Interviews zu Gehältern, Jobprofilen, Teamwechseln Headhunter analysieren den Personalmarkt im Private Wealth Management

Aleksander Montalbetti gründete und leitet nun die Personalberatung
Montalbetti Partners.

Aleksander Montalbetti gründete und leitet nun die Personalberatung Montalbetti Partners. © Montalbetti Partners

Die Zusammenfassung und die Gehaltstabellen zu Fixgehältern und Boni finden Sie hier.

Wie steht es aus Ihrer Sicht derzeit um die Private-Wealth-Branche in Deutschland?

Aleksander Montalbetti:  Der Markt ist sehr kompetitiv; viele Banken und Vermögensverwalter haben nach wie vor ambitionierte Wachstumspläne in Deutschland. Denn hierzulande gibt es immer mehr Ultra-High-Net-Worth-Individuen, und es stehen viele „Cash-Events“ an, wie Unternehmensverkäufe oder der Generationswechsel mit der Übertragung des Vermögens an die jüngere Generation.

Wirtschaftliche und politische Unsicherheiten führen zur Diversifizierung des Vermögens, wovon die liechtensteinischen und die Schweizer Banken profitieren. Deutschland ist ein schwieriger und stark fragmentierter Bankenmarkt mit vielen Wettbewerbern, der aktuell zu einigen Konsolidierungen führt, wie beispielsweise die kürzlichen Übernahmen von Hauck Aufhäuser Lampe und HSBC.

Inwiefern macht sich die Zinswende in der Branche bemerkbar?

Montalbetti: Die Zinswende führte zu vielen Anpassungen der Anlagestrategien und somit auch zu einer Umschichtung von Portfolios. Dies bot vielen Banken durchaus die Gelegenheit, neue Kunden zu akquirieren, da diese mit der Performance ihrer bestehenden Bank nicht zufrieden waren.

Welche akuten und welche langfristigen Auswirkungen hat die wirtschaftliche Stagnation/Rezession derzeit auf den Personalmarkt?

Montalbetti: Die Wechselbereitschaft der Kandidaten verringert sich, und die Entscheidungsfindung dauert länger. Arbeitgeber gehen bei Einstellungen noch viel selektiver vor.

Jobprofil: Welche Fähigkeiten sollten Bewerber mitbringen und wie haben sich die Anforderungen im Vergleich zu den Vorjahren verändert?

Montalbetti: Gesucht werden nach wie vor akquisitionsstarke Relationship Manager, die die Fähigkeit mitbringen, ein Kundenbuch bei der neuen Adresse zügig aufzubauen. Da aktuell ein Generationswechsel auf der Kundenseite stattfindet, sollte dieser auch auf der Betreuerseite erfolgen. Die „Next Gen“ ist oft besser informiert und möchte bei der Anlagestrategie stärker mitwirken. Dabei achtet sie insbesondere auf die Nachhaltigkeit der Investments und steht dem Thema alternative Investments viel offener gegenüber. Dementsprechend ändert sich das Anforderungsprofil der Banker.

Welche Wechseltendenzen lassen sich derzeit bei den Arbeitnehmern in der Branche feststellen? (Abkehr von Banken, Digitalisierung, Fintechs etc.?)

Montalbetti: Ich sehe hier keine erheblichen Tendenzen. 

Welche Anreize müssen Arbeitgeber den Kandidaten in der Branche bieten, um sie von einem Wechsel zu überzeugen?

Montalbetti: Wichtig sind eine klare Strategie, Vision, eine gute Unternehmenskultur und ein klares Commitment an den Case, sowie eine entsprechende attraktive Vergütung und flexible Arbeitsmodelle.

In welchen Abteilungen und Bereichen wird verstärkt eingestellt?

Montalbetti: Vertrieb und Kundenberater; Kandidaten mit Assets werden immer noch sehr stark gesucht.

Wie haben sich die Gehälter im Private Wealth Management in den vergangenen zwei Jahren entwickelt?

Montalbetti: Wir haben einen Anstieg erlebt, unter anderem durch das sehr kompetitive Umfeld, beflügelt durch den Eintritt der beiden liechtensteinischen Banken.

Wie entwickeln sich Themen wie New Work, Homeoffice oder Workation aktuell und zukünftig? (Banken kippen Homeoffice-Regeln, neue Büros etc.)

Montalbetti: Kandidaten erwarten Flexibilität in Bezug auf Homeoffice-Tage. Der Zwang zur Rückkehr ins Büro erschwerte auf jeden Fall die Rekrutierung bei vielen Banken. Diese überdenken nun ihre Entscheidung und lockern die Regeln wieder.

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