private banking magazin: Herr Hyun, Sie verfolgen bei Perpetual einen Endowment-Ansatz. Was bedeutet das konkret?
You-Ha Hyun: Wir orientieren uns an universitären Stiftungsfonds wie Harvard oder Yale und setzen auf langfristige Diversifikation über verschiedene Anlageklassen. Durch den langen Anlagehorizont können wir ein Portfolio konstruieren, das ein besseres Risiko-Rendite-Profil aufweist. Konkret bedeutet das: Weit über 50 Prozent unseres Portfolios stecken in Private Equity, Private Credit und Infrastruktur.
Etwa 75 bis 80 Prozent bilden wir über Fonds ab, was uns Zugang zu thematisch fokussierten Strategien gibt. Die übrigen 20 bis 25 Prozent sind Direkt- oder Co-Investments, mit denen wir das Portfolio gezielt steuern und den Investitionsgrad erhöhen können. Co-Investments beziehen wir überwiegend aus bestehenden Managerbeziehungen – so minimieren wir das Risiko der adversen Selektion, also dass uns nur die schlechteren Deals angeboten werden.
Wie kam es zu diesem Ansatz?
Hyun: Vor zehn Jahren haben wir das Investment Office aufgesetzt. Dabei entwickelten wir ein Portfolio, das zu den langfristigen Zielen der Familie passt. Gleichzeitig nutzten wir Größenvorteile, um unsere Asset Allocation modular auf einer Luxemburger Fondsplattform aufzubauen – damit können wir sie sowohl großen als auch kleinen Vermögensträgern zur Verfügung stellen. Heute nutzen das Familienmitglieder sowie andere Unternehmer, Family Offices und institutionelle Investoren.
Unser Ziel war ein Portfolio aus Modulen, die innerhalb der jeweiligen Anlageklasse und zueinander diversifizieren. Das reicht von Eigenkapital zu Fremdkapital, sowohl in liquiden als auch illiquiden Marktsegmenten. Private Credit bildet dabei einen wichtigen Baustein.
Warum setzen Sie im Private-Credit-Bereich nicht auf klassisches Direct Lending?
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private banking magazin: Herr Hyun, Sie verfolgen bei Perpetual einen Endowment-Ansatz. Was bedeutet das konkret?
You-Ha Hyun: Wir orientieren uns an universitären Stiftungsfonds wie Harvard oder Yale und setzen auf langfristige Diversifikation über verschiedene Anlageklassen. Durch den langen Anlagehorizont können wir ein Portfolio konstruieren, das ein besseres Risiko-Rendite-Profil aufweist. Konkret bedeutet das: Weit über 50 Prozent unseres Portfolios stecken in Private Equity, Private Credit und Infrastruktur.
Etwa 75 bis 80 Prozent bilden wir über Fonds ab, was uns Zugang zu thematisch fokussierten Strategien gibt. Die übrigen 20 bis 25 Prozent sind Direkt- oder Co-Investments, mit denen wir das Portfolio gezielt steuern und den Investitionsgrad erhöhen können. Co-Investments beziehen wir überwiegend aus bestehenden Managerbeziehungen – so minimieren wir das Risiko der adversen Selektion, also dass uns nur die schlechteren Deals angeboten werden.
Wie kam es zu diesem Ansatz?
Hyun: Vor zehn Jahren haben wir das Investment Office aufgesetzt. Dabei entwickelten wir ein Portfolio, das zu den langfristigen Zielen der Familie passt. Gleichzeitig nutzten wir Größenvorteile, um unsere Asset Allocation modular auf einer Luxemburger Fondsplattform aufzubauen – damit können wir sie sowohl großen als auch kleinen Vermögensträgern zur Verfügung stellen. Heute nutzen das Familienmitglieder sowie andere Unternehmer, Family Offices und institutionelle Investoren.
Unser Ziel war ein Portfolio aus Modulen, die innerhalb der jeweiligen Anlageklasse und zueinander diversifizieren. Das reicht von Eigenkapital zu Fremdkapital, sowohl in liquiden als auch illiquiden Marktsegmenten. Private Credit bildet dabei einen wichtigen Baustein.
Warum setzen Sie im Private-Credit-Bereich nicht auf klassisches Direct Lending?
Hyun: Die zentrale Frage lautete: Wollen wir eine rein auf Markt-Beta fokussierte Direct-Lending-Strategie fahren, oder gibt es die Möglichkeit, alternative Kreditrisikoprämien zu erwirtschaften? Insbesondere wollten wir Diversifikation gegenüber unserem Private-Equity-Programm aufbauen.
