Invesco-Studie Worauf es beim Low-Volatility-Effekt ankommt

Henning Stein (l.) und Michael Fraikin von Invesco.

Henning Stein (l.) und Michael Fraikin von Invesco.

Mehr Risiko ist nicht mit mehr Ertrag gleichzusetzen. Auf dieser, inzwischen weitläufig akzeptierten Erkenntnis gründet der Ansatz des Low-Volatility-Investings. Im risikoaversen Umfeld der vergangenen Jahre haben Low-Volatility- oder Low-Beta-Strategien sehr starken Zulauf erfahren. Dadurch fürchten manche inzwischen, dass sich zu viele Investoren in diesem Segment tummeln, sie sorgen sich um einen sogenannten Crowded Trade. Diese Sorgen sind – noch – unbegründet.

Um in einem Massenmarkt-Szenario vom Low-Volatility-Effekt zu profitieren, ist jedoch ein gewisses Maß an gegensätzlicher Meinung zum breiten Markt (Contrarianism) unverzichtbar. Wir plädieren daher für Low-Volatility-Produkte mit einem wirklich differenzierten Ansatz.

Angesichts der Tatsache, dass die Grenzen zwischen aktiven und passiven Anlagestrategien zunehmend verschwimmen, müsste ein Ansatz die Vorzüge von Faktoren und einem systematischen Investmentprozess möglichst effektiv miteinander verbinden. Das Ziel aus Anlegersicht muss ein disziplinierter, proaktiver Investmentansatz sein, der sowohl auf geringe Wertschwankungen als auch auf hohe Überrenditen ausgerichtet ist.

Die neue Invesco-Studie „Standing out from the crowd“ beleuchtet die theoretischen und marktpsychologischen Grundlagen des Low-Volatility-Investing. Sie untersucht, ob der Markt tatsächlich überkauft ist, und bewertet die Risiken und Chancen, die mit dem spektakulären Wachstum des Sektors einhergehen. Wir betonen die Bedeutung eines vorausschauenden Ansatzes und des Aufbaus von Portfolios, die das Risiko nicht nur streuen, sondern minimieren. Die Studie zeigt dabei die Rolle von Faktoren, Fundamentaldaten und die Marktpsychologie in diesem Zusammenhang, und präsentiert Belege für die Effektivität derartiger Strategien.

Die Überzeugung, dass höhere Renditen nicht automatisch mit einem höheren Risiko verbunden sein müssen, ist inzwischen so weit verbreitet, dass sogenannte Smart-Beta-Fonds, die von dieser Anomalie profitieren wollen, laut Research-Haus ETFGI Ende des dritten Quartals 2017 bereits ein verwaltetes Vermögen von über 640 Milliarden US-Dollar auf sich vereinten.

Wir sind nach wie vor überzeugt, dass der Low-Volatility-Ansatz in einem risikoaversen Umfeld weiterhin interessant ist – vor allem für Investoren, die nicht nur der Masse folgen wollen, sondern den Wert der Differenzierung erkennen.

Bei Low-Volatility-Strategien mit Bottom-up-Ansatz geht es darum, Aktien zu identifizieren, die mehr bieten als nur eine vergleichsweise hohe Immunität gegenüber heftigen Kursausschlägen nach oben und unten. Wichtig ist auch die Betrachtung der Gewinnerwartungen der Unternehmen, ihrer Führung, fundamentalen Qualität und Nachhaltigkeit sowie die Frage, wie die Unternehmen ihre Ressourcen und ihren Cashflow einsetzen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist zudem die aktuelle Marktstimmung. Entscheidend ist der Aufbau eines Beste-Ideen-Portfolios auf Basis systematischer Faktoren und bewährter Konzepte mit einer Kombination von Aktien, die sich sowohl durch Stabilität als auch durch attraktive Fundamentaldaten auszeichnen – also ein Low-Volatility-/High-Alpha-Portfolio.

Viele Fonds kleben sehr stark an ihrem Referenzindex. Daher sollte eine akribische und flexible Stockpicking-Philosophie zu Anlagepositionen führen, die nicht nur aktiv von der Benchmark abweichen, sondern sich auch deutlich gegenüber dem durchschnittlichen Minimum-Varianz-Portfolio differenzieren. In einem Umfeld, in dem Low-Volatility-Strategien den Massenmarkt erobert haben, spielt die systematische Aktienselektion eine große Rolle, um sich von der Mittelmäßigkeit der Herde abzusetzen.

Nach dem Run der vergangenen Jahre mag der Low-Volatility-Zug inzwischen überfüllt sein. Wir sehen aber noch gute Gründe, die dafürsprechen, dass dieser Zug noch eine interessante Wegstrecke vor sich hat.

>>Hier kann man die vollständige Studie herunterladen


Über die Autoren:
Michael Fraikin leitet bei der Fondsgesellschaft Invesco das Research. Er kam 1997 als Portfoliomanager für europäische Aktien zu den US-Amerikanern, wurde Leiter des Aktiensegments und 2000 dann Leiter Aktien. Seine Karriere begann er 1991 im Buyside-Research der Commerzbank.

Dr. Henning Stein verantwortet den Bereich des Thought Leadership bei Invesco und leitet das Marketing-Team für das institutionelle Geschäft in Europa und dem Nahen Osten. Er kam 2016 von der DWS zu Invsco.