurzfristige Modeerscheinung, sondern eine Reaktion auf fundamentale Marktveränderungen. 62 Prozent der Staatsfonds identifizieren die Konzentration in großen Indizes als wesentlichen Treiber für aktives Management. Angesichts weniger großkapitalisierten Technologieunternehmen, die die Indexperformance dominieren, stellen Institutionen die Diversifikation passiver Strategien zunehmend infrage.
„Passive Strategien funktionieren, wenn Märkte vorhersehbar sind. Das ist nicht länger der Fall“, erklärt ein asiatischer Staatsfonds in der Studie. Diese Einschätzung spiegelt sich in den Portfolios wider: Im Durchschnitt verwalten Staatsfonds bereits über 70 Prozent ihrer Aktien- und Anleiheportfolios aktiv.
© Invesco
Ausgeprägt ist der Trend vor allem bei großen Institutionen. 75 Prozent der Staatsfonds mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar haben in den vergangenen zwei Jahren den Anteil aktiv verwalteter Aktienstrategien erhöht. Bei mittelgroßen Fonds liegt dieser Wert bei 43 Prozent, bei kleineren bei 36 Prozent.
Geopolitische Fragmentierung als Katalysator
Die zunehmende geopolitische Fragmentierung und unterschiedliche geldpolitische Entwicklungen schaffen ein Umfeld, in dem regionale und sektorale Renditeunterschiede zunehmen. 9 von 10 Befragten sehen geopolitische Spannungen als Haupttreiber der Marktvolatilität. 85 Prozent erwarten, dass protektionistische Maßnahmen zu anhaltend höherer Inflation in entwickelten Märkten führen werden.
Diese Einschätzung hat konkrete Auswirkungen auf die Portfoliokonstruktion. Staatliche Investoren betrachten aktives Management nicht mehr primär als Instrument zur Alpha-Generierung, sondern als strategisches Werkzeug für mehr Flexibilität und besseres Risikomanagement. Die Entscheidungen über geografische Allokation, Asset-Klassen-Gewichtung und Sektorpositionierung werden zunehmend als Formen des aktiven Managements verstanden.
Fixed Income gewinnt an Bedeutung
Parallel zur verstärkten Nutzung aktiver Strategien erfährt die Anleiheklasse eine Neubewertung. Nach Jahren niedriger oder negativer Zinsen bieten festverzinsliche Wertpapiere wieder attraktive Renditen. 24 Prozent der Staatsfonds planen auf Nettobasis, ihre Fixed-Income-Allokationen zu erhöhen – nach Infrastruktur die zweithöchste Präferenz unter allen Anlageklassen.
Die Rolle von Anleihen hat sich dabei grundlegend gewandelt. Fast 60 Prozent der Staatsfonds nutzen formalisierte Liquiditätsrahmen, in denen Fixed Income als Puffer für die zunehmende Illiquidität von Private-Market-Investments dient. „Unser umfangreiches Direktinvestment-Exposure hat Liquiditätsmanagement zu einer strategischen Priorität erhoben“, erläutert ein nordamerikanischer Staatsfonds.
Private Credit als strategischer Baustein
Die Expansion in Private Credit unterstreicht den Trend zu aktiveren und flexibleren Anlagestrategien. 73 Prozent der Staatsfonds sind bereits in dieser Anlageklasse investiert, gegenüber 65 Prozent im Vorjahr. Der Anteil direkter Investments und Co-Investments stieg von 30 auf 44 Prozent, während gleichzeitig auch fondsbasierte Zugänge von 56 auf 63 Prozent zunahmen.
Private Credit bietet aus Sicht der Investoren mehrere Vorteile: variable Verzinsung als Schutz vor Zinserhöhungen, maßgeschneiderte Strukturierung und geringere Korrelation zu öffentlichen Märkten. Die Anlageklasse hat sich von einer opportunistischen Beimischung zu einem strategischen Portfoliobaustein entwickelt.
Auch bei Schwellenländeranlagen dominieren aktive Ansätze deutlich. Nur 9 Prozent der Staatsfonds nutzen passive Strategien für einen signifikanten Teil ihrer Emerging-Markets-Allokation. 51 Prozent verzichten komplett auf passive EM-Investments, weitere 40 Prozent setzen sie nur begrenzt ein.
Gleichzeitig verlassen sich 55 Prozent hauptsächlich auf externe Manager für ihre Schwellenländerinvestments, weitere 30 Prozent nutzen eine Mischung aus direkten Investments und externen Managern. Nur 15 Prozent investieren primär direkt. Diese Präferenz für spezialisierte externe Manager unterstreicht die Bedeutung lokaler Expertise in komplexen und fragmentierten Märkten.
China erfährt dabei eine differenzierte Neubewertung. 28 Prozent der Staatsfonds zählen China zu ihren wichtigsten Märkten, verglichen mit 20 Prozent im Vorjahr. Der Fokus liegt auf spezifischen Sektoren: 89 Prozent sehen Chancen in digitaler Technologie, 70 Prozent jeweils in fortschrittlicher Fertigung und grünen Technologien.
Die Studienergebnisse zeigen eine grundlegende Verschiebung in der institutionellen Vermögensverwaltung. Aktives Management wird nicht als Gegensatz zu passiven Strategien positioniert, sondern als notwendige Ergänzung in einem komplexeren Marktumfeld.