Deshalb verfolgen wir einen alternativen Ansatz, der auf drei Säulen basiert: Erstens, Asset-backed-Strukturen mit hohen vertraglich zugesicherten Cashflows. Zweitens, falsch bewertete Gelegenheiten infolge von Marktverwerfungen. Drittens, hybride Nischenstrategien mit hoher Verwandtschaft zu Private Credit, die aber wenig mit klassischen Corporate-Credit-Märkten korrelieren.
Können Sie Beispiele nennen?
Hyun: Royalty-Investments im Gesundheits- und Musikbereich, Finanzierungen von GP-Commitments, also den Eigenkapitalverpflichtungen von Fondsmanagern, Rechtsstreitigkeitenfinanzierung oder Insurance-Linked-Strategien, bei denen Versicherungsrisiken verbrieft werden.
Durch diesen Ansatz generieren wir Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien, die zu einer Überrendite gegenüber klassischen Direct-Lending-Märkten und auch liquiden Kreditmärkten führen. Unser Portfolio ist damit ein idealer Diversifikator für traditionelle Private-Market-Portfolios. Dafür sind wir auch bereit, in Strategien zu investieren, bei denen wir als Early Adopter dabei sind.
Was heißt das konkret?
Hyun: Wir sind in verschiedene Strategievertikale investiert. Im Bereich Structured Capital Solutions geht es überwiegend um kreditgetriebene Wachstumsfinanzierungen im Mittelstand, bei denen der Manager durch sein flexibles Mandat Paketlösungen für Unternehmen schnürt. Im Bereich Special Situations und Distressed zielen wir auf Überrenditen ab, die sich aus Marktverwerfungen ergeben können – das können Brückenfinanzierungen oder Finanzierungslösungen für Nischenstrategien sein, die aufgrund ihrer Besonderheiten keinen Zugang zu klassischen Finanzierungsinstrumenten haben.
Herr Schneider, Sie vertreten bei Vicenda die Perspektive des Produktgebers. Wie ordnet sich Ihr Ansatz ein?
Philipp Schneider: Sowohl Perpetual als auch wir beschäftigen uns mit unterversorgten Bereichen im Private-Credit-Markt – also mit Segmenten, die von klassischen Banken oder großen Fonds oft nicht abgedeckt werden. Unser Fokus liegt auf dem deutschsprachigen Europa und insbesondere auf Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen.
Dieses KMU-Segment ist die vergessene Mitte des Marktes: zu groß für traditionelle Bankkredite, aber zu klein für institutionelle Großinvestoren. Genau hier sehen wir Chancen. Aus diesen Finanzierungen entstehen Investitionslösungen, die wir in Fondsstrukturen oder als Co-Investments umsetzen, sodass Investoren gezielt an Kredittransaktionen partizipieren können.
Warum gerade der deutsche Mittelstand? Wenn man in die Medien schaut, könnte man denken, dass hierzulande derzeit alles in die falsche Richtung geht.
Schneider: Der deutsche Mittelstand steht in einer spannenden Phase. Viele Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen und stabilen Cashflows haben heute einen erschwerten Zugang zu Finanzierung. Darin sehen alternative Kapitalgeber eine Chance. Wir bewegen uns im Segment zwischen 10 und 75 Millionen Euro. Unterhalb dieser Schwelle sind Banken vereinzelt noch aktiv, oberhalb dominieren große Investmentbanken und große Private-Credit-Fonds.
Zur Veranschaulichung: Wenn ein mittelständisches Unternehmen in Deutschland 25 Millionen Euro Fremdkapital sucht, gibt es vielleicht fünf ernsthafte Gesprächspartner – wir sind einer davon. Sucht ein Unternehmen hingegen 100 Millionen, stehen Dutzende Anbieter bereit. Diese Lücke macht das KMU-Segment so interessant.
Herr Hyun, sehen Sie eine kommende Marktkorrektur im Private-Credit-Bereich?
Hyun: Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen. Anstehende Fälligkeiten gepaart mit hohen Zinskosten sprechen eher für eine Korrektur. Wir gehen aber nicht von einer systemischen Krise aus, sondern von punktuellen Verwerfungen durch Risiko-Neubewertungen der Marktteilnehmer.
Wir sehen höheren Refinanzierungsbedarf insbesondere in den USA im Bereich gewerblicher Immobilien. Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem Manager, der berichtete: Ostasiatische Banken haben einen deutlich zweistelligen Milliarden-Dollar-Betrag in nachrangigen US-Commercial-Real-Estate-Krediten, die vor enormen Refinanzierungsproblemen stehen und kurz vor dem Verzug sind. Diese Banken werden ihr Exposure reduzieren und diese Positionen mit möglichst geringen Verlusten abstoßen wollen. Auf der Unternehmensseite erwarten wir, dass der Bedarf an kurzfristigen Finanzierungen wie Brückenfinanzierungen oder Finanzierungen für finanzielle Schieflagen zunehmen wird.